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CD-Besprechung

Yuri Revich

Russian Soul

Yuri Revich

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 10.01.13

Ars Produktion ARS 38 121

1 CD/SACD stereo • 75min • 2012

Wie auch immer die viel beschworene russische Seele beschaffen sein mag, wie auch immer man sie zu verstehen sucht, wirklich greifbar ist sie nicht. Auch nicht in der Musik, deren Beschreibung fortwährend solche Stereotypen wie Schwerblütigkeit und Melancholie bemüht. Dabei lassen sich in der russischen Musik – wie übrigens in jeder anderen Volks- und Kunstmusik dieser Erde – zwischen Melancholie und Übermut alle nur erdenklichen Gefühlsregungen nachweisen. Und trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen hat Ars Produktion mit „Russia Soul“ einen wohl verkaufsfördernden Titel für die Debüt-CD eines jungen russischen Geigers gewählt. Der zwanzigjäährige Yuri Revich gilt laut CD-Booklet als „einer der ausdrucksstärksten russischen Violinisten seiner Generation“. Darauf mag man vielleicht erst einmal nichts geben. Aber in Verbindung mit dem zwei Jahrhunderte umspannenden rein russischen Repertoire, bestehend aus Originalen und Bearbeitungen zwischen folkloristisch mitreißenden Werken und eher elitären Schöpfungen, macht eine derartige Einstufung dann doch hellhörig.

Technische Hürden scheint es für Revich nicht zu geben. Seien sie auch noch so hoch oder halsbrecherisch, der Geiger meistert sie mit spielerischer Leichtigkeit bzw. macht sie Dank seiner enormen, stets spürbaren Spielfreude und einer breiten Klang- und Ausdruckspalette nahezu vergessen. Dies belegen beispielsweise Skrjabins Etüde op. 8 Nr. 10, Rimsky-Korsakows Hummelflug oder Rachmaninows Ungarischer Tanz op. 6 Nr. 2. Besonders zur Geltung kommen Revichs innige Gestaltungskunst und eine sehr sinnliche Tonformung in den melancholisch gehaltenen Werken wie Rachmaninows Serenade op. 3 oder Mili Balakirews Expromt. Wobei mir allerdings gerade in diesen Deutungen der russischen Seele zu viel geschmachtet, zu viel auf die Tränendrüse gedrückt wird. Zu viel des Guten, zu bedeutungsschwanger, möchte ich sagen. Dafür überzeugt mich, wie der junge Russe das sangliche und erzählerische Moment stets an die erste Stelle setzt. Seine stärksten Momente hat der Geiger in Tschaikowskys Russischem Tanz aus dem Ballett Schwanensee und in der Sonate Nr. 2 für Violine und Klavier op. 94 von Sergej Prokofjew; hier demonstriert er einen gelungenen Balanceakt zwischen emotionaler Tiefe und vordergründiger Virtuosität. Schade nur, dass sich seine ohne Fehl und Tadel agierende Klavierpartnerin Valentina Babor meist mit einer eher begleitenden Rolle begnügen muss. Ausgenommen die Prokofjew-Sonate, in der das souveräne und feinfühlige gestalterische Vermögen der Pianistin unentwegt aufhorchen lässt.

Ob diese CD nun einen musikalischen Einblick in die russische Seele ermöglicht oder nicht, sei der Einschätzung der Hörer überlassen. Auf jeden Fall macht sie neugierig auf weitere Taten dieser beiden Interpreten, die sich mit der vorliegenden Produktion als ein nahezu perfekt aufeinander eingespieltes Duo präsentieren.

Christof Jetzschke [10.01.2013]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 I.Y. Khandoshkin Variations on a Russian Folk Tune 00:03:38
2 S. Rachmaninow Serenade op. 3 Nr. 5 00:03:07
3 P. Tschaikowsky Russischer Tanz op. 40 Nr. 10 (aus dem Ballett "Schwanensee", arr. Dimitri Tzyganov) 00:04:25
4 S. Prokofjew Sonate Nr. 2 D-Dur op. 94a für Violine und Klavier 00:24:20
8 D. Schostakowitsch Nr. 10, Moderato non troppo (aus: 24 Präludien op. 34) 00:05:10
8 Nr. 15, Allegretto (aus: 24 Präludien op. 34)
8 Nr. 16, Andantino (aus: 24 Präludien op. 34)
8 Nr. 24, Allegretto (aus: 24 Präludien op. 34)
9 S. Rachmaninow Vocalise op. 34 Nr. 14 (arr.: Jasha Heifetz) 00:04:33
10 A. Scriabin Etüde des-Moll op. 8 Nr. 10 00:01:58
11 R. Glière Romance op. 3 00:04:40
12 S. Rachmaninow Dance Hongroise op. 6 Nr. 2 00:04:40
13 M.A. Balakirew Expromt 00:04:24
14 A. Glasunow Meditation op. 32 00:03:20
15 P. Tschaikowsky Valse Scherzo op. 7 00:06:30
16 Valse sentimentale op. 51 Nr. 6 00:01:58
17 N. Rimsky-Korssakoff Der Hummelflug 00:01:19

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Yury Revich Violine
Valentina Babor Klavier
 
ARS 38 121;4260052381212

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