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CD-Besprechung

W.A. Mozart • F. Ries

cpo 1 CD 777 618-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 23.10.13

Klassik Heute
Empfehlung

cpo 777 618-2

1 CD • 65min • 2010

Das kompositorische Schaffen des Beethoven-Schülers und Freundes Ferdinand Ries fand lange nur wenig Beachtung. Erst seit einigen Jahren stehen seine Werke wieder etwas mehr im Fokus der Öffentlichkeit. Dies nicht zuletzt aufgrund des Engagements des Osnabrücker cpo-Labels, das inzwischen eine sehr interessante Auswahl an Stücken des Bonner Meisters veröffentlicht hat, darunter die kompletten Sinfonien, Instrumentalkonzerte, Kammermusik und ein Oratorium. Genug, um zu verstehen, dass Ferdinand Ries zu den besten Komponisten seiner Zeit gehörte.

Das seit 1996 bestehende Schweizer Bläserensemble ist ein an allen Pulten gleichermaßen glänzend besetztes Kollektiv, das die Feinheiten und charakteristischen Schönheiten von Ries' Notturni mit herrlich rundem, doch stets durchsichtigem Klang gebührend zur Geltung bringt.

Die beiden Werke für Bläsersextett, 1834 bzw. 1836 entstanden, wurden zu Lebzeiten des Komponisten nicht veröffentlicht und erschienen erst 1993 im Druck. Sie sind späte Ausläufer der vordem überaus beliebten und gepflegten Gattung der Serenade bzw. des Divertimentos und stehen deutlich in deren Tradition. Das erste der Notturni ist seiner Anlage nach eher ein Gelegenheitswerk, elegant und heiter im Ton mit einem hübschen Variationssatz. Das spätere Schwesterwerk allerdings ist fast doppelt so lang und trägt alle Merkmale eines reifen Meisters: Nichts ist hier Routine, Ries überrascht immer wieder durch klangliche Raffinesse und Originalität der kompositorischen Arbeit. Ein Werk, das man öfter wieder im Konzertsaal hören möchte!

Ergänzt werden die beiden Ries-Notturni durch Mozarts Parthia in B KV 361, eine in Besetzung und zeitlichem Umfang reduzierte „Auskoppelung" aus der bekannten Gran Partita, deren Entstehungsdatum wir nur ungefähr kennen. Vermutlich komponierte Mozart seine große Bläserserenade zwischen 1781 und 1784. Ob die auf Blääseroktett reduzierte Fassung vom Komponisten selbst stammt, ist ebenfalls nicht bekannt. Das Label cpo hat mit dieser CD wieder hervorragende Arbeit geleistet, sowohl bezüglich des Repertoirewerts als auch der Interpretation. Besonders würdigen möchte ich an dieser Stelle das sprachlich wie inhaltlich ausgezeichnete Booklet. Der Berliner Musikwissenschaftler Bert Hagels hat selbst etliche Ries-Partituren veröffentlicht und gilt als einer der profundesten Kenner seiner Musik. Hagels liefert nicht allein Hintergrundwissen zur Entstehung und stilistischen Einordnung der Stücke, sondern erweitert seine musikalische Analysen mit genauen Minuten- und Sekundenangaben als „Hörhilfe". Selten habe ich einen so nützlichen Beiheft-Text gelesen!

Man kann sich nur wünschen, dass cpo bald weitere Schätze aus Ries' umfangreichem Schaffen heben wird. Eine klare Empfehlung!

Heinz Braun [23.10.2013]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Ries Notturno Nr. 1 B-Dur WoO 50 00:14:30
6 Notturno Nr. 2 Es-Dur WoO 60 00:24:46
10 W.A. Mozart Serenade Nr. 10 B-Dur KV 361 KV 370a (Gran Partita) 00:25:16

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Schweizer Bläserensemble Ensemble
 
777 618-2;0761203761821

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