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CD-Besprechung

Erich Kästner in Liedern und Songs von Edmund Nick

duo-phon-records 06 35 3

1 CD • 53min • 2009

14.06.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Wenn einer den 35. Mai erfinden konnte, dann sollte ihm doch wohl auch was über die Dreizehn Monate einfallen, werden sich die Verantwortlichen der Zeitschrift gedacht haben, die im Jahre 1955 bei Erich Kästner den gleichnamigen Gedichtzyklus bestellten, den dieser nach eigener Aussage „als Großstädter für Großstädter” schrieb: Bewaffnet mit Büchern über Unsere Pflanzenwelt, Die deutsche Schulflora und den fünften Band von Brehms Tierleben, um sich der vergessenen Naturereignisse zu erinnern, die der Jahreslauf nun mal mit sich bringt.

Das Ergebnis ist natürlich so natürlich wie alles von Kästner. Eine Mischung aus subtiler Selbstironie, feinsinnigen Wortspielen, charmanten Metaphern („Mai, der Mozart des Kalenders“), leisem Mitgefühl und einem nostalgischen Kinderstaunen, das einem die Ewigkeit beschert. So etwas schreit geradezu nach Musik und erhielt sie auch – als nämlich jemand vom ZDF vierzehn Jahre später auf die Idee kam, den erweiterten Jahreskreis zum 70. Geburtstag des Dichters aufzuführen. Kästner wandte sich an seinen alten Freund und Mitstreiter Edmund Nick, und der war von dem Projekt so begeistert, dass er sein langes kompositorisches Schweigen brach und seinerseits einen Liederkreis von außerordentlicher Qualität schuf.

Die Komposition geriet, wie wir aus dem Booklet erfahren, nach der einmaligen Aufführung (mit Orchester) in Vergessenheit und tauchte erst wieder auf, als Ulrich Schütte mit Dagmar Nick, der Tochter des Komponisten, zusammentraf und die Klavierfassung des Projektes wieder ans Tageslicht förderte.

Soweit also der geschichtliche Hintergrund der hier vorliegenden Tonträger-Ersteinspielung, die um ihres musikalisch-dichterischen Ranges und ihrer gleichermaßen hohen interpretatorischen Leistung freilich zweierlei hätte haben dürfen: ein besser redigiertes Beiheft, das dem Hörer und Mitleser nicht die Gesangstexte vorenthielte (nicht jeder hat seinen Kästner für Erwachsene im Bücherschranke), und eine Klangregie, die den Klaviersatz ein wenig hätte hinter den Sänger zurücktreten lassen.

Das sind dann aber auch die einzigen Einwände. Die zyklische Anlage der Musik, ihre bezaubernden, nie aufdringlichen Tonmalereien und die kleinen Anspielungen (insbesondere Chopins berühmter Trauermarsch geistert, wo’s winterlich wird, dezent durch die Noten) wären an sich schon ein Vergnügen und sind es desto mehr, als die zwischen Wort und Ton herrschende Einheit von den beiden Vortragenden mit sehr großer Freude am Sujet und bedeutendem Nuancenreichtum zum Leben erweckt werden. Sind das noch Chansons – oder nicht vielmehr zwar tonal-anachronistische, daher aber auch desto wertvollere Lieder, die vermöge ihrer leicht illustrativen, mit aller pianistischen Sensibilität vorgetragenen Wanderung durch das Jahr einen geschichtlichen Abriss über die Gattung selbst liefern?

Darüber müssen wir uns den wortklauberischen Kopf nicht zerbrechen. Am Ende, wenn der „dreizehnte Monat”, bei der Niederschrift des Gedichts noch keine tarifliche Zwangsmaßnahme, gesprochen wird, wissen wir’s: Das ist was für den Konzertsaal, so wie das, was Kästner und Nick vor dem Kriege produzierten, definitiv ins beste Kabarett gehörte. Die fünf frechen „Zugaben“ der CD verweisen, ohne dass das geplant gewesen wäre, auf eine weitere, umfänglichere Neuveröffentlichung: die 1929 im Breslauer Rundfunk uraufgeführte „lyrische Suite in drei Bildern“ namens Leben in dieser Zeit, die gerade bei cpo herausgekommen ist – Abrechnung mit einer Gegenwart, die sich unablässig wiederholt, ohne dass die, die sich „wiederholen lassen“, davon etwas mitbekämen. Das ist „die Existenz als Grammophon: Wenn einer kurbelt, dreh’n sich alle mit!“ Auch der Mann mit Namen Schmidt, von dem die erste Zugabe zu den Dreizehn Monaten ein irgendwie vertrautes Portrait entwirft ...

Rasmus van Rijn [14.06.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Edmund Nick
1Die 13 Monate 00:36:27
14Kurt Schmidt, statt einer Ballade 00:02:51
15Die Elegie in Sachen Wald 00:03:27
16Das Wiegenlied väterlicherseits 00:04:24
17Der Song "Man müßte wieder..." 00:04:01
18Fahrt in die Welt 00:02:10

Interpreten der Einspielung

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