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CD-Besprechung

Alfred Janson

the wind blows

Alfred Janson

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 20.09.18

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BIS 2341

1 CD/SACD stereo/surround • 66min • 2014, 2015

Der 1937 geborene norwegische Komponist Alfred Janson ist stilistisch schwer einzuordnen. Begonnen hatte er als Akkordeonist und Jazzpianist, später komponierte er, als er die Darmstädter Ferienkurse besuchte, dementsprechend im Stile der „Darmstädter Schule“, gestaltete viele Jazz-Arrangements und komponiert seit etwa 1962 mehr spätromantisch und von der norwegischen Folklore beeinflusst. Von ihm wird gesagt, ihn interessiere alles „außer Wagner und Wiener Operette“.

Unter dem Titel the wind blowse versammelt diese CD nun Werke von Alfred Janson für Chor. Das titelgebende Chorstück aus dem Jahre 2016 verbreitet eine geheimnisvoll wispernde Atmosphäre, hervorgerufen durch schabenden Geigenklang, eigentümlich fragend-schweifende Melodik, schwebende Vokalisen und ausdrucksvollen Sprechgesang bis hin zum chorischen Zischen, alles wirkt irgendwie klanglich religiös inspiriert, auch unabhängig davon, dass der Text von Alfred Janson „freely after the Bible“ ist. Ebenso windwispernd ist die Wind-Hymne Viska du Vind aus dem Jahre 1973. Darin spielt Alfred Janson selbst die Melodica, ein von ihm sehr geliebtes Instrument, das er vom oft kindlichen oder kindlich-lustig gemeinten Klang befreien möchte.

Diese Melodica spielt auch eine große Rolle im der köstlich-komischen, ironisch walzernden (von wegen, ihn interessiere die Wiener Operette nicht…!) Hymne auf das Farbfernsehen mit dem Titel Nå er det fint å leve, zu Deutsch etwa: Dies ist eine großartige Zeit zu leben (Text von Arild Nyquist). Lille mor klode ist ein innig-versonnener Hymnus auf Mutter Erde, das Sonnet N. 76 ist eine ziemlich geklügelte Shakespeare-Vertonung.

Die drei bedeutendsten Chorstücke sind auch die längsten: Die berühmt gewordene Sarabande für Doppelchor aus dem Jahre 1995 ist experimentierfreudig, auch schon wegen der Instrumentalbesetzung mit Hörnern, Schlagwerk und Streichern. Construction and Hymn (das Hymnische liegt dem Komponisten) ist eigentlich für Orchester komponiert, Janson extrahiert daraus eine Version für Chor und Instrumente: Es ist gleichsam eine textlose sich dramatisch steigernde Weltschöpfungs-Begleitmusik voller spannender Dissonanzen. Das nähert sich schon an Film-Musik an genauso wie das Nocturne aus dem Jahre 1967 auf einen Nietzsche-Text ( „O Mensch! Gib acht!“): sehr ambitioniert, sich mystisch-glühend aufplusternd, wie Begleitmusik zu einem Fantasy-Film.

Der Norwegian Soloist’s Choir unter der Stabführung von Grete Pedersen singt so komponistendienlich, dabei so sauber intonierend und so insgesamt „richtig“, dass man ihn fast nicht beachtet, weil alles einfach so klingt, wie es klingen soll: die Kunstfertigkeit des scheinbar Kunstlosen, die Bedeutsamkeit des Nichtbeachteten.

Diese CD ist eine Dokumentation des chorischen Schaffens von Alfred Janson und gleichzeitig eine Inspirationsquelle für ehrgeizige Chöre, die auch mal etwas Entlegenes singen wollen.

Rainer W. Janka [20.09.2018]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Janson Tre Dikt av Ebba Lindqvist 00:04:14
2 The Wind Blows - Where It Wishes 00:08:50
3 Nå er det fint å leve 00:03:53
4 Lille mor klode 00:04:51
5 Sarabande 00:11:53
6 Sonnet Nr. 76 00:05:48
7 Construction 00:08:18
8 Ky og vakre Madame Ky 00:04:32
9 Viska du vind 00:03:22
10 Nocturne 00:09:03

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Det Norske Solistkor Chor
Grete Pedersen Dirigent
 
2341;7318599923413

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