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CD-Besprechung

Ludwig van Beethoven

Die Violinsonaten Vol. 1

Gramola 99050

1 CD • 64min • 2014

20.11.2014

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Was diese Produktion der beiden letzten Violinsonaten Beethovens so faszinierend macht, ist, wie komplett unterschiedlich die Werke hier durchlebt werden. Zwar bleiben sich sowohl der auf dem Schallplattenmarkt bereits bestens eingeführte junge Salzburger Geiger Thomas Albertus Irnberger als auch der ebenso berühmte Kölner Pianist Michael Korstick in ihrer Tongebung und ihrer Haltung treu, doch werden hier zwei praktisch unvereinbare Musizierkonzeptionen entworfen: extrem emotional in der Kreutzer-Sonate, von heiterer Ruhe getragen in der letzten Sonate G-Dur.

In den Ecksätzen der Kreutzer-Sonate entfachen Irnberger und Korstick eine Raserei, die ihresgleichen sucht. Diese Selbstverlorenheit geht zwar nicht direkt auf die Unversehrtheit des Spiels, aber die Tonschönheit steht gegenüber dem Charakteristischen, der harschen Geste, der leidenschaftlichen Hingabe nicht im Vordergrund. Aufregend ist, wie beide Musiker ihre Instrumente immer wieder als Schlaginstrumente behandeln. Irnberger dosiert das Vibrato sehr bewußt - ihm, wie auch Korstick, stehen immense Paletten der Tonerzeugung zur Verfügung, die sie jeweils im intellektuellen wie emotionalen Einklang einsetzen. In der Durchführung und Coda des Kopfsatzes der Kreutzer-Sonate wird der Hörer wie von einer höheren Macht in einen Strudel hineingezogen, im furiosen Finale mit einer geradezu spreißelnden Geige und einem quasi enthemmt dahinstürmenden Klavier sieht man förmlich vor dem inneren Auge die Roßhaare der Violine fliegen und den Flügel vibrieren.

Bemerkenswert ist, wie die Extreme, die Beethoven in dieser Sonate auf engem Raum zusammendrängte, ausgelebt werden und dabei die Form nie in Differenzen zerfällt, sondern stets durch die Konzentration des Zusammenspiels und die Bewußtheit der Formgebung als eine einheitliche gewahrt bleibt. Weder die für Beethovens Violinsonaten repräsentativen Duos Grumiaux/Haskil in den 1950er Jahren (Philips) noch Argerich/Kremer Mitte der 1990er Jahre (Deutsche Grammophon) hatten sich hier besinnungslos so verloren; hier ist eine neue Ebene existentialistischen Musizierens erreicht.

Mit der 10. Sonate G-Dur op. 96 betritt man gleichsam eine ganz neue Welt voll echter, doch belebter Ruhe, in der Irnbergers unverwechselbarer Ton ein wunderbares Leggiero ausbildet und sich mit den exquisiten Farben Korsticks reizvoll mischt. Zwar gibt es auch hier, wie schon im langsamen Satz der Kreutzer-Sonate, die kleinen tonlichen Widerhaken und artikulatorischen Aufmüpfigkeiten, etwa harsch gestoßene Quasi-Horntöne in der Violine und gemeinsame Passagen, in denen sehr energisch auf dem rhythmischen Moment insistiert wird. Doch im Ganzen genießt man hier das leichte und sensible Legato beider Musiker im hymnischen langsamen Satz, den gemeinsamen schwerelosen Gesang, der von nie versiegenden kleinen Lebensäußerungen erfüllt ist, tragfähig, mit langem Atem aufgespannt, doch im Detail unendlich fein gezeichnet. Dieser erste Teil einer derzeit in Entstehung begriffenen Gesamtaufnahme von Beethovens Violinsonaten läßt Schönstes erwarten.

Dr. Michael B. Weiß [20.11.2014]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ludwig van Beethoven
1Sonate Nr. 9 A-Dur op. 47 (Kreutzer-Sonate) 00:37:06
4Sonate Nr. 10 G-Dur op. 96 für Violine und Klavier 00:26:40

Interpreten der Einspielung

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