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CD-Besprechung

Ambiente ACD-3022

1 CD • 77min • 2012

27.05.2013

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 5
Klangqualität:
Klangqualität: 6
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 5

Entgegen der heute weit verbreiteten Meinung gibt es wesentliche Unterschiede zwischen Film- und Unterhaltungsmusik und derjenigen Musik, die sich als „klassische“ oder „ernste“ von diesen jüngeren Genres absetzt. Die Filmkomposition etwa, zu der im 20. Jahrhundert bekanntlich viele bedeutende Tonschöpfer beitrugen, mußte sich unter dem Druck der Kommerzialisierung von der Musikgeschichte gleichsam abkoppeln: Sie nimmt keine Rücksicht auf die Entwicklung des historischen Materials, bedient sich aber gern der Errungenschaften der seriösen Komponisten. Filmmusik ist wesentlich funktional, soll sie doch den Film untermalen, nicht etwa sich von ihm emanzipieren, sie ist populär, doch sie ist eben nicht absolut. Dass keines der fünf hier vorgestellten Stücke für Saxophon von Enjott Schneider, der 1950 als Norbert Jürgen Schneider geboren wurde, für sich allein bestehen kann, liegt nicht etwa daran, dass Schneider ein bekannter und vielbeschäftigter Filmkomponist ist, sondern daran, dass die Stücke selbst sich in durchaus vielfältigen, doch eben oft schon gehörten Floskeln, Phrasen, Stilzitaten erschöpfen. Nun gibt es Stilzitate auch in der Musik etwa von B. A. Zimmermann oder Hans-Jürgen von Bose; doch dort sind sie als Stilzitate eingesetzt, die einem Anderen kontrastiert werden und damit sich selbst reflexiv werden.

Dies ist bei Schneider nicht der Fall. Vielversprechend ist etwa der Einfall, „Mantras“ zu komponieren, also mit der gleichsam beschwörenden Wiederholung zu arbeiten; doch Panta Rhei von 2008 schafft keine Form und keinen Ausdruck durch die Repetition, sondern gibt sich damit zufrieden, einfache und schnell verbrauchte rhythmisch-motivische Begleitfloskeln innerhalb weichgespülter Jazzpop-Klänge bloß aneinanderzureihen. Ähnlich gebaut sind die sechs Miniaturen nach Gedichten von Ringelnatz, welche von Christoph von Sicherer jeweils vor dem jeweiligen musikalischen Kommentar gelesen werden – schon die Abfolge von Text und Musik suggeriert, dass die Musik Illustration der Texte ist, welche damit als ungleich komplexer erscheinen. Was hätte es für Möglichkeiten gegeben, Text und Musik miteinander zu verschränken, zu kontrastieren oder gleichsam theaterhaft aufeinanderprallen zu lassen!

Die drei Stücke für Orgel und Saxophon bzw. Saxophonquartett können nicht als latente Filmkompositionen bezeichnet werden; gleichwohl kommen sie über den Materialstand bloß funktionaler Musik, hier Kirchenmusik, kaum hinaus. Die Pavane läßt die Renaissance-Referenz und die eigene Musiksprache recht spannungslos mit einander verschwimmen, auch Nekya für Sopransaxophon und Crucifixus für Saxophonquartett, jeweils mit Orgelbegleitung, präsentieren gleichmäßige Rhythmen und Metren, motivische Modelle und generische Harmonien, mithin Gemeingut, das irgendwann nach 1900 geschrieben worden sein könnte. Wenn einmal mikrotonale Abweichungen oder spieltechnische Effekte auftreten wie etwa in Nekya, dann werden sie nur anzitiert, nicht etwa zu Strukturen weiterverarbeitet. Die Solisten, Ricarda Fuss am Altsaxophon und Claus Hierluksch an Sopran- und Altsaxophon, lassen Tonschönheit und präzise Artikulation hören, können sich jedoch nur begrenzt entfalten, ebenso wie der Organist Michael Schöch; das Arcis Saxophon Quartett, gebildet aus Studenten der Münchner Musikhochschule, spielt sehr kompakt zusammen und erreicht große klangliche Einheit in einer etwas trocken geratenen Akustik. Es wäre interessant, die Musiker einmal mit komplexen klassischen Werken zu hören.

Dr. Michael B. Weiß [27.05.2013]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Norbert Jürgen Schneider
1Panta rhei (Mantras für Saxophonquartett) 00:16:26
5Ringelnatz-Suite für Saxophonquartett (6 Miniaturen nach Gedichten von Joachim Ringelnatz mit vorangestellten Gedichtrezitationen) 00:17:22
17Pavane für Altsaxophon und Orgel (Variationen über einen Tanz aus El Maestro (1536) von Luis de Milán) 00:07:18
18Nekyia für Sopransaxophon und Orgel 00:16:27
21Crucifixus für Saxophonquartett und Orgel 00:16:11

Interpreten der Einspielung

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