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CD-Besprechung

Summer Night

Works by Othmar Schoeck

Summer Night

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 03.04.18

Klassik Heute
Empfehlung

Genuin GEN 18497

1 CD • 72min • 2017

Ist Othmar Schoeck eher als Harmoniker, Kontrapunktiker oder Instrumentationskünstler zu loben? Seine Kompositionen für Streichorchester zeigen, wie synthetisch dieser Tondichter dachte, wie untrennbar diese Kunstmittel für ihn zusammengehörten und ineinander überspielten. Die Instrumentation, die exemplarisch vorführt, welch zarte und kräftige Klänge sich mit einer reinen Streicherbesetzung realisieren lassen, bringt durch ihre feine Abstufung die harmonischen und kontrapunktischen Einfälle zu perfekter Wirkung, während die Stimmführung, unter ausgiebigem Einsatz von Chromatik, regelmäßig uneindeutige Zusammenklänge und Progressionen hervorbringt, die im Kontext der Dur-Moll-Harmonik wie intensive Kontrastfarben erscheinen. Schoeck liebt das Zwielicht, seine musikalische Poetik steht im Zeichen des Chiaroscuro. Dass er sich vor allem der Gesangskomposition zugewendet hat, verleugnen auch seine Instrumentalwerke keineswegs. Ausgedehnte kantable Melodieverläufe prägen über weite Strecken die drei kurz nach dem Zweiten Weltkrieg komponierten Streicherwerke, die das Kammerorchester I TEMPI unter der Leitung von Gevorg Gharabekyan auf der vorliegenden CD eingespielt hat: Das Pastorale Intermezzo Sommernacht op. 58, die Suite op. 59 und das Violoncellokonzert op. 61.

I TEMPI, die in antiphonischer Aufstellung der Geigen musizieren, pflegen ihr Instrumentarium an die Entstehungszeit der jeweiligen Kompositionen anzupassen, spielen also Musik früherer Jahrhunderte auf historischen Instrumenten. Der Umgang mit Alter Musik gemäß historisch informierter Praxis hat auch in ihren Schoeck-Interpretationen deutliche Spuren hinterlassen: Sie spielen ohne Vibrato und tendieren zu einer kleingliedrigen Phrasierung. Ihre intensive Konzentration auf die Binnengliederung der Phrasen wirkt sich dabei nicht nachteilig auf die Gestaltung großer Spannungsbögen aus, da es offenbar Gharabekyans Anliegen ist, die organische Gestaltung der Musik hörbar zu machen: Dem kontrapunktischen Zusammenwirken der Stimmen gilt ebenso seine Aufmerksamkeit wie der Modellierung der klanglichen Feinheiten. Sehr schön kann man seine Liebe zum Detail z.B. im leichten An- und Abschwellen der Dynamik hören, wenn in der Durchführung des Kopfsatzes der Suite ein Motiv imitatorisch durch die Stimmen gereicht wird. Auch im dritten Satz dieses Werkes, einem für Schoecks Spätwerk ungewöhnlich heftigen Stück, das der Dirigent mit einer Artikulation spielen lässt, die man kaum anders als rasiermesserscharf nennen kann, geht dieser Sinn für dynamische Abstufungen nicht verloren. Man höre nur, wie die stampfenden Begleitakkorde mit unterschiedlicher Intensität gespielt werden! So, wie sich die Interpreten in den raschen Sätzen von Suite und Konzert nicht scheuen, rauere Klänge hervorzubringen, gelingt es ihnen, den langsamen Sätzen eine gelassene Ausstrahlung zu verleihen. Mit einer selbstverständlich scheinenden Ruhe entfalten sich die Melodien, dialogisieren die Stimmen und wechseln die klanglichen Konstellationen. Im Bruckner-artigen Choral kurz vor Schluss des zweiten Satzes der Suite lässt man die Musik ganz entspannt ausatmen. Nicht minder fesselnd ist freilich, wie in der umfangreichen Einleitung zum Finale des Cellokonzerts aus dieser Ruhe heraus in großer Steigerung allmählich immer mehr Aktivität entwickelt wird. Solist in letzterem Werk ist Christoph Croisé, der sich trefflich darauf versteht, sich in das klangliche Gesamtgefüge zu integrieren. Das Orchester ist ihm nicht Begleitung aus dem Hintergrund, sondern, ganz der Komposition gemäß, ein Partner, mit dem er im Wechselspiel zusammenwirkt. Die Individualität seiner Stimme hebt er dadurch hervor, dass er sich, im Gegensatz zum Orchester, ein dezentes Vibrato erlaubt, was dem Reiz der Interpretation durchaus förderlich ist.

Man tat Recht daran, die Sommernacht ans Ende der CD zu rücken, denn ihre Darbietung erscheint mir als der Höhepunkt dieses Programms. Gottfried Kellers Gedicht von den nächtlichen Erntehelfern, deren Sicheln im Licht der Sommersterne mit Silberblinken durch die goldne Saat fahren, während durch den Strauch der Glühwurm schimmert, hat Schoeck zu einer in mannigfaltigem Helldunkel schillernden Tondichtung inspiriert. Gharabekyan und sein Orchester verlieren niemals die großen Entwicklungszüge aus dem Blick und widmen sich mit Hingabe jedem einzelnen Moment. Eindrucksvoll führen sie vor, wie Poesie aus der kompositorischen Struktur hervorgeht.

Begleitet wird diese referenzwürdige Scheibe von einem Text des Schoeck-Biographen Chris Walton, der ausführlich über die Entstehungshintergründe der einzelnen Stücke informiert.

Norbert Florian Schuck [03.04.2018]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 O. Schoeck Suite As-Dur op. 59 00:26:25
5 Konzert op. 61 für Violoncello und Streichorchester 00:31:02
10 Sommernacht op. 58 (pastorales Intermezzo für Streichorchester) 00:14:15

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Christoph Croisé Violoncello
Chamber Orchestra I Tempi Orchester
Gevorg Gharabekyan Dirigent
 
GEN 18497;4260036254976

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