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CD-Besprechung

Aram Khatchaturian

Piano Concerto • Concerto-Rhapsody

Aram Khatchaturian

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 08.06.18

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cpo 777 918-2

1 CD • 55min • 2014, 2015

Aram Chatschaturjans Klavierkonzert Des-Dur von 1936 gilt – nicht völlig zu Unrecht – als eklektizistischer Reißer, dem es ein wenig an musikalischer Substanz fehlt, weshalb das Stück auf deutschen Konzertpodien recht selten zu hören ist. Obwohl seinerzeit schnell auch ein Erfolgsstück in den USA, machen die meisten westlichen Tastenakrobaten ebenfalls eher einen Bogen um dieses vom Publikum eigentlich immer dankbar aufgenommene Konzert – Ausnahme etwa: Jean-Yves Thibaudet.

Bei näherer Betrachtung erweist sich dieses Werk jedoch als ein in seiner musikalischen Konzeption äußerst ausgetüfteltes Gebilde mit vielfältigen internen Verknüpfungen und einer geist- und effektvollen Instrumentation. Natürlich kommt die Freude an vertrackter, streckenweise geradezu manischer Rhythmik zur Geltung, die einerseits an Volksmusik der Kaukasusregion (der Komponist wurde zwar im georgischen Tiflis geboren, war aber armenischer Herkunft) anknüpft, aber auch mit Jazzelementen liebäugelt. Durch die beiden langen Klaviersoli im ersten Satz – das zweite hat mehr den Charakter einer üblichen Kadenz, das erste exponiert hingegen ausführlich das musikalische Material – entsteht streckenweise der Eindruck des Improvisatorischen. Gerade hier kann man die wirklich außerordentlichen pianistischen Qualitäten des Solisten der vorliegenden Einspielung, Stepan Simonian – nach seiner Ausbildung am Moskauer Konservatorium u.a. Schüler von Evgeni Koroliov, mittlerweile selbst Professor in Hamburg – bestens ablesen. Simonians überaus differenzierter Anschlag macht obige Soli zu Musik mit echtem Tiefgang, die virtuosen Tutti-Passagen behalten ihre oft rhythmische Querständigkeit mit kantiger Präzision. Die richtige Wahl der Tempi, die Durchzugskraft haben, ohne je überhetzt zu wirken, ist ein Garant für organische Steigerungen. Die musikalische Leitung des Staatsorchesters Rheinische Philharmonie (Koblenz) unter den Händen von Daniel Raiskin verhilft diesem Konzert zu einem sorgsam ausgearbeiteten, klangschön gespannten großen Bogen jenseits äußerlicher Effekthascherei. Sowohl die Solisten des Orchesters (Bassklarinette!) als auch die gut ausbalancierte Aufnahmetechnik mit nicht zu viel Hall können hier wirklich überzeugen. Nur die äußerst skurrile Verfremdung der (nur an eine transkaukasische Weise angelehnten) Kantilene des zweiten Satzes ausgerechnet durch das Flexaton – in der Partitur allerdings ad lib. (Track 2, ab [2‘19“]) – wird hier schamhaft ausgeblendet. Kann sein, dass das Instrument tatsächlich ganz dezent im Hintergrund mitspielt, aber so gut wie unhörbar. In der Aufnahme unter Neeme Järvi muss man über diesen schrägen Einfall schon eher lachen.

Gekoppelt wird das Klavierkonzert sinnvollerweise mit der 31 Jahre später entstandenen Konzertrhapsodie für Klavier und Orchester. Ein großartiges, für seine Entstehungszeit (zum 50. Jahrestag der Oktoberrevolution) in der Sowjetunion fast schon gewagtes Werk, das trotz formaler Geschlossenheit stellenweise doch sehr irritierend wirkt. Das beginnt bereits mit den 34 Anfangstakten, in denen der Solist eine beidhändige tokkatenhafte Sechzehnteltriolenkette heraushämmert, die irgendwo verstörend zwischen dem Finale von Chopins b-Moll-Sonate und amerikanischem Minimalismus angesiedelt erscheint. Auch im Folgenden erweist sich dieses lediglich ein wenig zu lang geratene Stück als anspielungsreich – es endet wie das Klavierkonzert in Des-Dur. Hier hören wir eine in jeder Hinsicht gelungene Darbietung eines noch immer fast unbekannten Werkes, das man durchaus in einem Atemzug mit dem 2. Klavierkonzert von Rodion Schtschedrin nennen dürfte. Diese Einspielung ist weit mehr als eine Ehrenrettung für den armenischen Komponisten. So macht diese Musik – vergessen wir einfach mal alles Gerede über sozialistischen Realismus – einfach nur Spaß.

Vergleichsaufnahme (Klavierkonzert):

Constantine Orbelian, Scottish National Orchestra, Neeme Järvi (1987, Chandos CHAN 8542)

Martin Blaumeiser [08.06.2018]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Khatchaturian Klavierkonzert Des-Dur 00:34:18
4 Konzert-Rhapsodie Des-Dur für Klavier und Orchester 00:20:36

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Stepan Simonian Klavier
Staatsorchester Rheinische Philharmonie Orchester
Daniel Raiskin Dirigent
 
777 918-2;0761203791828

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