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CD-Besprechung

Johann Christian Bach
Sei Sinfonia - London 1782

Johann Christian Bach<br />Sei Sinfonia - London 1782

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 26.03.10

Glossa GCD 920608

1 CD • 64min • 2009

Man muss vorsichtig im Umgang mit dem Begriff „Sinfonia“ sein, soweit er mit dem „Londoner“ Bach, dem jüngsten Sohn Johann Sebastians, in Verbindung gebracht wird. Formal gehören seine späten, der frühklassischen Ära nahestehenden Bläserquintette der Sammlung „Sei Sinfonia“ als gedruckter Nachlaß aus Johann Christians Sterbejahr 1782 zu den damals begehrten Unterhaltungsmusiken der Serenaden, Divertimenti, Bläserparthien oder Cassationen. Schlichte Lied-, Marsch- und Tanzformen sind ihre Bausteine. In den Musikgeschichten wird immer wieder auf die Erfindung des „singenden Allegro“ durch den Bach-Sohn hingewiesen. Der Knabe Mozart hatte anläßlich einer ersten Begegnung in London 1762 mit Begeisterung erste Kostproben gehört und die Errungenschaften des neu gewonnenen Freundes nachgeahmt und zu voller Blüte entwickelt. Bei den vorliegenden Spätwerken Bachs erinnert nur noch ein gewisser Nachhall in den langsamen Sätzen an die einstige Besonderheit. Um so mehr widmen sich die schnellen Werkabschnitte einem gefälligen, nicht immer tiefsinnigen Ohrenschmaus. Virtuose Taktgruppen und Episoden fordern die Bläser heute wie damals zu anspruchsvoller Fingerartistik und Atemtechnik heraus. Die traurige Tatsache, daß sich die Opernerfolge Johann Christian Bachs überlebt hatten und den einst gefeierten „Saxon Master of Music“ zum Broterwerb mit Hilfe modischer Gelegenheitswerke zwangen, mag und kann man seiner „Unterhaltungsmusik“ jedoch nicht anhören.

Mit Beifall begrüßt man daher die vorliegende Erst-Einspielung mit historischen Nachbauten der Originalinstrumente. Der als Bläserspezialist für eine authentische Aufführungspraxis bekannte und virtuose Beherrscher aller einschlägigen Klarinetteninstrumente Eric Hoeprich (hier mit einer Kopie nach Grenser um 1785) hat dafür nicht nur ebenbürtige Partner als versierte Interpreten auf musealen Fagotten (nach Triebert um 1800) und Naturhörnern (nach Courtois und Halary ca. 1800) gefunden, sondern seinem Ensemble stilgerecht den Namen „Nachtmusique“ gegeben. Denn nicht nur an die viersätzigen Harmoniemusiken des Bach-Nachkömmlings dachte ein ungenannter Autor im Wiener Theater-Almanach des Jahres 1764, wenn er schreibt: „In den Sommermonaten trifft man fast täglich, wenn schönes Wetter ist, Ständchen auf den Straßen, und ebenfalls zu allen Stunden, manchmal um ein Uhr und noch später. ... Diese Nachtmusiken bestehen in Quartetten, Quintetten, Sextetten aus blasenden Instrumenten.“ Der Londoner Notendruck von 1782 beweist, daß vergleichbare Gepflogenheiten, also „Nachtmusiquen“, auch in den dortigen Vauxhall-Gärten üblich waren.

Die Tonkultur und souveräne Beherrschung sämtlicher spieltechnischer Anforderungen aller hier agierenden „Nachtmusiker“ im Umgang mit der weitgehend einfachen Konstruktion der Blasinstrumente des 18. Jahrhunderts verdient Respekt und Beifall. Ergänzende Hinweise der heutigen Interpreten über das besondere Anforderungsprofil solcher historisierenden Darbietungen gehören jedoch nach wie vor, leider auch hier wieder, zu den Informationsdefiziten entsprechender Veröffentlichungen. Nicht nur regt sich Neugier bei Laien und Kennern über das Finden der „richtigen“ Tempovorgaben dieser Musik, Artikulation, Improvisation, Tonansatz- und Grifftechniken, Stimmung (Kammerton!) und Intonation, sondern auch über Aufgaben, Probleme und Eigenleben der modernen Studiotechnik. Aktuell vermißt man bei der vorliegenden, kleinen Kammermusikbesetzung (2 Klarinetten, 2 Hörner und verdoppelter Fagottbaß) die nötige Mittelstimmen-Präsenz und -Transparenz. Im Gegensatz dazu sind die Melodie- und Baßführung mikrophontechnisch besonders unterstützt worden. Waren es Tonmeister-Entscheidungen oder Produzentenwünsche?

Dr. Gerhard Pätzig [26.03.2010]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J.Chr. Bach Sinfonia III Es-Dur für 2 Klarinetten, 2 Hörner und Fagott 00:11:34
5 Sinfonia IV B-Dur für 2 Klarinetten, 2 Hörner und 2 Fagotte 00:08:35
9 Sinfonia V Es-Dur für 2 Klarinetten, 2 Hörner und Fagott 00:11:11
13 Sinfonia VI B-Dur für 2 Klarinetten, 2 Hörner und Fagott 00:09:33
17 Sinfonia I Es-Dur für 2 Klarinetten, 2 Hörner und Fagott 00:13:13
21 Sinfonia II B-Dur für 2 Klarinetten, 2 Hörner und Fagott 00:08:36

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Nachtmusique Ensemble
Eric Hoeprich Leitung
 
GCD 920608;8424562206083

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