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CD-Besprechung

String Quartets

Božidar Kunc • Fan Lhotka • Josip Štołcer Słavenski

cpo 555 297-2

1 CD • 56min • 2018

29.06.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Das in Zagreb beheimatete Streichquartett Sebastian zeigt mit dieser kleinen Anthologie, auf welch hohem Niveau in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kroatische Komponisten Streichquartette schrieben. Die drei Stücke stammen aus den Jahren 1931 bzw. 1941. Ihre Autoren, zwischen 1883 und 1903 geboren, verbrachten ihre frühen Lebensjahre in der Spätphase der Habsburgermonarchie und starben alle während der Herrschaft Titos.

Unterschiedliche Lebensgänge

Davon abgesehen verliefen ihre Biographien höchst unterschiedlich: Božidar Kunc, Bruder der Sopranistin Zinka Milanov, gelangte als Konzertpianist zu internationalem Ansehen und lebte zuletzt in den Vereinigten Staaten; wohingegen Fran Lhotka, in Böhmen geboren und von Dvořák in Prag ausgebildet, erst als Erwachsener in Zagreb ansässig wurde, dann aber über ein halbes Jahrhundert die unangefochtene musikalische Autorität der kroatischen Hauptstadt darstellte. Der von Schönberg und Schreker geschätzte Bartók-Schüler Josip Stolcer schließlich, der sich selbst Slavenski nannte und 30 Jahre in Belgrad wirkte, musste nach dem Zweiten Weltkrieg erleben, wie er allmählich in Vergessenheit geriet; erst nach seinem Tod wusste man seine Bedeutung für die Musikgeschichte Jugoslawiens recht zu würdigen.

Vielfältige Musik in vorzüglicher Darbietung

Stilistisch verbindet die drei Tonsetzer eine betonte Abkehr von der mitteleuropäischen Funktionsharmonik des 19. Jahrhunderts. Die in allen Stücken reichlich gebrauchten Dissonanzen, sie seien chromatisch oder aus modaler Diatonik gewonnen, wirken durchaus als Farbwerte. Harmonische und klangfarbliche Effekte sind eng miteinander verflochten, und allen Komponisten ist ein untrügliches Gespür dafür nachzurühmen, welch vielfältige Klänge sich einem Ensemble aus vier Streichern entlocken lassen. Einflüsse aus der Volksmusik finden sich bei Kunc nur in verallgemeinerter, stilisierter Form. Sein dreisätziges Quartett ist als einziges der vorgestellten Werke als Sonate in klassischer Gestalt konzipiert, und nimmt ziemlich genau die Hälfte der Gesamtspielzeit in Anspruch. Bei Lhotkas Werk handelt es sich um ein Diptychon aus Elegie und Scherzo, von denen namentlich das Scherzo durch die zahlreichen Siebenertakte auf die Tanzmusik des Balkans verweist. Slavenski legte mit seinem Quartett Nr. 4 kein Originalwerk vor, sondern schuf es, indem er Sätze aus drei früheren Stücken unterschiedlicher Besetzung für Streichquartett arrangierte. Diese knappe, locker gefügte Suite deswegen zu unterschätzen, wäre verfehlt. Sie legt in jedem Takt Zeugnis davon ab, daß das lebhafte Interesse, das man dem Komponisten in seinen jungen Jahren international entgegenbrachte, völlig gerechtfertigt war.

Die Darbietungen durch das Sebastian-Quartett kann man als durchweg vorzüglich bezeichnen. Die melodiebetonte, klangprächtige Musik ihrer Landsleute ist bei diesen Musikern, die sich auf gesangliche Ausformung der Linien ebenso verstehen wie auf stampfende Tanzrhythmen, in besten Händen. Die vorliegende CD stellt also nicht nur drei hörenswerte Komponisten vor, sondern auch eine Streichquartettformation von Rang. Leicht getrübt wird das Vergnügen allerdings dadurch, dass die Pausen zwischen den Werken zu kurz geraten sind.

Norbert Florian Schuck [29.06.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Božidar Kunc
1Streichquartett F-Dur op. 14 00:28:04
Fran Lhotka
4Elegie und Scherzo 00:13:14
Josip Slavenski
6Streichquartett Nr. 4 00:15:08

Interpreten der Einspielung

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