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CD-Besprechung

Moonbow

Gunnar Andreas Kristinsson

Sono Luminus DSL-92246

2 CD • 63min • 2020

21.05.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Vor 100 Jahren noch kaum auf der musikalischen Landkarte vertreten, verfügt Island mittlerweile über eine bemerkenswert aktive Musikszene. Mit der vorliegenden CD des amerikanischen Labels Sono Luminus wird die Phalanx der auf Tonträger vertretenen Komponisten um Gunnar Andreas Kristinsson (Jg. 1976) erweitert, dem (nach einer offenbar privaten Erstlings-CD und einem Beitrag auf einer Doppel-CD des Kammerorchesters Reykjavík) nun erstmals ein komplettes Album bei einem größeren Label gewidmet ist. Gunnar Andreas Kristinsson war Schüler unter anderem von Atli Heimir Sveinsson und Krzysztof Meyer (in Köln), von besonderer Bedeutung scheint seine Zeit in Den Haag gewesen zu sein, wo er bei Martijn Padding, Diderik Wagenaar und Clarence Barlow studierte. Seit 2009 lebt er wieder in Island, wo die auf dieser CD eingespielten Werke entstanden.

Minimal Music, Mikrotonalität und nordischer Tonfall

Präsentiert werden fünf Stücke, wobei die drei kammermusikalischen Werke in der Mitte von zwei Kompositionen für Kammerensemble eingerahmt werden, die durchaus orchestrale Züge besitzen – in der Tat entspricht ihr Instrumentarium im Wesentlichen dem eines Sinfonieorchesters, nur dass alle Stimmen solistisch besetzt sind. Bei aller Vielfalt in Besetzung und in den Ansätzen der einzelnen Stücke fallen einige grundsätzliche Charakteristika auf, die in der Summe eine recht eigene (und einfallsreiche) Tonsprache ergeben. Alle fünf Werke zeigen deutliche Einflüsse von Minimal Music, wohl von der holländischen Schule herrührend. Auch Mikrotonalität und Spektralmusik spielen eine Rolle, vor allem in den die CD beschließenden Wurzeln, die in drei kurzen, sich in ihrer Komplexität steigernden Sätzen mit den Möglichkeiten der Obertonreihe und Mikrotonalität spielen. Gleichzeitig besitzt die Musik einen unverkennbar nordischen Tonfall, der sich etwa in Melos (Patterns IIb verwendet z.B. ein isländisches Volkslied), der (meist weitgehend freitonalen) Harmonik und tendenziell eher gedeckten Timbres manifestiert.

Karge Anfänge, Entfaltung und dramatische Zuspitzung

Oft wirken die Werke zunächst eher karg, geprägt von sparsam instrumentierten, statisch wirkenden Grundbausteinen. Allmählich kommen dann mehr Stimmen hinzu, die Musik gerät in Bewegung und die Harmonik wird reicher, die Stücke entfalten sich gewissermaßen, blühen auf. So entsteht eine Folge von kontrastierenden, in der Regel auf festen melodischen und rhythmischen Mustern aufgebauten Blöcken; besonders einprägsam vielleicht die lyrischen, ruhig fließenden, oft klangschönen Passagen. Dabei verliert Gunnar Andreas Kristinsson nicht die Binnendramaturgie seiner Werke aus dem Blick, typisch sind ebenfalls groß angelegte, über Minuten hinweg entwickelte Spannungsbögen. Im Klarinettenkonzert Sisyfos sowie in Moonbow (für Streichquartett) kommt es auf diese Weise schließlich zu einer dramatischen, in ein abruptes Ende mündenden Kulmination.

Die Ausführenden auf dieser CD (wie das CAPUT Ensemble oder das Siggi String Quartet) zählen zu den führenden Interpreten moderner Musik in Island; Gunnar Andreas Kristinssons Werke sind bei ihnen in ausgesprochen kompetenten Händen. Die Tonqualität der CD ist ausgezeichnet, das Klangbild detailreich und durchhörbar; übrigens wird neben der CD noch eine Blue-ray Disc inklusive mp3-, flac- und wav-Dateien mitgeliefert. Das Beiheft ist eher kurz gehalten, liefert aber die wesentlichen Informationen zum Komponisten und seinen Werken. Etwas schade ist, dass in der Trackliste nur die Namen der Stücke genannt werden, nicht aber ihre Besetzung oder gar Entstehungszeit, was die Orientierung vereinfachen würde. Insgesamt ist dieses Album aber ein gelungenes Plädoyer für Gunnar Andreas Kristinssons Musik.

Holger Sambale [21.05.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Gunnar Andreas Kristinsson
1Sisyfos 00:18:06
2Patterns IIb 00:11:39
3Moonbow 00:15:32
4PASsaCAgLia B 00:06:41
5Roots 00:10:29

Interpreten der Einspielung

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