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CD-Besprechung

Swan Hennessy

En passant ... Selected works for piano

Perfect Noise PN 2006

1 CD • 75min • 2020

22.12.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Der Pianist Moritz Ernst hat sich vor allem damit einen Namen gemacht, Klaviermusik zu Unrecht in Vergessenheit geratener Komponisten wieder ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Verdienstvoll und auch qualitativ auf höchstem Niveau war etwa seine Gesamtaufnahme der Klaviersonaten Viktor Ullmanns sowie der erhaltenen Sonaten des Schönberg-Schülers Norbert von Hannenheim. In seiner neuen CD beschäftigt sich Ernst mit den größtenteils impressionistischen Miniaturen des Amerikaners Swan Hennessy (1866-1929). Der findet sich nicht mal mehr in aktuellen Großlexika (Musik in Geschichte und Gegenwart 2 oder The New Grove); in der alten MGG gibt es jedoch einen Artikel, wo Guy Ferchault dessen Werk treffend als „voller Charme und Ungezwungenheit“ beschreibt.

Ein Amerikaner in Paris

Hennessy stammte aus der Nähe von Chicago und wurde von seinem irisch-stämmigen Vater schon früh nach Europa geschickt. Nach der Schule in Oxford widmete er sich von 1879-86 in Stuttgart dem Musikstudium. Seine Wahlheimat wurde nach längerem Hin und Her quer durch Mitteleuropa ab 1903 dann endgültig Paris – und dort verfeinerte er zunehmend seinen Stil, der zuvor eher von Schumann und Reger beeinflusst war. Seine Klaviermusik näherte sich mehr dem musikalischen Impressionismus an; neben der Bewunderung – und Nachahmung – Debussys und Ravels spürt man bei ihm ebenso durchaus einen gewissen Hang zu Humor und Satire, der so auch von Satie stammen könnte. Die pianistische Schreibweise ist gekonnt, die Schwierigkeiten halten sich dabei in Grenzen – im hier vorgestellten Programm ist der Valse caprice À la Reger [Track 21] vielleicht noch das vertrackteste Stück: höchst absichtsvoll. Insgesamt findet sich wenig Eigenständigkeit, aber die präziseste Charakterisierungskunst auf knappstem Raum – Hennessys Werk folgt eigentlich immer einem Programm – ist dennoch beeindruckend. Auch lässt sich eine Entwicklung feststellen: Die sechs den Pariser Banlieues gewidmeten Stücke von 1925-28 zeigen sich nochmals konzentrierter als die Zyklen, die vor dem ersten Weltkrieg entstanden sind.

Dem Impressionismus folgt Keltizismus

Nach dem Krieg verschrieb sich Hennessy ganz dem musikalischen Keltizismus – der auf der vorliegenden Aufnahme nur durch die drei Pièces celtiques op. 45 (schon von 1912) vertreten ist, und natürlich nicht nur in Frankreich Wurzeln schlug, etwa bei Guy Ropartz: Verschiedenste Ansätze finden sich außerdem beim avantgardistischen Henry Cowell oder noch viel später in der Klaviermusik des schottischen Komponisten Robert Stevenson. Hierbei spielen naturgemäß folkloristische Einflüsse eine gewichtige Rolle. In der Meinung des Rezensenten sind übrigens diese drei Stücke sowie die frische Sonatine, die ebenfalls nicht nur im Fahrwasser des Impressionismus schwimmt, musikalisch am stärksten. Ernst spielt diese Musik mit Hingabe und schafft es vor allem, immer sofort den richtigen Tonfall zu treffen – die größte Herausforderung angesichts der Kürze dieser Stückchen: Hier muss man auf den Punkt „da“ sein! Ganz überzeugend klappt das dann bei den abschließenden Pasticci-Kompositionen À la manière de… So gesehen ist Hennessys Musik tatsächlich eine Entdeckung und immerhin kurzweilig bis vergnüglich, auch wenn sich der Komponist letztlich nur als Randerscheinung im reichhaltigen Pariser Musikleben bewegt hat.

Martin Blaumeiser [22.12.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Swan Hennessy
1Au Couvent (aus: Croquis de femmes op. 33) 00:01:41
2Bavardes (aus: Croquis de femmes op. 33) 00:00:47
3La Vieille tante (aus: Croquis de femmes op. 33) 00:00:46
4Mondaine (aus: Croquis de femmes op. 33) 00:00:41
5Jeunes angleises (aus: Croquis de femmes op. 33) 00:01:28
6Dans les jardains du sérail (aus: Croquis de femmes op. 33) 00:02:03
7Charmeuse de serpents (aus: Croquis de femmes op. 33) 00:02:48
8Au bord de la forêt op. 21 00:06:41
9Fête de village au XVIIIme siècle (aus: Fêtes. Deux Morceaux descriptifs op. 36) 00:02:04
10Fête populaire dans la banlieue de Paris au XXme siècle (aus: Fêtes. Deux Morceaux descriptifs op. 36) 00:01:12
11Petit pâtre sur les hauts pâturages (aus: En passant ... Études d'après nature op. 40) 00:01:38
12Champs de blé au clair de lune (aus: En passant ... Études d'après nature op. 40) 00:01:53
13Dans une petite ville flamande le dimanche (aus: En passant ... Études d'après nature op. 40) 00:00:48
14Cîmes neigeuses (aus: En passant ... Études d'après nature op. 40) 00:02:11
15Sieste en chemin de fer (aus: En passant ... Études d'après nature op. 40) 00:02:17
16Valse rustique (aus: Valses caprices op. 41) 00:00:58
17Valse canaille (aus: Valses caprices op. 41) 00:03:09
18Valse distraite (aus: Valses caprices op. 41) 00:00:51
19Valse boîteuse (aus: Valses caprices op. 41) 00:01:50
20Valse érotique (aus: Valses caprices op. 41) 00:01:29
21À la Reger (aus: Valses caprices op. 41) 00:01:17
22Encore une valse (aus: Valses caprices op. 41) 00:01:40
23Sonatine op. 43 00:08:06
26Pièces celtiques op. 45 00:05:57
29Promenade matinale au Jardin du Luxembourg (aus: Croquis parisiens op. 47) 00:02:05
30L' Américain que a bien diné (aus: Croquis parisiens op. 47) 00:02:10
31Dans un atelier de couturiers (aus: Croquis parisiens op. 47) 00:01:15
32Clamart (aus: Banlieuses. Six Petites pièces op. 69) 00:01:21
33Aubervilliers (aus: Banlieuses. Six Petites pièces op. 69) 00:00:56
34Meudon (aus: Banlieuses. Six Petites pièces op. 69) 00:01:05
35Robinson (aus: Banlieuses. Six Petites pièces op. 69) 00:00:59
36Verrières (aus: Banlieuses. Six Petites pièces op. 69) 00:02:10
37Bourg-la-Reine (aus: Banlieuses. Six Petites pièces op. 69) 00:01:40
38À la manière de Alexandre Borodine 00:01:08
39À la manière de Emmanuel Chabrier 00:01:43
40À la manière de Claude Debussy - Benjamin Godard 00:02:43
41À la manière de Maurice Ravel 00:01:21

Interpreten der Einspielung

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