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CD-Besprechung

Diaghilev

Les Ballets Russes Vol. VIII

SWRmusic 93.289

1 CD • 67min • 2011

15.10.2012

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

„Auf die Schnauze! Auf die Schnauze!“ So kommentierte Alexander Siloti diebisch vergnügt den unvergeßlichen Eindruck, den Sergej Prokofieff mit der Uraufführung seiner Skythischen Suite hinterließ. Und noch heute, wo wir wahrlich an andere Klänge gewöhnt sind, wünschte man sich mitunter Konzertprogramme, in denen dieses heidnische, gewissermaßen „sacrische“ Ritual um „Ala und Lolli“ zusammen mit dem zweiten Klavierkonzert und der zweiten Sinfonie des russischen Poltergeistes gespielt würde: Dabei dann irgendwo im halbdunklen Hintergrund hocken und sich an den entsetzten Gesichtern des Publikums ergötzen – das ist eine Vorstellung, die zu schön ist, als dass sie sich in der Welt der kommerziellen Erwägungen je erfüllen möchte ...

Immerhin bleiben den Bewunderern des Mannes, der schon in jungen Jahren auszog, die Gänse zu ärgern und das Establishment das Fürchten zu lehren, solch gelungene Aufnahmen wie die hier vorliegende Darbietung vom letzten November aus dem Freiburger Konzerthaus. Nachdem Kirill Karabits in der fünften Folge der Ballets russes mit seinem frechen und aggressiven „Narren“ begeistern konnte, läßt er das SWR-Sinfonieorchester hier zu einer vollends unwiderstehlichen Hochform auflaufen. Ganz im Sinne der eingangs zitierten Worte erweist sich der junge Ukrainer dabei als ein Dirigent, der nötigenfalls die feine Schlagtechnik durch Hauen und Stechen ersetzt und es dergestalt fertigbringt, weitaus renommierteren Kollegen und ihrer Tendenz zu harmlos-schöneren Lackarbeiten den Rang abzulaufen, ohne dass er dabei in eine pure Orgie aus Lärm und Gewalt verfiele oder auf nichts als überhitzte Tempi setzte, um den Widerstand des Hörenden schon im Keime zu ersticken. Die räumliche Tiefe der Klänge, die organische Agogik und die Fähigkeit, auch die mächtigsten Massierungen mit weiten Atemzügen zu erfüllen – das zeichnet diese „Suite“ in vorzüglichster Weise aus und resultiert überm Strich in einer „10“ für die Interpretation.

Daneben muß Nikolai Rimsky-Korssakoffs Shererazade geradezu schmächtig wirken, obwohl Alejo Pérez sich zweifellos darum bemüht hat, die sinfonisch-konzertante Bilderfolge in einer konsequenten Steigerung anzulegen und die Erzählung von dem feinen, fragilen Geigenton von Jermolaj Albiker mit rührend einfacher Sinnlichkeit fortgesponnen wird. Nach der Überwindungen der anfänglichen Ladehemmung – der Sultan ist offenbar nicht so böse, wie er sein sollte – folgt eine hübsche, angenehm tragende und gerundete Einspielung, der man ganz gern zuhört. Sensiblere Gemüter sollten dann freilich schnell den Pausenknopf drücken, sonst ... siehe oben!

Rasmus van Rijn [15.10.2012]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Nikolai Rimsky-Korssakoff
1Scheherazade op. 35 (Sinfonische Suite aus "Tausend und eine Nacht") 00:45:24
Sergej Prokofjew
5Skythische Suite op. 20 (Ala und Lolly) 00:21:08

Interpreten der Einspielung

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