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CD-Besprechung

Heinrich Schütz Il Primo Libro de Madrigali

Heinrich Schütz<br />Il Primo Libro de Madrigali

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 02.10.13

cpo 777 660-2

1 CD • 56min • 2011

Es liest sich wie ein Märchen: Der Fürst kommt in ein Wirtshaus, hört einen Knaben singen und nimmt diesen unverzüglich mit auf die kürzlich gegründete Eliteschule seines Landes. So ist es im Falle von Heinrich Schütz tatsächlich geschehen, die Eltern des Auserwählten mussten freilich erst einmal überredet werden, dass ihr Sohn diese hervorragende Erziehung am Collegium Mauritianum in Kassel bekam – sie hatten mit ihrem Sprössling anderes vor, als ihn musikalisch ausbilden zu lassen. Brav beginnt Heinrich nach der Schule ein Jurastudium, und wieder macht der Landgraf von Hessen den Eltern, die ihrem Sohn den Weg in die Beamtenschaft bahnen möchten, einen Strich durch die Rechnung: Auch ein Stipendium, das Moritz von Hessen für eine Ausbildung bei Giovanni Gabrieli in Venedig, dem Musikerpapst der damaligen Zeit, bereitstellt, will ihnen nicht schmecken. Wieder müssen Überredungskünste helfen, dass der Heinrich Schütz seinen Weg nach Italien antreten darf.

Er wird Schüler Gabrielis, der bereits in hohem Alter steht, und erlebt im Markusdom die aufregenden neuen Klänge der auf vier Emporen verteilten Chöre – es muss ihm vorgekommen sein, als täte sich unter der gewaltigen Kuppel der Kirche der Himmel auf! Begierig saugt er diese Herrlichkeit in sich auf und lernt die Wissenschaft, als Komponist derlei zu erfinden. Als kreatives Resümee der empfangenen Eindrücke erschien 1611, im dritten Jahr seines Aufenthalts in der Lagunenstadt, sein Opus 1 im Druck: IL primo libro de Madrigali, heute bekannt als Italienische Madrigale. Dankbar widmete er das Werk seinem Landesherrn, Landgraf Moritz von Hessen, und setzte ihm obendrein mit einem Lobpreis im letzten Madrigal Vasto mar ein klingendes Denkmal. Die Meisterschaft dieser so häufig als Schütz' „Gesellenstücks" bezeichneten Madrigalsammlung ist stupend: Schütz zeigt sich in allen Künsten seines Gastlandes bestens beschlagen; angesichts der deklamatorischen Textausdeutung und ihrer mit melodischem Reichtum gepaarten Dramatik sind diese einzig erhalten gebliebenen weltlichen Kompositionen von Heinrich Schütz ein Beweis dafür, welchen Verlust es bedeutet, dass seine anderen weltlichen Werke – beispielsweise die Musik zur ersten deutschen Oper Daphne – verschollen sind.

Giovanni Gabrieli starb 1612, noch auf dem Totenbett hat er Schütz mit der Überreichung eines Erinnerungsringes ausgezeichnet. 1613 kehrte Schütz aus Venedig nach Deutschland zurück und wurde Organist beim Landgrafen in Kassel. Der nahm sein musikalisches Juwel auf einen Besuch an den Hof von Dresden mit. Das hätte er nicht tun sollen, der Kurfürst von Sachsen bekam Appetit und warb Schütz in seine Dienste ab. Nach dreijährigem Streit der Fürsten um den hochkarätigen Musiker (in den Moritz von Hessen einiges investiert hatte) obsiegte Johann Georg I. von Sachsen und von seiner Residenzstadt Dresden aus verbreitete sich Schütz' Ruhm – mit Fug und Recht gilt er als erster deutscher Komponist von Weltruf in der Musikgeschichte.

Die Mitglieder des 2001 gegründete Ensembles Sette Voci treten als professionelle Sängerinnen und Sänger regelmäßig als Solisten im In- und Ausland auf. Leiter von Sette Voci ist der niederländische Bariton Peter Kooij, selbst weltweit als anerkannter Spezialist für Alte Musik berühmt.

Die hier zum Vergleich herangezogenen Aufnahmen wurden beide im Jahr 1998 eingespielt. Alle drei Einspielungen sind in stimmtechnischer Hinsicht ebenbürtig und werden dem Opus 1 von Heinrich Schütz voll und ganz gerecht. Die Versionen von Cantus Cölln und Sette Voci haben mehr Gemeinsamkeiten – während das Orlando di Lasso Ensemble sich mit einem affektreicheren, fast schon theatralischen Interpretationsansatz abhebt, obendrein die Madrigale abweichend von der Reihenfolge der Druckausgabe nach inhaltlichen Gesichtspunkten anordnet. Sette Voci zeichnet sich durch einen außerordentlich homogenen Ensembleklang aus, sie halten sich auch im Bezug auf eine „manieristische" Interpretation der Stücke zurück, was bei aller Berechtigung dieses Ansatzes den Ohren des Rezensenten wohl gefiel.

Vergleichsaufnahmen: Cantus Cölln, Konrad Junghänel (Leitung), harmonia mundi HMG 501686 Orlando di Lasso Ensemble, Thorofon CTH 2387.

Detmar Huchting [02.10.2013]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 H. Schütz O primavera 00:03:22
2 O dolcezze amarissime 00:02:33
3 Selve beate 00:02:40
4 Alma afflitta, che fai? 00:02:50
5 Così morir debb'io 00:02:59
6 D' orrida selze alpina 00:03:39
7 Ride la primavera 00:03:19
8 Fuggi, fuggi, o mio core! 00:02:35
9 Feritevi, ferite 00:03:12
10 Fiamma ch'allaccia 00:02:21
11 Quella damma son io 00:02:12
12 Mi saluta costei 00:02:56
13 Io moro, ecco ch'io moro 00:02:57
14 Sospir, che del bel petto 00:03:00
15 Dunque addio, care selve 00:03:21
16 Tornate, o cari baci 00:02:16
17 Di marmo siete voi 00:02:45
18 Giunto è pur, Lidia 00:02:48
19 Vasto Mar (Dialogo a 8) 00:03:49

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Sette Voci Gesangsensemble
Peter Kooij Leitung
 
777 660-2;0761203766024

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