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CD-Besprechung

Mieczysław Weinberg

Cello Concerto op. 43 • Fantasy op. 52 • Concertino op. 43bis

cpo 555 234-2

1 CD • 67min • 2018

19.02.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Eigentlich gebührte das Verdienst der Entdeckung Mieczyslaw Weinbergs noch zu Lebzeiten dem schwedischen Musikologen Per Skans und dem längst nicht mehr existierenden, ebenso abenteuerfreudigen wie systematisch forschenden britischen Label Olympia, dessen CDs heute gesuchte Raritäten sind. Damals schrieb man den Komponisten in angelsächsischer Alliteration seines offiziellen Namens seit der Emigration in die Sowjetunion 1939 auf der Flucht vor den deutschen Invasoren Moisei Vainberg. Doch hat es einen zweiten großen Anlauf gebraucht, mit prominenter Unterstützung vor allem Gidon Kremers und David Pountneys, denen diese Musik auch lange nicht bekannt war, um nunmehr rechtzeitig vor seinem 100. Geburtstag 2019 Weinbergs Namen ins Rampenlicht der Klassikwelt zu rücken. Seit ungefähr drei, vier Jahren geht es Schlag auf Schlag, hauptsächlich dank des Engagements von zunächst Neos, dann Naxos, Toccata Classics, cpo, Melodiya, auch ECM und mittlerweile sogar der Deutschen Grammophon, dass Weinbergs Name auf dem Plattenmarkt omnipräsent erscheint und mittlerweile auch zunehmend im Konzertleben gebräuchlich wird.

Jetzt legt cpo seine sämtlichen drei Werke für Cello und Orchester in einer Einspielung vom Juni 2018 mit dem norwegischen Kristiansand Symphony Orchestra unter Leitung des vielbeschäftigten polnischen Kapellmeisters Lukasz Borowicz vor. Solist ist der technisch formidable, erstaunlich gewandte und treffsichere Raphael Wallfisch.

Blick in Weinbergs Werkstatt

Ich muss gestehen, dass diese Werke meines Erachtens nicht zu Weinbergs besten und interessantesten gehören, und ziehe ihnen beispielsweise die meisten seiner Symphonien und Streichquartette vor. Zugleich sind sie sehr populär im Tonfall, strukturell höchst einfach zu erfassen, und atmosphärisch fesselnd. Das große Cellokonzert ist eine expandierte Fassung des ebenso vorgelegten Concertinos für Cello und Streichorchester, und der hier gegebene Vergleich ist höchst instruktiv und lässt den Hörer sozusagen in die Werkstatt Weinbergs einblicken (das Konzert mit großem Orchester ist 1956 doppelt so lang wie sein in nur fünf Tagen entstandenes kleineres Geschwisterstück von 1948, damit sehr eindrucksvoll und eben auch stellenweise etwas langatmig geworden). Zwischen Concertino und Konzert entstand 1951-53 die 17minütige rhapsodisch eingängige Phantasie für Cello und Orchester op. 52, die bislang etwas weniger bekannt ist. Auch hier ist der teils geradezu volkstümlich erscheinende Tonfall mit jüdisch-jiddischen Intonationen auffallend. Insgesamt ist die Musik auf dieser CD mehr klagend als jubelnd. Ist man also eher melancholisch veranlagt bzw. gestimmt, so dürfte einem die emotionale Botschaft sofort vertraut sein.

Souveräner Solist

Strukturell, hinsichtlich des Tonsatzverständnisses werden an die Ausführenden keine sehr hohen Ansprüche gestellt. So gilt die Aufmerksamkeit automatisch primär den wechselnden Ausdruckszuständen und der Intensität der Darbietung. Wallfisch spielt rein cellistisch absolut souverän, wobei ich den Eindruck einer gewissen Monochromie der Tongebung nicht leugnen kann. Tontechnisch ist das Soloinstrument eindeutig zu stark hervorgehoben, worunter die natürliche Macht der Orchesterwirkungen leidet und an der ihr zustehenden Bedeutung verliert, aber das ist etwas, dass überall fast immer passiert. Aber auch dieses produktionsbedingten Nachteils eingedenk, fehlt es dann doch immer wieder an den echten, möglichen starken Gegensätzen in der orchestralen Performance, es sollte sowohl erdig wuchtiger als auch zarter in der linearen Verästelung möglich sein. Freilich, es ist eben eine Studioaufnahme, und das rechte Gefühl für die Entfaltung der Kontraste in der Zeit will sich bei fortwährender Unterbrechung und Zerstückelung eben dann doch nicht einstellen. Also leben wir mit dem, was man Maximierung der Perfektion nennen kann. Was eine ganze Menge, aber eben auch nicht alles ist. Durchaus grundsolide und auch in ausreichendem Umfang wie bei cpo üblich informiert der Booklettext von Danuta Gwizdalanka.

Christoph Schlüren [19.02.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Mieczyslaw Weinberg
1Konzert op. 43 für Violoncello und Orchester 00:33:19
5Fantasie op. 52 für Violoncello und Orchester 00:17:08
6Concertino op. 43bis 00:16:30

Interpreten der Einspielung

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