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CD-Besprechung

M. Lindberg

Ondine 1 CD ODE 1157-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 28.04.10

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Ondine ODE 1157-2

1 CD • 57min • 2008, 2009

„Für einen Komponisten, der Vokalmusik schreibt, sind die Auswahl der Texte sowie die Beziehung zwischen Text und Musik zentrale Belange." Das musste endlich mal gesagt werden, und wenn‘s auch nur auf Englisch ist, weil Ondine deutschsprachige Beilagen offenbar auch dann nicht für nötig hält, wenn es – wie im vorliegenden Fall – direkte Beziehungen des Komponisten zu diesem unserem Lande gibt: Magnus Lindberg schrieb sein Graffitti für Chor und Orchester im vorigen Jahr (!) für die Berliner Philharmoniker (sowie für das San Francisco Symphony Orchestra) und erlebte auch die Uraufführung des Stückes an der Spree ...

Immerhin aber macht uns der essentielle Satz, den ich mir oben zu zitieren erlaubte, einigermaßen begreiflich, warum man sich bei Graffitti wie auf einem Basar der Altertümer vorkommt: Der sorgfältig ausgewählte Text besteht aus 63 welterschütternden Weisheiten, die man nach der Ausgrabung des alten Pompeji an den Wänden der einst vulkanisierten Stadt entdeckte, und die dazu in Beziehung gesetzte Musik erfüllt die ihr gestellten Aufgaben in der Tat genau: Nach dem Orchestervorspiel, das aus denselben kontrafagöttlichen Tiefen aufsteigt wie Ravels Konzert für die linke Hand, können wir uns zwischen Les Noces, Psalmensymphonie und Carmina burana entscheiden, bevor wir durch saftig-spätromantische Passagen in prickelnd rhythmisierte Sprechchöre, von hämmernden Klavierakkorden in melancholische Holzbläsersoli und wieder zurück zu den archaischen Figuren à la Strawinsky und Orff geführt werden – all das im Dienste gehaltvollster Aussagen wie „Zweimal trieb ich's hier", „Die beste Fischsauce", „Ich Glückspilz" oder „Nichts dauert ewig" und somit fürwahr eine würdige Vertonung.

Die allerdings, ich sage es gern, nicht ohne echten Humor gemacht ist, sich für manch munteres Ratespiel („Erkennen Sie die Melodie") eignet und obendrein auch mit viel Schwung, fesselnder Klangfreude und Vergnügen an der ungewöhnlichen Materie ausgeführt ist. Daneben wirkt das immerhin schon drei Jahre alte Orchesterwerk Seht die Sonne, das nach Aussagen des Komponisten so etwas wie seine zweite Sinfonie sein soll, erheblich konturloser, wenngleich hier nur ein Rätsel wirklich zu lösen wäre: was diese Musik nämlich mit dem gleichnamigen Abschnitt aus Arnold Schönbergs Gurreliedern zu tun hat, auf den sie sich expressis verbis bezieht. Hymnisch wie der Schlusschor der Wiener Jugendstil-Orchidee? Nun ja, mit viel gutem Willen vielleicht. Fein instrumentiert? Ganz unbedingt. Aufschlussreicher jedoch scheint mir, dass dieses dreisätzige, insgesamt recht wohlklingende Seht die Sonne, ähnlich wie einiges seines besonderen Protégés Thomas Adès, am Ende für Simon Rattle komponiert wurde. Das erklärt vieles.

An der Qualität der vorliegende Ondine-Aufnahmen mit dem Symphonieorchester des Finnischen Rundfunk und dem Kammerchor Helsinki unter Sakari Oramo ist im Rahmen der vorgegebenen Bewertungskriterien freilich nicht zu rütteln. Das Booklet hätte halt besser sein können.

Rasmus van Rijn [28.04.2010]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 M. Lindberg Graffiti 00:31:32
7 Seht die Sonne 00:25:40

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Finnish Radio Symphony Orchestra Orchester
Sakari Oramo Dirigent
 
ODE 1157-2;0761195115725

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