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CD-Besprechung

Max Bruch

Complete Symphonies

cpo 555 252-2

2 CD • 2h 29min • 2019

11.05.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Nach Kurt Masur und James Conlon legt nun der noch recht junge amerikanische Chefdirigent des Baskischen Nationalorchesters und des Malmö Symphonie-Orchesters, Robert Trevino, mit den Bamberger Symphonikern einen neuen Zyklus der drei Symphonien von Max Bruch vor. Doch cpo ist diesmal in der glücklichen Lage, eine vollständigere Gesamteinspielung zu repräsentieren als die Vorgänger, denn man hat zusätzlich den in der Erstfassung der 1. Symphonie bei der Uraufführung enthaltenen (und kurz darauf herausgenommenen) zweiten Satz, ein biedermeierlich idyllisches Andante-Intermezzo, eingefügt, wodurch die 1. Symphonie auf die ursprüngliche Fünfsätzigkeit erweitert ist und damit rein äußerlich noch näher an ihr offenkundiges Vorbildwerk, Schumanns ‚Rheinische‘ Symphonie, heranrückt, wie dies Bookletautor Eckhardt van den Hoogen denn auch in aller Ausführlichkeit ausführt.

Erstmals mit Urfassung der 3. Symphonie

Er informiert uns auch, dass Bruch das für die Druckausgabe bei Cranz entfernte Intermezzo in H-Dur nun in seine gleich nach der Zweiten geplante 3. Symphonie inkorporieren wollte, dann jedoch die Skizzen zu derselben beiseite legte, wodurch aus dem geplanten Opus 38 ein Opus 51 wurde. Erst unlängst ist nun also die fünfsätzige Urfassung beim Verlag Edition Stringendo im Druck erschienen, und der Herausgeber ist auf vorliegender CD auch mit seinem Konzertschluss zu Bruchs Shakespeare-Oper Hermione vertreten – womit wir uns zunächst auf das Ergänzungsprogramm vorliegenden Doppelalbums konzentrieren: Dieses umfasst die kurze, schwärmerische Ouvertüre zur frühen Geibel-Oper Loreley, neben dem Vorspiel auch den schmucken Trauermarsch und ein kurzes Entr’Acte aus Hermione sowie das wirklich erhaben gewobene, lyrisch prachtvolle Vorspiel zum Oratorium Odysseus, dessentwegen sich die vorliegende Sammlung für Bruch-Freunde allein schon lohnt.

Der Rhapsode als Symphoniker

Max Bruch war kein großer Symphoniker, jedoch zweifelsohne ein äußerst gediegener Komponist und ein vortrefflicher Meister orchestraler Wirkungen. Ein großer Meister ist er überall da, wo es um rhapsodisches Erzählen geht: in seinen Violinkonzerten und -konzertstücken (und entsprechend für Bratsche bzw. Cello) mit ihren rassigen geigerischen Themen, ihren innigen Schwärmereien, ihrer bezaubernden Kurzweiligkeit. Wenn es primär architektonisch wird, ist Bruch konventioneller, schematischer, biederer. Trotzdem sind diese Werke natürlich stets sehr schön, und außer Frage steht, dass er über weite Strecken große Klangpracht zu entfalten versteht. Die vorliegenden Einspielungen bestechen mit erstaunlicher Liebe zum Detail. Was sehr selten ist: die Tempi neigen eher dazu, zu breit zu sein, auch in den Modifikationen oftmals zu sehr verbreiternd, wo es nur um Abwandlungen eines weiterhin spürbar sein sollenden Grundtempos geht. Doch das ist allemal der Neigung zum Gehetzten, Flüchtigen vorzuziehen, und vieles hört man hier zum ersten Mal in aller Deutlichkeit. Die Stärken der Darstellung liegen im Lyrischen, vor allem im Zarten. Wenn es sehr kräftig wird – und Bruch liebt recht lange Fortissimo-Flächen –, leidet die Balance und es wird des öfteren diesem erzromantischen Tonfall unangemessen schroff. Insgesamt halte ich vorliegende Aufnahme in Abwägung der Vor- und Nachteile für die bisher empfehlenswerteste, auch bezüglich des durchsichtigen und präsenten Klangbilds wird dieser Eindruck unterstützt. Der Bookletautor gefällt sich als tendenziell weitschweifiger Erzähler, der durchaus das Erratische nicht scheut und versucht, uns ein charakteristisches Psychogramm des so kauzigen wie bedeutsamen Meisters zu liefern, und letzten Endes erfahren wir so ungewöhnlich viel über die Persönlichkeit in ihrer Zeit und die Umstände, unter denen diese Werke zustande gekommen sind.

Christoph Schlüren [11.05.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Max Bruch
1Sinfonie Nr. 1 Es-Dur op. 28 00:38:04
6Sinfonie Nr. 2 f-Moll op. 36 00:39:22
CD/SACD 2
1Hermione op. 40 (Vorspiel) 00:08:54
2Hermione op. 40 (Begräbnismarsch) 00:06:15
3Hermione op. 40 (Zwischenaktmusik) 00:02:35
4Die Loreley (Große romantische Oper in vier Akten) 00:04:53
5Odysseus op. 41 (Vorspiel) 00:09:54
6Sinfonie Nr. 3 E-Dur op. 51 00:38:30

Interpreten der Einspielung

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