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CD-Besprechung

Carl Stamitz

Le Jour Variable
Four Symphonies

cpo 555 344-2

1 CD • 66min • 2019

11.11.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Carl Stamitz (1745-1801) war der Sohn von Johann Stamitz (1717-1757), der die Mannheimer Hofkapelle des pfälzischen Kurfürsten Karl Theodor gründete und dieses Orchester zur Geburtsstätte des „Mannheimer Stils“, einer der bedeutenden Schulen der deutschen Frühklassik, machte. Carl Stamitz verlor seinen Vater und ersten Lehrer, als er 12 Jahre alt war und wurde dann durch dessen hervorragende Kollegen in Mannheim bestens ausgebildet.

Von Mannheim nach Paris

Im Alter von 25 Jahren zog Carl Stamitz mit seinem Mannheimer Rüstzeug im Gepäck in die Welt hinaus: Dies bedeutete zunächst Paris, wo er – im Unterschied zu dem wenige Jahre später dort ankommendem W. A. Mozart – Fuß fassen konnte. In der französischen Hauptstadt bediente er den galanten Musikgeschmack des französischen Publikums, verband sich in Freundschaft mit François-Joseph Gossec (1734-1829) und lebte ab 1772 in Versailles. Seit 1779 bereiste er als Musiker und Komponist den europäischen Kontinent, auf steter Suche nach einer lukrativen Festanstellung.

Prekäre Selbständigkeit

Diese Suche nach einer „Convenable Salarisirten Condition“ zeigt, dass die künstlerische Eigenständigkeit in seiner Generation nicht genügte, um ein wirtschaftliches Auskommen zu sichern: Carl Stamitz‘ Schicksal erinnert hier durchaus an das seines Kollegen Mozart, der ungefähr so viele Jahre jünger war, als ihn selbst von Joseph Haydn trennten. Allein Haydn – der älteste von diesen dreien – konnte dank der Noblesse seines Arbeitgebers, des Fürsten Esterházy, in materiell abgesicherter Position eine gewisse Selbständigkeit als Komponist verwirklichen. In den 1790er Jahren fand Stamitz als führende Gestalt im musikalischen Leben der Universitätsstadt Jena eine langersehnte berufliche Stetigkeit, in der er bis zu seinem Tod 1801 als Leiter der akademischen Konzerte wirken konnte.

Stilistische Selbständigkeit

Die Werke dieser zweiten CD, die cpo dem sinfonischen Schaffen von Carl Stamitz widmet, zeigen, ebenso wie jene auf der ersten Folge mit Werner Ehrhardt und seinem Ensemble L’Arte del Mondo, das weite Spektrum, in dem Stamitz jr. sein Erbe verwirklichte. Sie belegen so seine Weiterentwicklung der so genannten „Mannheimer Sinfonie“, die der frühen sinfonischen Form des 18. Jahrhunderts so bedeutende musikhistorische Anstöße gegeben hatte. Ausgehend von der in seinem wohl noch in Mannheim entstandenen op. 2 dokumentierten meisterlichen Beherrschung der „Mannheimer Sinfonie“ führt der Weg zu einem eigenständigen sinfonischen Schaffen während der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, das es nicht verdient, angesichts der Schöpfungen von Zeitgenossen wie C. Ph. E. Bach, Joseph Haydn und Mozart (die wohl für die musikhistorische Entwicklung der Gattung größere Bedeutung besessen haben mögen) unter den Teppich gekehrt zu werden.

Spannender Direktvergleich

Mit der Sinfonie in d-Moll op. 15 Nr. 3, die auf beiden CDs eingespielt wurde, bietet sich sogar die Möglichkeit eines direkten Vergleichs zwischen den beiden Ensembles an. Beide Dirigenten gestalten eine höchst leidenschaftliche Wiedergabe dieser Sinfonie, wobei die Dramatik bei Ehrhard und L’Arte del Mondo vertikaler organisiert ist als bei Willens und seiner Kölner Akademie, die in einem gemeinsamen Vorwärtsstürmen vielleicht mehr einen Ausblick auf die Fortentwicklung des Genres geben als den gegenwärtigen Punkt der Entwicklung in den Blick zu nehmen – hier scheint mir Ehrhardts Deutung überlegen. Das sind freilich nur Nuancen zwischen zwei Ausrichtungen der Interpretation, die beide dem sinfonischen Schaffen von Carl Stamitz gerecht werden.

Fesselndes musikalisches Jagdgemälde

Beide Einspielungen schließen jeweils mit einer „Programmsinfonie“ – auf der hier zu besprechenden CD ist es eine „Große Pastorale Sinfonie“ mit dem Titel Le Jour variable, der „abwechslungsreiche Tag“ also. Von einer angenehmen Morgenstimmung des ersten Satzes „Le beau Matin“ geht es direkt in ein Unwetter „La Tempête“; als dritter Satz folgt „La Nuit obscure“, die dunkle Nacht (ein bisschen elegant und ein bisschen unheimlich), um schließlich mit „La Chasse“ in die fulminanten Klangschilderung einer Jagd zu münden – mit markerschütternden Jagdhornklängen, wilden Reiterrhythmen und martialischem Abblasen im Stretta-Abschluss der Sinfonie. Dagegen ist die Sinfonie mit dem Titel „La Chasse“ auf der CD von Ehrhardt und L’Arte del Mondo schon als Komposition ein schwacher Abglanz des Temperaments, das diese Jagdschilderung beseelt. Man wäre nicht verwundert, wenn der hochgebildete Beethoven bei seinen Plänen zur der eigenen Sinfonie „Pastorale“ sich nicht auch von dieser außerordentlich originellen Pastoralsinfonie von Carl Stamitz hätte beeindrucken lassen.

Vergleichseinspielung: Carl Stamitz: Vier Sinfonien; L’arte del mondo, Werner Ehrhardt (Leitung); CD: cpo 777 526-2.

Detmar Huchting [11.11.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Carl Stamitz
1Sinfonie d-Moll op. 15 Nr. 3 Kai. 24 00:12:45
4Sinfonie G-Dur op. 2 Nr. 3 00:14:59
8Sinfonie Es-Dur op. 6 Nr. 2 00:12:45
11Le Jour Variable G-Dur (La Promenade Royale, Große Pastoralsinfonie) 00:24:51

Interpreten der Einspielung

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