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CD/SACD stereo-Besprechung

Mariinsky MAR0510

1 CD/SACD stereo • 74min • 2009, 2010

08.06.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 5
Klangqualität:
Klangqualität: 5
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 5

Wieder einmal legt das Mariinsky Theater in St. Petersburg auf dem eigenen Label eine Produktion vor, die sich anspruchsvoll und international gebärdet, deren musikalische Ausführung aber nicht so recht mit der zur Schau gestellten Grandezza mithalten kann und diesmal noch dazu einen internationalen Gaststar düpiert: Gérard Depardieu als Sprecher im Oedipus Rex gewinnen zu können, ist wohl keineswegs selbstverständlich – besonders, wenn man bedenkt, dass Depardieu eigentlich ein Vollblutschauspieler ist, der auf der Bühne sein Letztes gibt: Wie mag der Mann sich beim Studio-Einsprechen dieser Rolle, die sich ja eigentlich deutlich an das französische Publikum der Uraufführung (Paris, 30. 5. 1927) wendet, gefühlt haben? Und was mag er gedacht haben, im Booklet nicht einmal ein Foto von sich zu finden, während jeder einzelne Sänger einmal, Maestro Gergiev gar gleich dreimal abgelichtet ist?

Nun, natürlich kennt jeder Depardieu aus vielen Filmen, doch ist sein Engagement für so eine Aufnahme keineswegs selbstverständlich. Gehört das nicht entsprechend gewürdigt? An der Darbietung des Oedipus Rex ist sein Part noch das Überzeugendste. Chor und Soli kommen mit dem lateinischen Text nicht sonderlich gut zurecht (befremdlich z. B. die Aussprache „Thääben“ statt „Theben“). Bei den Sängern gibt es hörbare qualitative Unterschiede, wobei man besonders mit dem Tenor Sergei Semishkur in der Titelrolle nicht recht glücklich wird: In der Tiefe sitzt die Stimme nicht, und er stemmt sein Vibrato so fest, wie es geht. Evgeny Nikitin (Bass) als Creon singt recht unsauber. Generell muss man das in St. Petersburg gepflegte Wummer-Vibrato und durchweg schwarze Timbre der Solistinnen und Solisten schon mögen, wenn man mit dieser Aufnahme warm werden will.

Die Aufführungen selbst sind einigermaßen befriedigend, lassen stellenweise sogar musikantisch aufhorchen, bieten aber insgesamt nicht mehr als professionellen Durchschnitt. Die Fiebrigkeit von Les Noces bleibt weitgehend auf der Strecke; das Werk klingt hier stellenweise wie eine heruntergespielte Parodie von Orffs Carmina Burana. Bei Oedipus Rex fehlt es am dramatischen Überbau, und Gergiev agierte hörbar nur im Moment, anstatt dramaturgisch zu disponieren. Auch wenn zu seiner Entschuldigung bedacht sei, dass gerade diese beiden Werke stark auf die Publikumswirkung hin berechnet sind und sich einer durchgeplanten Studioproduktion entziehen, braucht es dafür doch einen ausdrucksstarken Dirigenten, der Visionen hat und umsetzen kann. Das hat Gergiev hier nicht zu bieten. Bedenklich ist schließlich auch die Balance: Selbst im Mehrkanal-Modus werden die Gesangsstimmen (ob nun Soli oder Chor) dem Orchester untergeordnet, im Tutti oft von ihm platt gemacht, und auch von natürlicher Räumlichkeit kann nicht die Rede sein: Eine recht eng und trocken klingende Produktion, die sich im Bemühen, alles im Orchester irgendwie hörbar zu machen, um Natürlichkeit und Räumlichkeit nicht schert.

Dr. Benjamin G. Cohrs [08.06.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Igor Strawinsky
1Le Noces für Soli, Chor, 4 Klaviere und Schlagzeug (Scènes chorégraphiques russes avec chant et musique, 1914/1923) 00:21:22
5Oedipus Rex (Opern-Oratorium in zwei Akten nach Sophokles) 00:52:27

Interpreten der Einspielung

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