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CD-Besprechung

Octets

I Solisti della Scala

Warner Classics 5054197005817

1 CD • 71min • 2017

22.07.2018

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Strawinskys Oktett für Blasinstrumente (1923) sei der Nährboden, aus dem sich die an diese mit barocken, klassischen und Jazz-Elementen spielende neoklassizistische Schöpfung anschließenden vier zeitgenössischen Bläser-Oktette speisen. Guido Barbieri – der Verfasser des Einführungstextes – mag damit Recht haben. Aber der Höreindruck vermittelt dies in keiner Weise, sieht man von einer Gemeinsamkeit ab, die auch dem ungeübten, nicht partiturkundigen oder musikwissenschaftlich nicht vorgebildeten Hörer auffallen dürfte: alle hier von den Solisti della Scala unter der Leitung Andrea Vitellos eingespielten Werke spielen mit dem Gegenüber und Ineinanderfließen von Blech- und Holzbläsern und deren spezifischen Charakteristika. Dass aber Klang für Strawinsky, Peter Eötvös, Alessio Elia, Albertas Navickas und Rita Ueda nicht nur Farbe, sondern insbesondere ein strukturstiftendes Merkmal ist, wird sich wohl nur wenigen Klassikfreunden mitteilen. Ich möchte es daher eher mit Peter Eötvös, mit seinem künstlerischen Credo halten: „Komponieren besteht für mich aus Verzauberung der Zuhörer durch Klang.“ Wobei für mich die Verzauberung nicht allzu weit entfernt ist von dem Verstörenden.

Lässt sich das spritzige musikalische Geschehen bei Strawinsky noch ohne weiteres nachverfolgen, ist dies in den farbig reichen, aber sehr abgeklärt wirkenden, sich gelegentlich ins Theatralische steigernden Klangstudien in dem Oktett von Peter Eötvös aus dem Jahr 2008 kaum noch möglich. Der 1979 in Rom geborene Alessio Elia bietet in seinem Oktett von 2016 fast keine Orientierungspunkte; rhythmisch vertrackt, wild, ungestüm, manches klingt gar gewalttätig – spätestes hier kippt bei mir die Verzauberung in Unverständnis. Das Oktett By Heart (2017) des 32jährigen Litauers Albertas Navickas kommt wieder etwas malerischer daher; Klänge bis ins rein Geräuschhafte beschwören Bilder von gleißender Hitze oder nächtlicher Atmosphäre herauf. Fehlt noch die recht surreale Tondichtung Gargoyles in Love (2017) der in Kanada lebenden japanischen Komponistin und Sounddesignerin Rita Ueda. Völlig unerwartete Klangfarben und Geräusche charakterisieren auf sehr deskriptive Weise die geflügelten mythologischen Kreaturen, könnten aber problemlos so manchem Science-Fiction- und Horror-Streifen entstammen.

Haben all diese Klang- und Geräuschstudien anfänglich noch einen gewissen Reiz, verstören sie jedoch mit der Zeit, so dass mein Interesse an ihnen schnell erlahmt ist. Dafür ist die exquisite Spielkultur der sich 1990 formierten Solisti della Scala einfach nur staunens- und bewundernswert. Ob poetisch, klangsinnlich oder scharf attackierend – sie beherrschen die unterschiedlichen Spiel- und Blastechniken nicht nur in absoluter Perfektion, sondern sind dazu noch mit spürbarer Lust bei der Sache. Und deshalb kann ich die künstlerische Qualität dieser Einspielung nur mit einer 10 bewerten.

Christof Jetzschke [22.07.2018]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Igor Strawinsky
1Bläseroktett 00:15:25
Peter Eötvös
4Oktett für Bläser 00:11:25
Alessio Elia
5Oktett für Bläser 00:13:03
Albertas Navickas
7By Heart 00:11:12
Rita Ueda
8Gargoyles in Love 00:12:12

Interpreten der Einspielung

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