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CD-Besprechung

Enescu
Complete Works for Cello and Piano

Enescu<br />Complete Works for Cello and Piano

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 15.11.13

Klassik Heute
Empfehlung

hänssler CLASSIC 98.021

2 CD • 1h 28min • 2013

Die Opusnummern täuschen, nicht nur bei Mendelssohn und Dvorák, sondern auch bei Rumäniens überragendem Komponisten und Geiger George Enescu: Die beiden Sonaten für Cello und Klavier op. 26 Nr. 1 und 2 sind im Abstand von 37 Jahren entstanden und repräsentieren völlig unterschiedliche stilistische Phasen. Gemeinsam ist ihnen der viersätzige Aufbau mit dem Scherzo an zweiter und dem langsamen Satz an dritter Stelle. Die 1. Sonate in f-Moll stammt von 1898, ein Jahr nach dem Poème roumain op. 1, im gleichen Jahr wie die letzte der vier Studien-Sinfonien in Es-Dur, und zwei Jahre vor dem grandiosen Streicher-Oktett op. 7, welches den frühen Gipfelpunkt in seinem Schaffen markiert. In diese 1. Sonate sind vielerlei Einflüsse eingeflossen, sie ist ein im schönsten Sinne eklektizistisches Werk, das deutsche und französische Elemente in brillanter Weise verschmilzt und zu Beginn des Scherzos unverhohlen auf Beethoven zurückgreift. Als Ganzes bildet diese Sonate eine schlüssige Einheit in bester Tradition des Genres im Anschluss an Johannes Brahms, Camille Saint-Saëns oder Vincent d'Indy, und in ihrer idiomatischen Schreibweise für die Instrumente und ihrer natürlich musikantischen Spielfreude ist sie ein gehaltvolles Bravourwerk, das ohne weiteres zum Standardrepertoire gehören könnte, wäre es nur bekannter. Die 2. Sonate in C-Dur von 1935 fällt in eine Zeit, als es Enescu zusehends schwerer fiel, Kompositionen zu einem Ende zu bringen (1933-35 hatte er seine 3. Klaviersonate geschrieben, und 1937-38 sollte dann seine 3. Orchestersuite, die Suite villageoise, zustande kommen – beides wahre Wunderwerke höchster Originalität, doch ansonsten brachte er in jenen Jahren keine größere Komposition zustande). Sie ist eines der Hauptwerke der letzten zwei Jahrzehnte seines Schaffens, und zugleich erschließt sich ihr Wesen nicht so problemlos und unmittelbar wie das der früheren Sonate. Statt klassischem Kontrapunkt ist nun zusehends eine Form raffiniert aufgefächerter Einstimmigkeit, also von aus der Erforschung der volksmusikalischen Wurzeln seiner Heimat hervorgehender Heterophonie, in den Vordergrund getreten, der Tonsatz ist melismatisch elaboriert und verlangt extreme Verfeinerung der Nuancierung.

All dem werden der 1986 in München geborene und heute in Berlin lebende rumänische Cellist Valentin Radutiu und sein schwedischer Partner Per Rundberg am Klavier in großartiger Manier gerecht und lassen alle anderen bisherigen Versuche, die originäre Dynamik dieser Musik zu entfalten, weit hinter sich. Rundberg spielt zwar manchmal etwas härter als nötig, doch ist er strukturell präsent und auf Augenhöhe mit Radutiu. Und das will etwas bedeuten: Ich habe in all den letzten Jahren keinen Cellisten gehört, der ein solch wunderbar zusammenhangstiftend phrasierender Musiker und tänzerisch ansteckender Rhythmiker wäre und zugleich über eine solch stupende sowohl technische als auch vielseitig tonliche Beherrschung des Instruments verfügte. Und bei allem Zauber, aller Fantasie, allem Überschwang geht er nirgends in selbstgefälliger Schaustellung verloren, es geht ihm einzig um das, was in diesem unwiederbringlichen gedehnten Moment, den wir Musik nennen, entstehen kann. Es ist angesichts dieser Klasse fast schon redundant, anzumerken, dass hiermit „die Referenzeinspielung" von Enescus Cellosonaten vorliegt, was zweifellos der Fall ist. Außerdem sind – da es sich hier erstmals um sämtliche Werke Enescus für Cello und Klavier handelt – noch zwei weitere Werke von 1897, also aus dem Jahr vor der 1. Sonate zu hören: das durchaus zauberhafte Nocturne et Saltarello, und in Ersteinspielung ein Allegro-Sonatensatz in f-Moll, der Tonart der 1. Sonate, und dieser, von Hans-Peter Türk zu einem plausiblen Ende geführt, ist durchaus substanziell und verdient es, öfter gehört zu werden.

Da das Album auch klanglich höchsten Ansprüchen genügt, und zudem mit einem sachlich fachkundigen Einführungstext von Michael Kube ausgestattet ist, ist es rundherum ohne jegliche Einschränkung zu empfehlen.

Christoph Schlüren [15.11.2013]

Komponisten und Werke der Einspielung

CD 1
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G. Enescu Allegro f-Moll (Sonatensatz) 00:09:48
2 Sonate Nr. 1 op. 26 Nr. 1 für Violoncello und Klavier 00:36:43
CD 2
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Sonate Nr. 2 C-Dur op. 26 Nr. 2 00:33:39
5 Nocturne für Violoncello und Klavier – Andante 00:04:29
6 Saltarello für Violoncello und Klavier – Vivace 00:03:05

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Valentin Radutiu Violoncello
Per Rundberg Klavier
 
98.021;4010276026235

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