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CD-Besprechung

C.Ph.E. Bach

BIS 1 CD 1967

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 14.02.14

Klassik Heute
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BIS 1967

1 CD • 60min • 2012, 2013

Mit dieser Einspielung dreier Doppelkonzerte für „Clavier“ (zwei Cembali im Fall des F-Dur-Konzerts Wq. 46 und der höchst charmanten „Sonatina“ in D-Dur Wq. 109, beim Konzert in Es-Dur Wq. 47 Fortepiano und Cembalo) ist das Ende der zwanzigteiligen Gesamtaufnahme der Clavierkonzerte von Carl Philipp Emanuel Bach just in dem Jahr erreicht, in dem die Musikwelt seinen 300. Geburtstag feiert. Seit 1995 ist dieses editorische Mammutprojekt unter der Federführung von Miklós Spányi auf dem Label BIS realisiert worden, es erstreckte sich also über 19 Jahre – dafür gebührt dem Künstler und der schwedischen Firma Respekt! Manch anderem Kollegen ist mitten in der Verwirklichung ähnlicher Vorhaben die Plattenfirma von der Stange gegangen: Prominente Beispiele sind hier die Gesamteinspielungen der Kantaten von Vater Bach durch Ton Koopman und John Eliot Gardiner – beide Künstler mussten eigene Wege zur Vollendung ihrer Pläne suchen.

Das Doppelkonzert für Cembalo und Fortepiano aus Carl Philipp Emanuel Bachs Todesjahr 1788 eröffnet das Programm. Das Werk spiegelt in reizvollem Dialog die beiden Klavierinstrumente, die den Anfang und das Ende der Laufbahn des zweitgeborenen Bachsohns als bedeutender Virtuose und – in den Augen der Zeitgenossen – vorrangiger Komponist der Familie Bach markierten. Nach neuesten Forschungen hat es den Anschein, dass Bach mit diesem letzten Klavierkonzert in den Berliner bürgerlichen Salon zurückkehrte, jenen Ort, der ihm in seinen langen Jahren des zeitweilig tristen Dienstes für Friedrich den Großen ein ermutigendes Rückzugsgebiet geboten hatte. Das Doppelkonzert für Cembalo und Fortepiano wurde vermutlich als Auftragswerk von Felix Mendelssohn Bartholdys Großtante Sara Levy, Gattin des Bankiers Salomon Levy, komponiert; im Berliner Haus der Levys wurden viele Soireen veranstaltet, während derer die Dame des Hauses als ebenso begeisterte wie kompetente Klaviervirtuosin auftrat.

48 Jahre früher entstand das Doppelkonzert Wq. 46: Man schrieb das Jahr 1740, zwei Jahre zuvor war Bach junior an den kronprinzlichen Musenhof nach Rheinsberg engagiert worden. Jetzt hatte der von seinem Vater so oft gedemütigte Friedrich II. die Macht und stürzte sich sechs Monate nach seiner Thronbesteigung in das Abenteuer der Eroberung Schlesiens, das ihn verschiedene Kriege hindurch bis 1763 beschäftigen und an den Rand des Untergangs führen sollte. Friedrich schätzte die hochexpressive Musik seines Bach nicht besonders, musikalisch neigte der König, bekanntlich selbst ein begabter Flötist, einem eher blassen galanten Zeitgeschmack zu, mochte aber auf den hochkarätigen Namen Bach in seinem Dienst nicht verzichten. In 27 Jahren Dienst richtet er kaum jemals das Wort an seinen Kammercembalisten, der die Majestät an unzähligen Musizierabenden beim Flötenspiel begleitet hat: eine besonders üble Form des Mobbings. Trost bot sich für Philipp Emanuel Bach in dem erwachenden bürgerlichen Konzertleben Berlins; der Partitur seines Doppelkonzerts von 1740 fügte er für spätere Aufführungen – möglicherweise im Liebhaberkreis eines Berliner Salons – noch zwei Hornstimmen hinzu.

