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CD-Besprechung

Louis Glass Complete Symphonies Vol. 1

cpo 777 525-2

1 CD • 65min • 2009

13.10.2014

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Ein verschleierter Blick, die Mundwinkel leicht resignierend herabgesenkt wie in stillem, mitleidheischenden Schmerz: Ich bin in Johann Caspar Lavaters “Physiognomischen Fragmenten” zwar noch nicht bis zu jenem Band vorgedrungen, der mir den Sinn und Zweck einer derart beseelten Expression begreiflich machen könnte – doch was ich in dem Konterfei des dänischen Komponisten Louis Glass (1864-1936) sehe, ist ein offenbar vom Leben und von der Kunst gebeutelter, vom edlen Streben wider alle Hindernisse ermüdeter Charakter, der genau weiß, wie er dreischauen muss, um diesen Eindruck zu erwecken. Falls ich mich irren sollte, bin ich zu einer Revision dieses Urteils, Lavater hin und van Rijn her, jederzeit bereit. Es hätte das allerdings auf der Grundlage eines ausführlicheren – oder überhaupt vorhandenen – biographischen Teils zu geschehen, den sich der Autor der Werkeinführung ausgerechnet im ersten Teil der geplanten Gesamtaufnahme verkniffen hat.

Eine gerechte Einschätzung der hörbaren Ereignisse fällt umso schwerer, als wir zwischen allen programmatischen und weltanschaulichen Details – einer Andeutung entnehme ich beispielsweise die Nähe des Tonkünstlers zur Theosophie – unter anderem erfahren, dass sich Glass „intensiv mit der Musik sowohl César Francks als auch Anton Bruckners auseinander gesetzt hat”. Dieser Einfluß, so heißt es weiter, zeige sich in der 1902 uraufgeführten dritten Sinfonie deutlich: „Von Franck stammen die ausgeweitete, mehrdeutige Harmonik und vielleicht auch die zyklische Anlage, während die Themen und Motive sowie die oft abbrechenden Entwicklungen und die umfangreiche Anwendung von Sequenzen von Bruckner inspiriert sind”. Verbinden wir nun diese „Einflüsse” mit den sinfonischen Werken des mal hinreißend-großartigen, dann wieder emsig bemühten Josef Joachim Raff, servieren das Ganze an einer bekömmlichen, ansprechenden Creme aus spätromantischer Orchesterkunst und umranden die Geschehnisse mit einem Hornruf, der tatsächlich aus Anton Bruckners hinterlassenen Papieren stammen könnte – dann stehen wir mitten im Walde und haben noch immer das bessere der beiden hier versammelten Werke gehört.

In der Suite namens Sommerleben hatte Glass einige Jahre zuvor die Stimmungen seiner sinfonischen Waldeslust schon einmal ausgefertigt. Die Paten dieses fünfsätzigen Werkes sind schnell identifiziert: Formal vor allem und in den Satztiteln spiegelt sich Beethovens Pastorale, indessen Edvard Grieg gleich schon beim “ersten Sommertag” (I) ein delikate motivisches Gastspiel gibt, ehe er „in der Dämmerung” (IV) an der Seite seiner Solvejg dahinträumt. Den zentralen Satz „Auf Feld und Wiese” hätte Glass nicht treffender überschreiben, das abschließende „Bauernfest” aber durchaus weniger ausgelassen feiern können: Dem verträumten Zwielicht von eben fährt er mit dieser munteren Albernheit in die Parade, worin die Fiedel gestimmt, die grobe Sohle auf rohe Planken gedonnert und der Beifall des Publikums förmlich herbeigezwungen wird. Dass sich das Staatsorchester Rheinische Philharmonie unter Daniel Raiskin den polternden Spaß nicht entgehen läßt, ist freilich nachzuvollziehen – wann hätte man schon mal die Möglichkeit zu so ‘nem Gig.

Rasmus van Rijn [13.10.2014]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Louis Glass
1Sinfonie Nr. 3 D-Dur op. 30 00:35:27
5Sommerleben op. 27 (Suite) 29:45:00

Interpreten der Einspielung

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