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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

Alkan

Symphony for solo piano • Concerto for solo piano

BIS 2465

1 CD/SACD stereo/surround • 78min • 2017, 2018

28.12.2019

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Paul Wee, als Sohn singapurischer und malaysischer Eltern in Australien geboren, debütierte bereits als 12-Jähriger in der Royal Albert Hall, studierte später Klavier in New York, entschied sich jedoch letztlich für ein Jura-Studium in Oxford. Neben seiner Tätigkeit als Londoner Anwalt für internationales Handelsrecht versteht er heute seine pianistischen Auftritte eher als Entspannung und Hobby, was ihn aber nicht daran hindert, sich auf seiner ersten BIS-CD gleich zwei der dicksten Brocken romantischer Klavierliteratur vorzunehmen: die Symphonie und das Concerto für Klavier solo von Charles Valentin Alkan (1813-1888).

Alkan, dem man nachsagte, an technischem Aberwitz und musikalischer Durchdringung selbst Franz Liszt zu übertreffen, zog sich nach relativ kurzer Pianistenkarriere – kaum dreißigjährig – aus der Öffentlichkeit zurück, widmete sich ausschließlich der Komposition und Talmud-Studien. Als er in den 1870er Jahren wieder gelegentlich auftrat, war er schon fast vergessen. Nur wenige Pianisten, allen voran Ferruccio Busoni, setzten sich bis in die 1920er Jahre für Alkans Werk ein; erst ab Mitte der 1960er Jahre begann dann eine echte Alkan-Renaissance. In den letzten zwanzig Jahren verdanken wir etwa Marc-André Hamelin einige maßstabsetzende Aufnahmen und Konzertdarbietungen.

Die viersätzige Symphonie und das dreisätzige Concerto wurden von Alkan als 7 von 12 Etüden durch alle Molltonarten veröffentlicht – rein pianistisch absolut furchterregend; die Symphonie dabei lange nicht so (über-)ambitioniert wie das wirklich monströse Konzert, das 121 Partiturseiten umfasst und 50 Minuten dauert. Paul Wee zeigt sich den technischen Anforderungen voll gewachsen, erreicht fast die Tempi Hamelins, und auch sein Dynamikumfang wird dem Anspruch Alkans gerecht, hier ja quasi ein volles Orchester zu imaginieren. Wees Anschlag ist allerdings über weite Strecken noch härter und erbarmungsloser als der Hamelins, wird aber nie unkultiviert. Seltsamerweise schwankt seine Interpretation dann doch zwischen fast nähmaschinenartigem Heruntergenudel (Finale der Symphonie, unmittelbarer Beginn des 30-minütigen Kopfsatzes des Concertos) bis zu Momenten wirklich ausdrucksstarker Lyrik. Hier gönnt er der Musik dann öfters mehr Rubato als Hamelin. An die brandaktuelle Aufnahme des Concertos von Schaghajegh Nosrati, die Virtuosität völlig in den Hintergrund stellt und der ein bisher bei Alkan unerreichtes Maß an klanglicher und emotionaler Differenzierung gelingt, kommt Wee aber nicht annähernd heran. Wee versteht es trotzdem, gerade im riesigen ersten Satz des Konzerts dessen großräumige, klare Architektur verständlich zu machen, bei der formal strengeren Symphonie umso müheloser. Seine Vorstellung von Alkans 88-Tasten-Orchester orientiert sich mehr an Berlioz‘ Errungenschaften, gerade in harmonischer Sicht; für die noch vorhandene Nähe zu Chopin – etwa gleich im ersten quasi solo des Konzerts unverhohlen retrospektiv – fehlt ihm bedauerlicherweise jeglicher Zugang. Das Finale des Concertos wird bei Wee zumindest eine hinreißende Virtuosennummer, die in Staunen versetzt. Insgesamt eine gelungene und Alkan würdige Einspielung, die auch aufnahmetechnisch in Ordnung geht. Neue musikalische Erkenntnisse oder ein bis in die Detailarbeit vordringendes, einheitliches Konzept sucht man leider vergebens. Das Argument von BIS, dass hier zum ersten Mal die beiden Werke auf einer einzelnen CD erhältlich sind, reicht indes nicht zu einer eindeutigen Empfehlung.

Vergleichseinspielungen: Symphonie – Marc-André Hamelin (2000, Hyperion CDA67218), Concerto – Marc-André Hamelin (2006, Hyperion CDA67569), Schaghajegh Nosrati (2018, Avi-music 8553104).

Martin Blaumeiser [28.12.2019]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Charles Valentin Alkan
1Symphony for Solo Piano op. 39 Nr. 4-7 (Douze études dans tous les tons mineurs) 00:26:16
5Concerto pour Piano Seul op. 39 Nr. 8-10 (Douze études dans tous les tons mineurs) 00:51:30

Interpreten der Einspielung

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