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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

Robert Schumann

Waldszenen • Kreisleriana • Gesänge der Frühe

Ars Produktion ARS 38 225

1 CD/SACD stereo/surround • 69min • 2016

10.02.2017

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Wer immer in den letzten Jahren, ja Jahrzehnten seinen Kummer mit Einspielungen von Schumanns Kreisleriana hatte, der sollte sich – davon bin ich überzeugt – der neuen Aufnahme mit dem 26jährigen, aus Kaiserslautern stammenden Florian Glemser zuwenden. Mich erinnert seine weit ins Literarische und Biographische gleichsam hinein witternde Deutung von Schumanns Gesängen der Frühe an die feinfaserige Energie eines Alexander Lonquichs. Aber im Vordergrund meines Berichts muss zunächst Glemsers abwägende, tastende und wenn nötig – das heißt: wenn musikalisch-emotional erlaubt – auch drängende, ja euphorische Darstellung der acht Kreisleriana-Sätze bleiben. Wie viele seiner „Konkurrenten“ auf den verschiedensten Tonträgern rasten, ratterten die „Äußerst bewegt“-Eröffnung im Raketenstartmodus hinauf! Wie wenige vermochten und vermögen dem verrückten Kapellmeister Johannes Kreisler schon hier die wankende Figur eines wie aus dem Hinterhalt vorpreschenden, aber auch lauernden Helden sehnsuchtsvollen „Kreiselns“ zu gestalten! Glemser, das zeigt sich von Takt und Takt, von Episode zu Episode und nicht zuletzt auch in seinem umfassend erhellenden Begleittext, er versteht es, die bindenden und zugleich rätselvollen Elemente zwischen Literatur und klavieristischer Poesie in Schumanns Musik gleichsam zu inhalieren, um sie dann mit den entsprechenden technischen Mitteln einer akustischen Momentanwahrheit zuzuführen. So wird der bald gleitende, bald zuckende, immer wieder aufbrausende Gang durch die Kreisleriana zu einem Abenteuer im Sinne ästhetischer Grenzerfahrung, wie sie auf der an sich nüchternen, der rein materialen Grundlage des bloßen Klavieranschlags nur selten gegeben ist.

Im Verlauf der neun Waldszenen lässt es Florian Glemser nicht an Duft, an sozusagen moosiger Klavierchemie und auch nicht an geschwollener Jagdlied-Egozentrik fehlen. Besonders bildhaft gelingt ihm hier die „Verrufene Stelle“! Sviatoslav Richters Einspielung aus den 50er-Jahren behält jedoch für mich im Lyrischen wie auch im Beschreibenden und letztlich auch im rein Virtuosen knapp die gestalterische Nase vorn.

Als Bonus-Track bietet Glemser den ersten von zwei überlieferten, knapp eine Minute den Hörer bekümmernden „Endenicher Sterbechorälen“ mit der vielsagenden und ursprünglich vielsingenden Überschrift „Wenn mein Stündlein vorhanden ist“. In seinem gelobten Einführungstext verliert Glemser leider kein Wort über die erstmals 1569 auftauchende Melodie auf einen Text von Nikolaus Hermann (1500 – 1561). Eine gewisse Verschwiegenheit herrscht aber auch im Bereich der biogaphischen Notizen. Musikalische Eingeweihte sind sich freilich sicher, wenn dort Florian Glemser als „in einen Musikerhaushalt hineingeboren(er)“ Pianist beschrieben wird. Der Vater heißt Bernd und ist bekanntlich Pianist, dessen ebenfalls dem Klavier verbundener Bruder heißt Wolfgang. Und fair einer Musikstadt gegenüber wäre es auch, als Studienstation nicht nur die lapidar „Franz Liszt Hochschule für Musik“ anzugeben, sondern auch den Standort Weimar zu verraten. Dennoch: ich zögere nicht, die „10“ für außergewöhnliche interpretatorische Leistung des jungen Glemsers zu ziehen.

Vergleichseinspielungen: Kreisleriana - Kempff (Great Pianists Philips 456 865-2), H. Neuhaus (TR RCD 16246), Rosen (Globe 5012), Horowitz CBS MK 42409), Barto (EMI CDC 7 49970 2), Postnikova (Melodia /Eurodisc LP 89817 XAK); Waldszenen: Richter (DG 459018-2 bzw. DG 435 751-2 bzw. Heliodor LP 89528), Shukov (Melodya/BMG 74321 33230 2), Hamelin (Hyperion CDA 68030); Gesänge der Frühe: Lonquich (EMI CDC 7 54542 2), Pollini (DG 471 370-2, auch DG 471 3682), A. Schiff (Teldec 0630-14566-2)

Peter Cossé † [10.02.2017]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Robert Schumann
1Kreisleriana op. 16 (Fantasien für Pianoforte) 00:34:24
9Eintritt op. 82 Nr. 1 00:01:59
10Jäger auf der Lauer op. 82 Nr. 2 00:01:24
11Einsame Blumen op. 82 Nr. 3 00:01:48
12Verrufene Stelle op. 82 Nr. 4 00:03:41
13Freundliche Landschaft op. 82 Nr. 5 00:01:12
14Herberge op. 82 Nr. 6 00:02:06
15Der Vogel als Prophet op. 82 No. 7 – Langsam, sehr zart 00:03:07
16Jagdlied op. 82 Nr. 8 00:02:26
17Abschied op. 82 Nr. 9 00:03:13
18Gesänge der Frühe op. 133 (Fünf Stücke für das Pianoforte) 00:11:43
23Wenn mein Stündlein vorhanden ist (Endenicher Sterbechoral) 00:00:55

Interpreten der Einspielung

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