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CD-Besprechung

Armenian Rhapsody

BIS 72

1 CD • 72min • 2010

21.09.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Eine innere Stimme riet mir, diese CD nicht in der angewiesenen Reihenfolge zu hören, und ich gab der Eingebung nach, was mein Schade nicht war: Krunk („Der Kranich"), ein fantasievolles Arrangement von Vache Sharafyan für Violoncello, Duduk (die „armenische Schalmei") und Klavier nach derselben altarmenischen Melodie, die der musikalische Nationalheld Komitas unter anderem für Streichquartett bearbeitete – dieses offenbar freizügig mit kontrapunktischen Linien und neuartigen Klavierzwischenspielen versehene Kammerstück ist der eigentliche Haupttreffer der Publikation. Die Klangsynthese aus Streichinstrument und Doppelrohrblatt ist schlicht faszinierend, dem dezenten, vielfach echo-artigen Wechselspiel könnte man gern noch länger nachhören ...

Doch nach fünfeinhalb Minuten ist Schluß, und dann gilt es, Vache Sharafyans eigene Suite für Violoncello und Kammerorchester aus dem Jahre 2009 sowie den 1994 entstandenen Monograph seines Landsmanns Suren Zakarian zu inspizieren. Während das erste dieser beiden Stücke, das in vier klassisch orientierten Sätzen einen Tagesablauf vom Morgen bis zum folgenden Tag nachzeichnen will, wenigstens einmal – in der an dritter Stelle stehenden „Sarabande" – aus dem melancholisch-meditativen Dahinfließen ausbricht, besteht Zakarians Kreation aus nichts als „einer diskursiven Konzertform, bei der der ,Bewusstseinsstrom' des Soloparts die Binnendynamik des gesamten Werks beeinflusst, die besonderen Ausdrucksreichtum durch die Register- und Lautstärkenkontraste sowie den Wechsel zwischen dichten und luftigen Orchestertexturen erreicht. Wichtig ist auch die Rolle der langsamen, ausgedehnten Solokadenzen, die den Ausgangsimpuls des Stücks reflektieren: die Idee einer innerlich zerrissenen Seele. Das Cello stößt einen Schmerzensschrei aus, der vom Orchester überlagert und zu einem inständigen Gebet reduziert wird, welches von düsterer Depressivität erneut zum Schweigen gebracht wird: der Schluss hält einen Hoffnungsschimmer bereit, ein Licht am Ende des Tunnels." Ich überlasse es meinen geschätzten Lesern, sich diese öden siebzehn Minuten vorzustellen, die ich schon vielfach in der neuen Musik gehört habe – immer mit einem etwas anderen Programm, immer wieder mit anderen Namen und doch immer wieder ganz ähnlich.

Allzuviel Bedeutung wird schließlich auch in Aram Chatschaturjans Konzertrhapsodie hineingestopft, mit der uns das Programm ködern soll: Die langen Soli erhalten eine derart signifikante Schwere, dass das fröhliche Juchhu, mit dem die Musik ihrem Ende entgegenrauscht, beinahe wie ein notdürftig angedübelter Fremdkörper wirkt. Was nun freilich Tonschönheit, Intensität des Ausdrucks, Klangfülle und Aufnahmetechnik angeht, bewegt sich diese Produktion auf hohem Niveau, und der Cellist Alexander Chaushian rückt Chatschaturjans virtuosen Elementen mit einer Souveränität zu Leibe, die höchsten Respekt verdient.

Rasmus van Rijn [21.09.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Richard Strauss
1Konzert-Rhapsodie für Violoncello und Orchester 00:25:52
Suren Zakarian
4Monograph für Violoncello und Kammerorchester 00:17:16
Vache Sharafyan
5Suite für Violoncello und Orchester 00:22:24
Soghomon Soghomonian Komitas
9Kran für Duduk, Violoncello und Klavier (nach einer trad. Volksweise) 00:05:25

Interpreten der Einspielung

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