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CD-Besprechung

Théodore Dubois

Violin Concerto • Violin Sonata • Ballad

Théodore Dubois

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 05.11.18

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cpo 777 932-2

1 CD • 60min • 2014, 2016

Tobias Broekers Nachschlagewerk “The 20th Century Violin Concertante” erfasst circa 13.000 (!) Konzerte mit solistischer Geigenbeteiligung die zwischen 1894 and 2006 geschrieben wurden. In Konzerten hört man davon, mit einiger Regelmäßigkeit, vielleicht dreizehn. Wenn das einzige Restaurant in der Stadt seit 50 Jahren, jahrein, jahraus, seine knapp gehaltene Speisekarte nicht ändert, würde die Kundschaft murren… sollte man meinen. Im Konzertbetrieb mag man es anscheinend genau so. Wer Abwechslung sucht muss zur CD greifen. Zum Beispiel zu dieser, mit dem feinen, um 1894 geschriebenen (und im Broeker angeführten) Konzert von François-Clément Théodore Dubois (1837–1924).

Dubois‘ Karriere war erfolgreich insofern er, Gewinner des 1861er „Prix de Rome“, als Direktor des Pariser Konservatorium an der Spitze des Französischen Musikwesens stand. Der Bekanntheit seiner Kompositionen (außerhalb Frankreichs und selbst dort nur seiner relativ gesehen erfolgreicheren sakralen Musik) hat das trotzdem nicht geholfen: Zu konservativ, zu vergangenheitsorientiert sein Stil, zu begrenzt sein Geschmack (was als Vorstehender einer Lehranstalt eine durchaus zutreffende Kritik war, seine Kompositionen aber nicht weniger eingängig machte). Heutzutage ist es dem Hörer aber zunehmend egal, ob er ein modernes Konzert aus dem Jahre 1849 oder ein altmodisches aus dem Jahre 1894 hört… was die Entdeckung Dubois‘ überhaupt erst möglich macht.

Gewidmet hat Dubois sein Violinkonzert dem französisch-oberfränkischen Geigenvirtousen Henri Marteau (dessen Streichquartette auf diesen Seiten kürzlich besprochen wurden), der das Werk vermutlich auch aus der Taufe hob. Der hervorrangede Booklettext meint, es wäre Eugène Ysaÿe gewidmet gewesen, und die Sonate Marteau. Das ist wohl ein – schon jetzt im Internet viel wiederholter – Verdreher: Die große Sonate ist es, die Dubois Ysaÿe (zusammen mit dem Pianisten Raoul Pugno) widmete; auf den jeweiligen Partituren ist es zumindest so zu lesen.

Egal: Wer das (bzw. die) Konzert(e) von, z.B. Max Bruch schätzt, der sollte sich ohne größeren Anlauf auch in das Dubois-Konzert verlieben können. Insbesondere den langsamen zweiten Satz der, eingerahmt von unterhaltsamen Ecksätzen, ein Musterbeispiel eingängiger französisch-romantischer Lyrik ist und gleichzeitig großartige Spannung aufzubauen versteht. Das ganze ist ergreifend gespielt von Ingolf Turban und ordentlich begleitet von der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern unter Raoul Grüneis. Der starke erste Satz mag sich mit seiner kühlen Größe gar Beethoven als Vorbild genommen haben. In den dichtesten Passagen, in verknotetem, heimtückisch steilen Gelände, hätte man sich vielleicht gewünscht, dass Turban – der etwas kämpft – dieses Konzert vor der Aufnahme ein paar Dutzend Male im Konzert hätte spielen dürfen. Allerdings überwiegt schon beim zweiten, dritten Hören das Eingängige des Konzertes und technische Grenzwertigkeiten werden unerheblich.

Die spätromantische Violinsonate von 1900 ist fast noch einnehmender als das Konzert. Genauso vergangenheitsbehaftet vielleicht, aber mit groß ausholender Geste geschrieben. Sie geht in die Richtung der César Franck Sonate, nur etwas weniger gewaltig. Das wild-tanzende, vielleicht etwas musikalisch-zigeunerhafte der Ballade für Violine und Klavier zum Abschluss der CD überrascht und unterhält: Der zu dem Zeitpunkt der Komposition (1909) 72-jährige Dubois lässt sich ja richtig gehen!

Dubois selber meinte: „Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube es wird einmal – wenn ich schon tot bin und meine Werke unvoreingenommenen Musikern und Kritikern vor die Füße fallen – einen Gegenreaktion zugunsten meiner Musik geben! Ich werde nicht mehr da sein es zu erleben, aber das ist egal: Allein der Gedanke daran ist schön… Man wird bei dem was ich hinterlasse auf genug Gutes stoßen um mir doch noch gerecht zu werden!“ Vielleicht hätte er nicht gedacht, dass es ein Jahrhundert dauern würde, aber diese Einspielung ist ein guter Anfang diesen Gedanken wahr werden zu lassen. Das beste an den beiden Hauptzutaten dieser CD, der Sonate und dem Konzert, ist, dass sie um so besser klingen, je öfter sie man hört. Der tiefe, druckvoll-rauhe Ton von Ingolf Turban – besonders im Allegro deciso, con fuoco der Sonata, trägt sein übriges dazu bei.

Jens F. Laurson [05.11.2018]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Th. Dubois Violinkonzert d-Moll 00:29:28
4 Sonate für Violine und Klavier 00:23:55
7 Ballade für Violine und Klavier 00:06:20

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Ingolf Turban Violine
Lukas Maria Kuen Klavier
Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern Orchester
Raoul Grüneis Dirigent
 
777 932-2;0761203793228

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