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CD-Besprechung

Johann Christian Schieferdecker
Musicalische Concerte (Hamburg 1713)

Johann Christian Schieferdecker<br />Musicalische Concerte (Hamburg 1713)

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 05.12.11

Klassik Heute
Empfehlung

Challenge Classics CC72531

1 CD • 73min • 2011

Eher wenig ist immer noch über den Barockkomponisten Johann Christian Schieferdecker (1679-1732) bekannt. Im Vergleich zur alten MGG (Musik in Geschichte und Gegenwart) und dem alten Grove weiß der aktuelle Wikipedia-Artikel wenigstens schon zu berichten, dass es kein Geringerer als Reinhard Keiser war, der den jungen Absolventen der Leipziger Thomasschule 1702 als Cembalist an die Hamburger Oper holte. Nach einigen musikdramatischen Erfahrungen als Opernkomponist (eine Medea-Vertonung ist zwar verbürgt, die Musik jedoch gilt als verschollen) ging Schieferdecker zu Buxtehude nach Lübeck, wo er dessen Schüler, Vertreter, Schwiegersohn und schließlich Nachfolger wurde. Sein Amt brachte mit sich, dass er sich auf die Komposition geistlicher Musik konzentrieren mußte; zwischen 1707 und 1729 führte er die von Franz Tunder inaugurierte Tradition der Abendmusiken fort.

Auch die Lexikon-Einträge zu Schieferdecker fokussieren also seinen Rang als Komponisten geistlicher Musik. Dass er jedoch auch einfallsreich im Rahmen des konzertanten Genres schreiben konnte, beweist diese Erstaufnahme sechs ausgewählter Konzerte aus der Hamburgischen Sammlung „Musicalische Concerte" von 1713. Weit entfernt von jeder Formelfixierung entwickelt jedes dieser sechs Konzerte eine höchst individuelle Folge von stilisierten Tanzsätzen der bekannten Suiten-Form (etwa Gavotten, Sarabanden und Menuetten) sowie freieren Formen wie der Arie. Besonders interessant sind die Chaconne-Sätze, in denen sich ein großer Variationsreichtum ausdrückt.

Es handelt sich also hier um tatsächlich entdeckenswerte Piecen, was ja durchaus nicht für alle Ausgrabungen aus der dritten und vierten Reihe von Barock und Klassik gelten kann. Der Entdeckungswert wird noch durch die angenehm zurückhaltenden und dennoch sehr frischen Interpretationen durch das Elbipolis Barockorchester Hamburg erhöht. Die insgesamt elf Musiker stellen die Konzerte als Kammermusiken vor, artikulieren beweglich, ohne hektisch zu werden, verzieren originell, ohne zu übertreiben, und erzielen hübsche Effekte durch den eher unorthodoxen Einsatz einer sparsamen Perkussion an gut ausgewählten Stellen. Vielleicht geht von dieser bemerkenswerten Platte ja ein Impuls aus, Schieferdeckers Œuvre näher zu erforschen.

Dr. Michael B. Weiß [05.12.2011]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J.C. Schieferdecker Concert Nr. 13 c-Moll 00:10:58
6 Concert Nr. 8 F-Dur 00:11:58
12 Concert Nr. 5 d-Moll 00:13:26
19 Concert Nr. 10 g-Moll 00:11:14
24 Concert Nr. 1 a-Moll 00:11:29
29 Concert Nr. 6 d-Moll 00:13:09

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Elbipolis Barockorchester Hamburg Barockorchester
 
CC72531;0608917253122

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