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CD-Besprechung

Flötenmusik der Mannheimer Schule

Flötenmusik der Mannheimer Schule

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 04.11.10

Bella musica BM-CD 31.9264

1 CD • 72min • 2008

Johann Baptist Wendling (1723-1797), Protagonist der ersten von ihm vorliegenden Sammel-CD („Weltpremiere“), gehört zu den einst prominenten Flötenspielern des berühmten Mannheimer Hoforchesters. Ob man ihn zugleich als namhaften Vertreter auch der Komponistengruppe jener musikgeschichtlich epochalen Mannheimer Schule des 18. Jahrhunderts bezeichnen darf, ist eine andere Frage. Soweit bekannt, hat er vorwiegend Flötenkammermusik geschrieben. Selbst seine Solokonzerte mit reiner Streicherbegleitung verzichten auf das damals neue, eigenständige Bläserregister im Orchestersatz und damit auf das eigentlich Bahnbrechende der frühklassisch-sinfonischen Großbesetzung in Mannheim. Mozarts Bereitschaft, eine Konzertpartitur des von ihm hochgeschätzten Flötisten Wendling mit Bläserstimmen zu komplettieren, hat leider keine Spuren hinterlassen. Wendlings Kammermusik profitiert dagegen lediglich von dem „manierierten Mannheimer goût“ mit der damaligen Erfindung der Sonatensatz-Form. Allerdings gelangt sie neben einer schulmäßigen Ausübung nie über einen liebenswürdig schlichten Themendualismus mit Durchführungsteil und Reprise hinaus. Von den aufregenden Neuerungen dynamischer Eruptionen mit „Mannheimer Walzen“, „Funken“, „Bebungen“, gar „Raketen“ ganz zu schweigen. Sie sollen das Publikum nach Zeugenaussagen damals regelrecht von den Stühlen emporgerissen haben.

Trotz des Einsatzes aller heutigen Erkenntnisse der historischen Aufführungspraxis und des Originalklanges dank entsprechender Instrumente in den Händen ausgewiesener Könner und Kenner, hält sich das aktuell erklingende Resultat in Maßen. Eher scheint sich das Urteil des Zeitgenossen Daniel Schubart zu bestätigen, der um 1780 in seinen Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst bemerkte, daß Wendling stolz darauf sei, mehr „das Schöne und Rührende hervorzubringen, als das Schwere, Schnelle, Überraschende“. Für die heutigen Interpreten und Zuhörer stellt sich damit, mehr als 250 Jahre danach die Frage, wie das Schöne und Rührende von einst nun im technischen Rausch des Jahres 2010 trotz aller Erkenntnisse historischer Wissenschaften und virtuos-souveräner Meisterschaft im Umgang mit authentischem Instrumentarium und Notentext vergleichbare Emotionen und ein frühklassisches Emporgehoben-Sein auszulösen vermag. Ganz gewiß nicht durch eine exemplarisch museale Umsetzung vergilbter Vorgaben. Wie aber sonst? Historisches Musizieren auch des modernen Spezial-Ensembles „Hoffmusic Mannheim“ mit dem Traversflötisten Takashi Ogawa an der Spitze – und natürlich das Rezensieren einschlägiger Studioergebnisse – wird solche Bedenken reflektieren müssen.

Dr. Gerhard Pätzig [04.11.2010]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J.B. Wendling Concertino G-Dur für Flöte, Violine, Viola und Violoncello 00:14:33
4 Sonate D-Dur für Flöte und B.c. 00:11:19
7 Concertino e-Moll für Flöte, Violine, Viola und B.c. 00:09:21
10 Sonate D-Dur für Flöte, Violine, Viola und Violoncello 00:09:43
13 Terzetto Es-Dur für Flöte, Violine und Violoncello 00:11:04
16 Konzert G-Dur für Traversflöte und Orchester 00:14:28

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Takashi Ogawa Traversflöte
Hoffmusic Mannheim Orchester
 
BM-CD 31.9264;4014513023995

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