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CD-Besprechung

Messiaen

Quatuor pour la Fin du Temps

Messiaen

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 14.12.17

Klassik Heute
Empfehlung

Sony Classical 88985363102

1 CD • 47min • 2017

Während der Kriegsgefangenschaft des Komponisten entstanden und 1941 im Gefangenenlager uraufgeführt, lässt Olivier Messiaens Quatuor pour la Fin du Temps für Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier – die im Lager verfügbaren Instrumente – nichts von seinen Entstehungsumständen erahnen. In einer Zeit, in der viele andere Tonsetzer alles daran setzten, möglichst gegenwärtig zu erscheinen, widmete sich der tiefgläubige Katholik Messiaen der Meditation über das Ende der Zeit und träumte sich seine persönliche musikalische Apokalypse in acht Sätzen. Diese ist kein furchterregendes Weltgericht, sondern Vollzug des göttlichen Mysteriums. „Der Abgrund“, so der Komponist in seiner Anmerkung zum dritten Satz, „ist die Zeit mit ihren Kümmernissen und ihrer Mattigkeit“, ihre Aufhebung dagegen gibt Anlaß zu Gotteslob verschiedenster Art; unter anderem in Form von Vogelrufen, die an mehreren Stellen in das Werk eingearbeitet werden.

Auch kompositorisch wird das Ende der Zeit verkündet, ist doch für die dramatische, auf Höhe- und Wendepunkte ausgerichtete Zeitgestaltung der klassischen Sonate mit ihren tonalen Spannungen in diesem Werk kein Platz. Durch „valeurs ajoutées“ erzeugt Messiaen in mehreren Sätzen rhythmisch unregelmäßige Takte ohne gemeinsames Maß. Er liebt das Unisono und zeigt seine Meisterschaft in dessen klanglicher Differenzierung. Kontrapunkt, so er vorkommt, ist kein Mit- und Gegeneinander aufeinander bezogener Linien, sondern Nebeneinander unterschiedlicher Klangereignisse: Amsel und Nachtigall (Klarinette und Geige) singen im ersten Satz kein Duett, sondern jede für sich, wenngleich beide letztlich zu Gott. Das Werk im Ganzen entbehrt konsequenterweise einer durchgehenden Handlung und gleicht einem Kompendium, wozu nicht zuletzt die variable Besetzung der Sätze beiträgt. Es ist kein Drama in drei oder vier Akten, sondern ein Ritual in acht Abteilungen, die zum Teil durch wiederkehrende Themen verknüpft sind.

Messiaens Quatuor hat in Martin Fröst (Klarinette), Janine Jansen (Violine), Torleif Thedéen (Violoncello) und Lucas Debargue (Klavier) begeisterte Fürsprecher gefunden, deren Interpretation man anhören kann, dass ihnen die Einspielung eine Herzensangelegenheit war. Wie gut die vier Musiker mit dem Stück vertraut sind, zeigt sich etwa in ihrem makellosen Vortrag der durchgehend im Unisono zu spielenden und mit valeurs ajoutées gespickten Danse de la fureur, oder in der sorgfältigen Modellierung der Kontraste im kurzen Intermède. Die beiden für Duobesetzung komponierten Lobpreisungen Jesu (Sätze 5 und 8) werden, dem Programm des Komponisten gemäß, unterschiedlich aufgefasst: Während Debargue in der Louange à L'Eternité seine Stimme gleichförmig und streng interpretiert und Thedéen sich erst nach und nach stärkere expressive Gesten erlaubt – Jesus als das Wort –, spielen Debargue und Jansen die Louange à l'Immortalité – das Wort ward Fleisch – mit leichtem Rubato und ausgiebigem Vibrato. Dass in Frösts Vortrag des großen Klarinettensolos Abîme des oiseaux das dreimal geforderte ffff (zuerst Track 3, 2:45) nicht wesentlich kräftiger klingt als die jeweils anschließenden f bzw. ff, fällt kaum ins Gewicht, da er den Satz durchdacht phrasiert und ihm die ppp zu Beginn der Crescendi und die Echostellen wunderbar gelingen.

Wer mit der Komposition noch nicht vertraut ist, erhält mit dieser Aufnahme eine vorzügliche Einführung in Messiaens kammermusikalisches Hauptwerk. Aber auch der Kenner, der eine Vergleichsaufnahme sucht, kann getrost zu ihr greifen. Sie braucht keinen Vergleich zu scheuen.

Hervorheben muß man außerdem den ausgezeichneten Klang. Die Töne erfüllen den Raum, ohne sich in ihm zu verlieren oder zu starken Nachhall zu erzeugen. Unter idealen akustischen Bedingungen war eine meisterhafte Tontechnik am Werk.

Norbert Florian Schuck [14.12.2017]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 O. Messiaen Quatuor pour la fin du temps für Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier 00:47:19

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Martin Fröst Klarinette
Lucas Debargue Klavier
Janine Jansen Violine
Thorleif Thedéen Violoncello
 
88985363102;0889853631025

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