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CD-Besprechung

George Enescu

Violin Concerto • Phantasy for Piano & Orchestra

cpo 555 487-2

1 CD • 54min • 2021

17.01.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Der vielseitige Komponist und Intendant Peter Ruzicka ist bislang als Dirigent hauptsächlich mit eigenen Werken hervorgetreten. Gerade auf CD hat er sich daneben auch für die Musik seines Lehrers Hans Werner Henze und noch weitgehend ungehobene Schätze des Rumänen George Enescu (1881-1955) eingesetzt. So erschienen beim Osnabrücker Label cpo bereits die vom Komponisten vollständig skizzierten, aber weitgehend uninstrumentiert hinterlassenen, späten Symphonien Nr. 4 & 5 in durchaus dankbaren Fassungen von Pascal Bentoiu. Auf der neuen Veröffentlichung widmet sich Ruzicka hingegen zwei frühen Stücken Enescus – anscheinend beides Erstaufnahmen.

Violinkonzert mit klassischen und romantischen Wurzeln

Auf der Violine galt Enescu als Wunderkind, wurde rasch einer der bedeutendsten zeitgenössischen Geiger; und zu seinen Schülern gehörten keine Geringeren als Menuhin, Grumiaux, Ferras und Gitlis. Seine eigentliche Berufung sah der bereits als Jugendlicher zunächst in Wien bei „Pepi“ Hellmesberger und Robert Fuchs, ab 1894 dann in Paris ausgebildete Rumäne jedoch als Komponist. Der ungeheure Erfolg seiner beiden Rumänischen Rhapsodien op. 11 verstellte leider den Blick auf einen vielschichtigen Tonsetzer, der folkloristische Elemente eigentlich – ähnlich Bartók – nur als Material verwendete und durchaus der Moderne zuzurechnen ist. Selbst Meisterwerke wie seine Oper Oedipe oder die 2. Symphonie erfahren erst seit knapp 30 Jahren mehr Beachtung. Aus den Pariser Anfängen stammt das monumentale, allerdings unvollendete – ein Finale fehlt – Violinkonzert von 1895/96. Man spürt hier einerseits den Einfluss des auf Formstrenge pochenden Lehrers Fuchs; doch bereits der 20-minütige Kopfsatz mit seiner langen, damals freilich völlig unüblichen Orchestereinleitung, schwankt zwischen ganz klassischen Vorbildern – namentlich Beethoven und Brahms –, und zugleich mit einer fast rondoartigen Aneinanderreihung von Themen eher rhapsodischen Modellen der Liszt-Nachfolge. Der anspruchsvolle, teils auch Max Bruch nahestehende Solopart verzichtet auf allzu äußerliche Virtuosität. Die besondere Sanglichkeit gerät dann aber im zweiten Satz in Gefahr, mit ihrer über Strecken leicht martialischen Unterfütterung etwas im Sande zu verlaufen.

Hochengagierte, geradezu optimale Solisten

Caroline Widmann spielt das alles hochengagiert und klangschön, macht dabei die Beziehungen zwischen den schnell ins Ohr gehenden Motiven deutlich. Die NDR Radiophilharmonie (Hannover) begleitet sensibel, verweigert jedoch keineswegs die bald zumindest klassische Dimensionen sprengende, hochromantische Ausdruckskraft. All dies bringt Ruzicka mit Begeisterung herüber, ohne die teilweise kaum zu verdeckende Unausgegorenheit des Werkes bloßzustellen. Nach dem ebenfalls fragmentarischen Klavierkonzert von 1897 folgte ein Jahr später die Fantasie für Klavier und Orchester. Dieses Stück entspricht vollkommen den Erwartungen der Zeit: Der Klaviersatz bedient sich lisztscher Errungenschaften und das Ganze endet mit großer, heroischer Geste: wirkungsvoll, aber noch mit wenig individuellem Profil. Luiza Borac ist es, lange nach Dinu Lipatti, zu verdanken, dass das hochbedeutende Klavierwerk Enescus – mit drei umfänglichen Suiten und zwei erhaltenen Sonaten – wieder in den Konzertsaal zurückgefunden hat. Seit ihren maßstabsetzenden Soloaufnahmen gilt sie als die wohl berufenste Interpretin des Komponisten und wird diesem Anspruch mit Orchester erneut gerecht. Insgesamt schließt die auch aufnahmetechnisch überzeugende CD eine wirklich erstaunliche Repertoirelücke. Nur Volker Tarnows Liner Notes bleiben merkwürdig diffus.

Martin Blaumeiser [17.01.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
George Enescu
1Violinkonzert 00:33:09
3Phantasie für Klavier und Orchester 00:20:23

Interpreten der Einspielung

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