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CD-Besprechung

Modern Clarinet Classics
Masterpieces of the 20th century

Modern Clarinet Classics<br />Masterpieces of the 20th century

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 09.06.10

Coviello Classics COV 51005

1 CD • 63min • 2009

Als Komponist hat der 1977 in Lemberg (Ukraine) geborene Klarinettist Evgeni Orkin eine inzwischen stattliche Anzahl eigener Werke in den Bereichen Kammermusik, Lied und Orchester geschaffen. Seit mehreren Jahren ist er in Mannheim zuhause und wirkt dort als etablierter Hochschuldozent einer eigenen Bläserklasse und als Kompositionslehrer. Beide Berufe prägen seinen künstlerischen Alltag, längst gespickt mit Auszeichnungen als Folge einer erfolgreichen Doppelbegabung. Sein jüngster CD-Beitrag als zeitgenössischer „Alleinunterhalter“ spiegelt ein charakteristisches Werksegment prominenter Vorbilder und Kollegen für die unbegleitete Klarinetten-Sololiteratur wider. Zugleich stellt das Ergebnis einen auf höchst kultivierte und subtile Klangqualitäten seines Instrumentes erpichten, zugleich äußerst sensiblen Interpreten mit Sinn für nuancenreiche Ausdrucksformen vor. Strawinskys berühmte Drei Stücke für Klarinette allein (1919) eröffnen den Reigen der Darbietungen, denen der Interpret quasi als Auftakt die Bedeutung eines neoklassischen Fundamentes für alles verleiht, was aus seiner Sicht bis zum Ausklang des 20. Jahrhunderts als vergleichbare Solodarbietungen geschaffen worden ist.

Die Ansprüche an das Publikum sind entsprechend hoch. Deutlich entfaltet sich, ganz im Gegensatz zu Strawinskys vitaler, auch ironisch-witziger Kreativität, ein spürbar vergeistigter Konstruktivismus der Musik, und die ästhetisch und intellektuell perfekt durchformte Interpretation verstärkt und verdeutlicht eine derartige Wirkung. Immer wieder verrät sich in dem dargebotenen Klangmaterial ein experimentelles Suchen nach neuen Töönen, Klängen, Farben, Formen und bläserischen Aktionen. Auf der anderen Seite scheint gespanntes, aufmerksames Zuhören durch die Dauer, Dehnungen und Ähnlichkeiten motivischer Intentionen abgeschwächt zu werden. Selbst die relativ kurze Solosonate von Edison Denissov (1972) und die rund 18-minütige Sequenza IXa von Luciano Berio (1980) entwickeln nach ihren jeweiligen Expositionen eine Neigung zu konzentrierter Langatmigkeit des Motivspiels. Die Rezeptur ist vertraut: Glissandoschleifer, Viertelton-Verfremdung, sphärische Kombinationstöne, Aufschrei-Akzente, säuselndes Girren oder vibrierendes Hineinbrummen in den Instrumentcorpus, auch halsbrecherische Intervallartistik bei oft schwer zu deutender Stringenz. Der Solist stellt sich spürbar animiert und motiviert solchen Spielanweisungen.

Ähnliches bewirkt Yevhen Stankovychs Konzertstück Spiel am Rande des Abgrunds (1996). Und nur schwer läßt sich unter dem Eindruck sperriger Stil-Utensilien die Inschrift für Klarinette solo (1999) von Stephan Marc Schneider entziffern. Dies alles jedoch – und das ist die eigentliche Überraschung der CD – gilt nicht für den kompositorischen Eigenbeitrag des Solisten Orkin. Seine Jüdische Suite (2000) schafft es, in allen ihren vier überschaubaren (unbenannten) Einzelsätzen dank weitgehend tonaler, folkloristisch stilisierter Klezmer-Traditionen alle Sinne zu aktivieren. Rituelles Brauchtum mag dem Komponisten als Inspirationsquelle, fast dem russischen „Hintergrund“ von Strawinskys Eröffnungs-Trias vergleichbar, gedient haben. Als Gründungsmitglied einer Mannheimer „Komponistenverschwörung“, die „frischen Wind in die Neue Musik bringen will“, krönt der Klarinettist Evgeni Orkin mit diesem Beitrag aus eigener Feder seine insgesamt makellos dargebotene Musterschau und Bestandsaufnahme einer nach wie vor Zeit und Raum überwindenden Moderne.

Dr. Gerhard Pätzig [09.06.2010]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 I. Strawinsky Drei Stücke für Klarinette solo 00:04:56
4 E. Denisov Sonate für Klarinette solo 00:07:05
6 L. Berio Sequenza IXa für Klarinette 00:17:22
7 Y. Stankovych Konzert für Klarinette solo (Spiel am Rande des Abgrunds) 00:10:48
8 S.M. Schneider Inschrift für Klarinette solo 00:07:39
12 E. Orkin Jüdische Suite op. 10 für Klarinette solo 00:15:31

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Evgeni Orkin Klarinette
 
COV 51005;4039956510053

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