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CD-Besprechung

Aus leuchtender Romantik in dunkle Zeit

Liederzyklen und Kammermusik von Arnold Winternitz, Ludwig Ferdinand von Bayern und Casimir von Pászthory

Aus leuchtender Romantik in dunkle Zeit

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 09.10.19

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Thorofon CTH26562

2 CD • 2h 08min • 2018, 2019

Ein Doppelalbum, das nur aus Ersteinspielungen besteht, ist schon an sich eine Rarität, die neugierig macht. Der Musikologe und Regisseur Peter P. Pachl, ein unermüdlicher Schatzgräber besonders auf dem Gebiet der Vokalmusik deutscher Komponisten, die um 1900 und die Jahrzehnte später aktiv waren, hat nun drei Kleinmeister ausgegraben, deren Namen selbst den gebildeten Musikfreunden bislang kaum ein Begriff gewesen sein dürften. Der älteste von ihnen, Ludwig Ferdinand von Bayern (1859-1949), war ein befreundeter Vetter von Ludwig II. und ein angesehener Chirurg und Gynäkologe, der nebenbei - aber durchaus nicht dilettantisch - auch als Komponist tätig war. Der Linzer Arnold Winternitz (1874-1928) war ein erfolgreicher Dirigent und hat auch ein paar Opern komponiert, deren Orchesterstücke in diesem Album in einer Klavierversion kurz anklingen. Casimir von Pászthory (1886-1966) schließlich, aus einer Musikerfamilie kommend - beide Eltern waren Schüler von Franz Liszt - war seinerzeit nicht nur als Cello- und Klaviervirtuose ein Begriff, sondern hat auch ein reiches Œuvre an Kompositionen hinterlassen, darunter etwa 60 Kunstlieder.

Um verkannte Meisterwerke handelt es sich bei den hier aufgezeichneten Stücken überwiegend wohl nicht, aber auch nicht um kuriose Randerscheinungen der Musikgeschichte. Alle Kompositionen sind es wert, wieder gehört zu werden. Dass sie in Vergessenheit geraten sind, hängt allein mit ihrer eher rückwärts gewandten Ästhetik zusammen. Die vielen aktuellen Strömungen der Avantgarde seit 1900, bis hin zur Zwölftonmusik, sind an diesen Komponisten, die verschiedenen Generationen angehörten, scheinbar spurlos vorübergegangen. Auf dem Gebiet des Kunstliedes verfolgen sie die Tradition von Zelter und Reichardt, d. h. die Musik ist bei ihnen die gehorsame Tochter der Poesie. Und das ist bei hochkarätiger Lyrik auch gar kein falscher Ansatz.

Die beiden Sänger, die Sopranistin Rebecca Broberg und der Tenor Hans-Georg Priese, werden den Ansprüchen dieser Lieder mit präziser, plastischer Diktion und der Kunst des „recitar cantando“ in hohem Maße gerecht. Brobergs Stimme, die wie die ihres Mitstreiters mittlerweile zum hochdramatischen Fach tendiert, ist vielleicht eine Spur zu schwer für die japanischen Miniaturen von Winternitz und glänzt am meisten in Lenaus Schilfliedern von Ludwig Ferdinand, Priese hat in den Rilke- und Hesse-Vertonungen Pászthorys, die überwiegend in baritonaler Lage geschrieben sind, wenig Gelegenheit, vorhandenen tenoralen Höhenglanz zu zeigen. Wie in früheren Veröffentlichungen bei Thorofon hält sich der Pianist Rainer Maria Klaas völlig frei von Routine, versucht jede Nummer als kleine Preziose zu präsentieren.

Schluß- und Höhepunkt des Doppelalbums ist dann auch Pászthorys viersätzige Sonate für Violoncello und Klavier op. 13, in der Klaas mit dem Cellisten Bernhard Schwarz gleichberechtigt konzertiert. Ein faszinierendes Beispiel der Gattung in der Nachfolge von Johannes Brahms, 1937 in Frankfurt mit dem Cellisten Ludwig Hölscher und dem Komponisten am Klavier uraufgeführt. Wie Pászthory ist auch Schwarz sowohl als Cello- wie als Klaviervirtuose aufgetreten und diese Erfahrung kommt dem gemeinsamen, ungemein eloquenten, musikantisch animierten Spiel sehr zugute. Diesen letzten Teil der CD wird man sich gerne mehrmals anhören, und man wünscht sich, dass dieses Werk auch im Konzertsaal wieder Fuß fasst.

