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CD-Besprechung

Music for Violin, Cello and Piano

Ernest Chausson • Eugène Ysaÿe

Etcetera KTC 1729

1 CD • 60min • 2021

02.08.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Ernest Chausson schrieb sein wahrscheinlich bekanntestes Werk, das Poème op. 25 für Violine und Orchester auf Bitten des befreundeten belgischen Geigers und Komponisten Eugène Ysaÿe. Es entstand 1896 womöglich als Antwort auf Ysaÿes Poème élégiaque op. 12 (1893). Somit ergab sich ein interessantes Programm für drei portugiesische Künstler, die dieses op. 12 mit dem frühen Trio op. 3 Chaussons und der Méditation op. 16 des belgischen Wundergeigers kombinierten.

Franko-wallonische Wagner-Begeisterung

Mit seiner Biographie wäre Ernest Chausson (1855-1899) heute wahrscheinlich Politiker. Als Mehrfachbegabung in den Bereichen Musik, Literatur, Malerei brach er zunächst ein Jura-Studium ab, um bei Jules Massenet und César Franck, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verbinden sollte, Komposition zu studieren. Seine für den Rompreis eingereichte Kantate war bereits in der ersten Runde ausgesondert worden, worauf er das Conservatoire unter Protest verließ und mit der Komposition des von Franck und Richard Wagner beeinflussten Trio op. 3 in g-moll begann. Es entstand 1881 also mit einer erheblichen Wut im Bauch über diese künstlerische Niederlage. Der Zuhörer sollte sich die Motive der düster-brütenden Einleitung des Kopfsatzes gut einprägen, da diese im langsamen dritten Satz und am Ende des Finales noch wichtige Impulse für den Verlauf geben. Da die Partitur des Werks erst 1919 posthum gedruckt wurde, dauerte es lange, bis das Werk Eingang ins Repertoire fand. Hierzulade ist es immer noch eher ein Geheimtipp.

Von Eugène Ysaÿe (1858-1931) kennt man heute höchstens noch seine exorbitant schweren 6 Sonaten für Violine allein. Schüler der Geiger-Komponisten Henri Wieniawski und Henri Vieuxtemps, von César Franck mit der Widmung der A-Dur Sonate als Hochzeitsgeschenk bedacht und von Nathan Milstein als „Zar der Geige“ apostrophiert, gehörte er zu den profiliertesten Musikern seiner Zeit. Welch phantastischer Geiger er war, beweist das Dutzend hinterlassener Aufnahmen, die man sich unbedingt einmal anhören sollte. Die besondere Klangwirkung seines Poème élégiaque, das sich auf die Sterbeszene aus Romeo und Julia bezieht, beruht auf dem Kniff, die G-Saite der Geige auf F herunterzustimmen (Scordatur). Dies verschiebt die Resonanz des Instruments ins Dunklere, hat aber zur Folge, dass diese Saite nur im zentralen Trauergesang verwendet werden kann. Ebenso wie das Poème ist auch die Méditation op. 16 von gesteigerter Tristan-Chromatik durchwoben, sodass man durchaus an einen frühen Alexander Scriabin oder Karol Szymanowski denken könnte. Für beide Werke ist vom Komponisten ein glänzend instrumentiertes Orchester vorgesehen.

Das ginge besser

Interpretatorisch ist nicht allzu viel Positives zu vermelden. Bruno Monteiro (Vl.) und Miguel Rocha (Vc.) mögen beide gestandene Solisten sein. Jedoch gelingt es ihnen nicht, bei den vielen in Oktaven geführten Passagen im Trio zu einem riesigen „Violin-Cello“ zu verschmelzen, was vor allem an der mangelnden Einheitlichkeit in der Intonation liegt. Hier bedarf es eines eingespielten Trios, wie des Trio Wanderer, das den Chausson wesentlich souveräner im Griff hat. In den beiden im Kern lyrischen, in Aufschwüngen jedoch hochvirtuosen Ysaÿe-Soli wird – so man den Notentext vor Augen hat – kräftig gemogelt. Hier kann auch Joao Paulo Santos aufgrund des unübersichtlichen und unglaublich dicken Klavierauszugs nur in Korrepetitoren-Manier agieren. Da sich Ysaÿe instrumentatorisch an Parsifal und Ring orientierte, kann man es dem Pianisten nicht zum Vorwurf machen, sollte dann aber zur Aufnahme der Philharmoniker aus Liége greifen.

Fazit: Zusammenstellung interessant, Ausführung maximal mittelprächtig. Auf jeden Fall einmal in die Vergleichsaufnahmen hineinhören.

Vergleichsaufnahmen:

Chausson Trio Wanderer, Harmonia Mundi France

Ysaÿe: Orchestre Philharmonique Royal de Liége, Musique en Wallonie.

Thomas Baack [02.08.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ernest Chausson
1Klaviertrio g-Moll op. 3 00:33:24
Eugène Ysaÿe
5Poème élégiaque op. 12 für Violine und Klavier 00:14:14
6Meditation-Poème op. 16 00:12:10

Interpreten der Einspielung

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