Die Sonatina für zwei Cembali und Orchester ist 1762 entstanden, das repräsentative Werk verbirgt hinter acht kurzen Sätzen eine raffinierte Zweiteiligkeit und darf als gelungenes Experiment des Komponisten mit möglichen Formen des Instrumentalkonzerts gelten. Experimentierfreudig und dem Neuen aufgeschlossen, dabei aber stets sich selbst treu, blieb Carl Philipp Emanuel Bach bis ans Ende seines für damalige Zeiten langen Lebens, und das neue Berliner Bildungsbürgertum hielt ihm ebenfalls die Treue – dafür ist diese CD ein klingender Beweis.

Miklós Spányi, seine Kollegen und das Concerto Armonico gehen die Konzerte von der würdevollen Seite her an, ohne die gelegentlich sprunghaft anmutenden Stimmungswechsel zu vernachlässigen, die Carl Philipp Emanuel Bachs Musik charakterisieren und bei Ton Koopmans Interpretationen (besonders beim späten Doppelkonzert) im Vordergrund zu stehen scheinen. Als würdiges tertium comparationis zeigten Gustav Leonhardt, Alan Curtis und das Collegium Aureum unter Franzjosef Maier beim Konzert für zwei Cembali Wq. 46 bereits 1965 außerordentliches Stilgefühl und Einfühlungsvermögen in die Eigenart der Musik des zweiten Bachsohnes. Ihre Aufnahme ist auch heute noch nicht veraltet – auch was die hervorragende Tonqualität angeht!

Michael Beringer, Christine Schornsheim und das Freiburger Barockorchester betonen in den Ecksätzen des Konzerts für Cembalo und Fortepiano die Dynamik der musikalischen Entwicklung, während das Larghetto in seinem elegischen Tonfall fast die Romantik vorwegnimmt – der stimmungsvolle Dialog zwischen den Soloinstrumenten ist hier wirklich sehr gelungen gestaltet. Dem stehen freilich Miklós Spányi und Tamás Szekendy auch bei etwas zügigerem Tempo in nichts nach. Durch kluge Auswahl der Soloinstrumente ist hier ein perfektes Gleichgewicht zwischen Cembalo und Hammerflügel hergestellt – die beiden Instrumente sind zum Zusammenspiel nicht gerade prädestiniert, und Carl Philipp Emanuel Bach stellt seine Interpreten mit diesem Dialog zwischen Altem und Neuem vor schwierige Aufgaben. Miklós Spányi schildert im Beiheft, wie bedachtsam die beiden Instrumente ausgesucht wurden, um ihr Zwiegespräch gleichrangig führen zu können. Die Kontrahenten in der Aufnahme von Michael Beringer und Christine Schornsheim haben etwas unter Ebenbürtigkeitsproblemen zu leiden, erstaunlicherweise zu Lasten des Cembalos, dem in den 1780er Jahren die meisten Fortepiani noch unterlegen gewesen wären.

Vom Mittzwanziger über den Endvierziger bis zum 74-Jährigen: Diese Abschluss-CD von Miklós Spányis Gesamteinspielung spannt mit den drei Doppelkonzerten noch einmal Carl Philipp Emanuels Lebensbogen aus – ein ausgesprochen schönes Geschenk an die Musikwelt, um den 300. Geburtstag des Komponisten zu feiern, dem Mozart ins Grab nachrief: „Er war der Vater, wir die Buben, von ihm haben wir’s alle gelernt.“

Vergleichsaufnahmen: Wq. 46 & 47: Ton Koopman, Tini Mathot, Amsterdam Baroque Orchestra (AD: 1986) Erato ECD 75396 (Wq. 47 z. Zt. vergriffen, Wq. 46 demnächst auf Warner Records 0825646349272) Wq. 46: Gustav Leonhardt, Alan Curtis, Collegium Aureum (AD: 1967) in Collegium Aureum Edition (Sony Music 88697937072) Wq. 47: Michael Beringer, Christine Schornsheim, Freiburger Barockorchester (AD: 2004) Carus 83.305

Detmar Huchting [14.02.2014]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 C.Ph.E. Bach Konzert Es-Dur Wq 47 für Cembalo, Hammerklavier und Orchester 00:18:31
4 Konzert F-Dur Wq 46 H 408 für 2 Cembali und Orchester 00:25:08
7 Sonatine D-Dur H 543 Wq 109 00:15:08

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Miklós Spányi Cembalo
Tamás Szekendy Fortepiano
Cristiano Holtz Cembalo
Concerto Armonico Orchester
Peter Szüts Dirigent
 
1967;7318590019672

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