Ekkehard Pluta [09.10.2019]

Komponisten und Werke der Einspielung

CD 1
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 C.v. Pászthory Advent (Sieben Lieder nach Gedichten von Rainer Maria Rilke) 00:01:37
2 Du! Hände (Sieben Lieder nach Gedichten von Rainer Maria Rilke) 00:01:44
3 Um die vielen Madonnen (Sieben Lieder nach Gedichten von Rainer Maria Rilke) 00:02:10
4 Pietà (Sieben Lieder nach Gedichten von Rainer Maria Rilke) 00:03:08
5 Ein Frauenschicksal (Sieben Lieder nach Gedichten von Rainer Maria Rilke) 00:02:17
6 Der Gefangene (Sieben Lieder nach Gedichten von Rainer Maria Rilke) 00:02:13
7 Die Blätter fallen (Sieben Lieder nach Gedichten von Rainer Maria Rilke) 00:02:40
8 A. Winternitz Der Brautschatz (Vorspiel) 00:01:46
9 Frühlings Ende (Japanischer Frühling) 00:01:25
10 Sehnsucht nach der Nachtigall (Japanischer Frühling) 00:01:15
11 Bitte an den Hund (Japanischer Frühling) 00:00:50
12 Noch einmal (Japanischer Frühling) 00:01:18
13 Das Mädchen auf der Brücke (Japanischer Frühling) 00:01:09
14 Die Weide im Wind (Japanischer Frühling) 00:01:07
15 Über die Heide (Japanischer Frühling) 00:02:03
16 Meister Grobian (Zwischenspiel) 00:05:01
17 L.F. Prinz von Bayern Drüben geht die Sonne scheiden (Fünf Schilflieder von Nikolaus Lenau) 00:02:35
18 Trübe wird's, die Wolken jagen (Fünf Schilflieder von Nikolaus Lenau) 00:01:58
19 Auf geheimem Waldespfade (Fünf Schilflieder von Nikolaus Lenau) 00:02:23
20 Sonnenuntergang (Fünf Schilflieder von Nikolaus Lenau) 00:02:30
21 Auf dem Teich, dem regungslosen (Fünf Schilflieder von Nikolaus Lenau) 00:02:52
22 Der Mond ist aufgegangen op. 9 00:02:35
23 Mir träumte einst von wildem Liebesglüh'n op. 14 00:03:29
24 Grau in Grau 00:02:47
25 Wie wundersam? 00:03:23
26 Kennst du dies Leid? 00:02:12
27 Müde bin ich 00:02:16
28 Ein Traum 00:02:50
CD 2
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Elegie 00:08:55
2 C.v. Pászthory Meine fröhliche Liebe (Sieben Lieder nach Gedichten von Hermann Hesse) 00:02:02
3 Sei nicht traurig (Sieben Lieder nach Gedichten von Hermann Hesse) 00:02:40
4 Der Brief (Sieben Lieder nach Gedichten von Hermann Hesse) 00:01:51
5 Bitte (Sieben Lieder nach Gedichten von Hermann Hesse) 00:01:18
6 Im Nebel (Sieben Lieder nach Gedichten von Hermann Hesse) 00:02:29
7 Landstreicherherberge (Sieben Lieder nach Gedichten von Hermann Hesse) 00:03:48
8 Stufen (Sieben Lieder nach Gedichten von Hermann Hesse) 00:07:01
9 Sonate op. 13 für Violoncello und Klavier 00:32:10

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Rebecca Broberg Sopran
Hans Georg Priese Tenor
Bernhard Schwarz Violoncello
Rainer Maria Klaas Klavier
 
CTH26562;4003913126566

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