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CD-Besprechung

Anton Beer-Walbrunn

Shakespeare-Sonette und ausgewählte Lieder

Anton Beer-Walbrunn

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 12.07.17

Bayer Records BR 100 390 CD

1 CD • 68min • 2016

Es ist immer verdienstvoll, auf vergessene Komponisten hinzuweisen, so zum Beispiel auf Anton Beer-Walbrunn (1824-1929). Dieser in Kohlberg bei Weiden in der Oberpfalz geborene Komponist brachte es immerhin, nach bestandenem Lehrerexamen, zum Kompositions-Professor in München, wo Wilhelm Furtwängler und Carl Orff zu seinen Schülern zählten. Er war mit Max Reger befreundet und hat über 70 Werke hinterlassen, darunter viele Lieder. Eine Auswahl davon legt mit dieser CD die Sopranistin Angelika Huber vor. Titelgebend sind die 10 Shakespeare-Sonette op. 34.

In diesen Sonetten bemüht sich Beer-Walbrunn, die spezielle Gedichtarchitektur musikalisch abzubilden. Reichhaltig ist vor allem die Klavierbegleitung, die vorrangig die Atmosphäre des jeweiligen Sonetts prägt. Die Melodieführung der Stimme klingt oft ausgeklügelt und bemüht. Kilian Sprau holt am Klavier alle Farben und Stimmungen pointiert heraus. Der Sopran von Angelika Huber ist aufgehellt und sehr klar bei angestrengter Höhe, die nur im dramatischen Forte klingender wird. Doch artikuliert sie äußerst deutlich und dramatisch variabel. So zeichnet sie den Verlauf der Liebesgeschichte, die die Auswahl erzählt, vor allem deklamatorisch gut nach.

Interessant sind die Lieder, wenn sie etwas erzählen, wenn sie fast rezitativisch werden. Eine Stimmung zu schildern fällt Beer-Walbrunn schwerer. Das ist zu bemerken in der Auswahl der Lieder nach Nikolaus Lenau, Annette von Droste-Hülshoff und vor allem nach Joseph von Eichendorff. Ist Die Flucht der heiligen Familie op. 59/2 oder Mariae Sehnsucht op.59/5 hübsch musikalisch bebildert, so gerät das berühmte Morgengebet op. 59/4 gar in eine rhythmisch dem Text und vor allem der weihevollen Stimmung gegenläufige Deklamation. Die milde Resignation in Lenaus Welke Rose op. 24/1 steigert Beer-Walbrunn zur katastrophalen Verzweiflung, die säuselnde Abendstimmung in Lenaus Stille Sicherheit op. 39/1 zu einen emphatisches Liebesschwur.

Strömend ist Locke und Lied op. 37/2 nach Annette von Droste-Hülshoff, von „entrückt schillernden Arpeggien“ (so Angelika Huber im Booklet) umspielt sind Letzte Worte op.7/2, ebenfalls nach Droste-Hülshoff. Deren Ballade Der Knabe im Moor op. 37/4 allerdings ist wahrlich ein musikalisches Meisterstück mit dramatischer Spannung und ausdrucksstarker Klavierbegleitung, Loewes Balladen durchaus ebenbürtig.

Rauschend-beschwörend klingt die Mainacht op. 12/1 nach einem Gedicht von Adolf Friedrich Graf von Schack, der Beer-Walbrunn förderte, liebeskeck dessen Gedicht Fliegt durch die zitternden Reben op.12/6.

So liebevoll-intensiv im ausführlichen Booklet Angelika Huber auch für Anton Beer-Walbrunn wirbt: Er wird wohl doch vergessen bleiben.

Rainer W. Janka [12.07.2017]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Beer-Walbrunn Welke Rose op. 24 Nr. 1 00:02:36
2 Stille Sicherheit op. 39 Nr. 1 00:02:04
3 Die Unbesungenen op. 37 Nr. 1 00:03:10
4 Locke und Lied op. 37 Nr. 2 00:03:38
5 Letzte Worte op. 37 Nr. 3 00:02:30
6 Der Knabe im Moort op. 37 Nr. 4 00:06:07
7 Mainacht op. 12 Nr. 1 00:05:08
8 Fliegt durch die zitternden Reben op. 12 Nr. 6 00:02:32
9 Mutter, süßer klingt kein Ton op. 27 Nr. 1 00:03:41
10 Die Flucht der heiligen Familie op. 59 Nr. 2 00:03:46
11 Morgengebet op. 59 Nr. 4 00:03:15
12 Mariae Sehnsucht op. 59 Nr. 5 00:04:06
13 Mein Mädchen hat nicht Augen wie zwei Sonnen op. 34 (Shakespeare-Sonette I. Teil) 00:02:09
14 Wie oft, wann du, Musik mir, musizierest op. 34 (Shakespeare-Sonette I. Teil) 00:02:14
15 Lass, die geboren unter günst'gem Stern op. 34 (Shakespeare-Sonette I. Teil) 00:02:23
16 Nichts kann den Bund zwei treuer Herzen hindern op. 34 (Shakespeare-Sonette I. Teil) 00:02:21
17 Wie Brot dem Leben bist du den Gedanken op. 34 (Shakespeare-Sonette I. Teil) 00:02:48
18 Mein Leben ist wie Fieber, stets begehrend nach allem op. 34 (Shakespeare-Sonette I. Teil) 00:02:44
19 Ach Seele, Centrum meiner sünd'gen Erde op. 34 (Shakespeare-Sonette II. Teil) 00:02:31
20 Nicht länger trauere um mich op. 34 (Shakespeare-Sonette II. Teil) 00:02:58
21 Doch sei getrost! op. 34 (Shakespeare-Sonette II. Teil) 00:02:31
22 Kein gülden Fürstenbild, kein Marmelstein op. 34 (Shakespeare-Sonette II. Teil) 00:02:44

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Angelika Huber Sopran
Kilian Sprau Klavier
 
BR 100 390 CD;4011563103905

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