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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

BIS 2012

1 CD/SACD stereo/surround • 71min • 2012

19.07.2013

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Die Schrecksekunde währte an die drei oder vier Minuten. So langsam, so ohne jede Spannung dahingespielt hatte ich Sergej Rachmaninoffs sinfonischen Erstling noch nie gehört – was nicht heißen soll, dass man ihn nicht seit der katastrophalen Premiere schon des öfteren auf dieser Erde in ähnlicher Weise malträtiert hat: Und in der Tat wollte sich in mir der schlimme Verdacht rühren, Lan Shui und das Singapore Symphony Orchestra hätten sich vorgenommen, das einstige Desaster zu reproduzieren, dessentwegen der junge Komponist beinahe in der Klapsmühle gelandet wäre.

Doch glücklicherweise hatte ich mich gründlich getäuscht. Nach und nach erheben sich aus dem wie ungewollt dahinfließenden Farben- und Klanggeschehen die ersten kreativen Absichtserklärungen. Es kommt zu Verwirbelungen, die Flächen gewinnen eine immer größere, durch den seidig-samtigen Ton des Orchesters und die vorzügliche Transparenz der Stimmführung verstärkte Tiefenschärfe: Raum entsteht und dehnt sich, und unversehens befinden wir uns inmitten eines kolossalen Abenteuers. Lan Shui hat es erneut geschafft und versetzt mich in die erfreuliche Lage, aus einem zwei Jahre alten, ebenfalls hier veröffentlichten Text zitieren zu können, worin es hieß, er ließe „sich von der Musik selbst leiten, von ihren Bögen, Windungen, Impulsen, Melancholien und Triumphen; er öffnet mit kräftigen Drehungen die emotionalen Schleusen, deren Mechanismen andere nur mit spitzen Fingern antasten (weil's nun mal in der Partitur steht!) – und dieser beinahe naiv zu nennende, auf den ersten Blick unmöglich tollkühne Sprung ins Bad der Leidenschaften befördert uns mitsamt seinem fabelhaften Klangkörper auf eine musikalische Höhe, von der aus wir tatsächlich das ganze Terrain dieses Werkes überschauen können."

Mutatis mutandis gilt, was mir damals zu Rachmaninoffs zweiter Sinfonie auf- und einfiel, auch für das hier vorliegende Schicksalswerk. Im Vertrauen auf die Substanzen und die Persöönlichkeit des Komponisten sorgt er mit leichter Hand dafür, dass die Fluten nicht über die Ufer treten, und das ist eine hohe, wagemutige Kunst, deren Meister es sogar auf „ewige" Schrecksekunden ankommen lassen, weil sie wissen, dass am Ende das Konzept aufgeht.

Dem ersten Klavierkonzert nähern sich Lan Shui und sein Solist Jewgenij Sudbin von einer ganz anderen Warte: Wie schon bei der Paganini-Rhapsodie, die mit der dritten Sinfonie gekoppelt wurde, scheint man sich auch jetzt nicht erst in letzter Minute auf die Gangart verständigt zu haben, denn die pure Explosionskraft, die das prächtige Stück vom Fleck weg hinauskatapultiert und über einen Zeitraum von knapp fünfundzwanzig Minuten fliegen läßt – dieser Elan verbindet sich mit einer solchen Feinabstimmung, dass man beim Hören jede noch so kleine Energieverdichtung am liebsten mitspielen möchte und, da's einem nicht gegeben, immerhin seine enthusiastischen Akzente auf die Schreibtischplatte hämmert. Mit der stoischen Miene des achtsamen Kritikers könnte ich die filigrane Fingerarbeit, die nirgends aufgesetzte, sondern immer höheren Zwecken dienliche Virtuosität, die völlig natürlich sich wölbenden, nie schnulzigen Kantilenen und den wiederum erlesenen Klang des vorzüglichen, reaktionsschnellen Orchesters jedenfalls nicht miterleben.

Rasmus van Rijn [19.07.2013]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Sergej Rachmaninow
1Sinfonie Nr. 1 d-Moll op. 13 00:45:32
5Konzert Nr. 1 fis-Moll op. 1 für Klavier und Orchester 00:24:37

Interpreten der Einspielung

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