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CD-Besprechung

Serbian Piano Music

Tijana Andrejic

Serbian Piano Music

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 12.12.13

Acousence Classics ACO-CD 11713

1 CD • 73min • 2013

Da ist ein geheimnisvolles Funkeln, das den Hörer direkt anspringt im Spiel der jungen serbischen Pianistin Tijana Andrejic. Nicht nur, wenn sie in rasanten Läufen Töne wie auf eine Perlenkette aufreiht, bildet ihr intensives Spiel auf der CD des Labels Acouscence „Serbian Piano Music“ eine Einheit mit der Tonsprache ihres Heimatlandes. Sie nimmt den Hörer auf Entdeckungsreisen voller Romantik und Leidenschaft mit, aber es passiert noch viel mehr, wenn sie sich in den Kompositionen ihrer Landsleute zu den eigenen Wurzeln bekennt. Da lebt die Glut der Volksmusiken des Balkans gleichermaßen wie die Kühnheit der musikalischen Moderne im zwanzigsten Jahrhundert, denn alle hier präsentierten Stücke stammen aus dieser Epoche. Und sie kann spielen, diese Pianistin, die seit 2010 als Schülerin von Boris Petrushansky an der internationalen Akademie „Incontri col Maestro“ in Imola studiert und längst international auf Tournee ist.

Tijana Andrejic lässt Klangräume und spannnungsvoll aufgeladene Atmosphären entstehen. Die Stücke, aus denen sie schöpft, liefern genug dankbares Material – nicht zuletzt durch häufig gebrauchte modale Harmonik und Quartenmelodik, was für viel Dramatik und fremdartiges Kolorit sorgt. Die insgesamt 31 Stücke loten das ganze Potenzial von Kleinformat, von Miniaturen, von intensiven Momentaufnahmen aus: Tänze, Nocturnes Vignetten, Etüden sind das Medium, in dem sich „die Miniatur als Medium des Erzählens“ emanzipiert – so beschreibt es der lesenswerten Bocklet. Da jonglieren die Balkan-Tänze von Marko Tajceciv farbenfroh mit Figuren und Rhythmen. Tijanas Andrejics impulsive Anschlagskultur treibt wild voran und nimmt kontrastreiche Gefühlszustände im Sturm. Experten in Sachen osteuroäischer Klaviermusik sehen Marco Tajcecis Tänze übrigens auf Augenhöhe mit den Klassikern dieses Genres von Prokofieff und Strawinsky.

Nacht werden lässt es Tijana Andrehic in einem Nocturne von Dejan Despic. Verführerisch und melancholisch zugleich versetzt ein Arpeggien-Gewoge in Stimmungen der mediterranen Nacht, durchweht von einem zarten Gesang in der Oberstimme. Ganz anders die sogenannten Vignetten von Dejan Despic. Hier meißelt Tijanas Spiel ein ganzes Arsenal extrovierter, schräger Rhythmen au den Tasten – da tobt farbenfrohe Ausgelassenheit, wird munter zwischen (un-) möglichen Intervallen hin und her gehüpft. Echte Experimentierlust will eben keinen Normen folgen. Übrigens sah der Schöpfer dieser kleinen Gewitztheiten diese Stücke als Radiomusik, die im Kinderprogramm zwischen Wortbeiträgen auflockern sollte. (Wie schön wäre es, wenn wolche Tugenden mal wieder im heutigen weichgespülten, glattgebügelten, Überraschungsarmen Radiopürogramm stattfinden würden!)

Dann blitzt, gleißt und funkelt es wieder, wenn die Pianistin eine Etude von Vasilie Morkanja spielt. Rasant und forsch lässt sie die Zügel fahren. Wiederum ein anderer Kosmos für sich sind die Cameos von Miloje Milojevic (1884-1946) – der sich stark vom französischen Impressionismus angezogen fühlte. Bilder von Goya, Skulpturen von Rodin oder auch eine Hommage an Frédéric Chopin, bei der sogar ganz kurz dessen e-Moll Präludium zitiert wird –solche Inspirationsquellen formen bei Milojevic eine phantasievolle Sprache, die dennoch in jedem Moment der serbischen Schule folgt und relativ wenig von französischer Duftigkeit hat. Tijana Andrejic interpretiert die Stücke durchwegs sehr energetisch und manchmal auch etwas hart. Zum Lockerwerden folgt eine Art Tango-Rhythmus. Merkwürdig morbide poltert der Rhythmus und eigenwillig sind die Rubato-Effekte. Ob sie schon aus dem Jenseits kommen? Nein – Il Circo hat die Komponistin Isidora Zebeljan einem mechanischen Klavier abgelauscht, das sie während einer Zirkusvorstellung anhörte.

Stefan Pieper [12.12.2013]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 M. Händel Balkantänze 00:09:49
8 D. Despic Nocturne op. 5 00:05:15
9 Vignetten op. 43a 00:07:17
19 V. Despic Etüde Nr. 4 b-Moll 00:02:01
20 M. Milojevic Kameen op. 51 (Impressionen für Klavier) 00:44:34
31 I. Zebeljan Il Circo 00:03:55

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Tijana Andrejic Klavier
 
ACO-CD 11713;4260017181178

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