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CD-Besprechung

Antonio Vivaldi Concerti da Camera d'après La Stravaganza opus IV

Ricercar RIC 288

1 CD • 8min • 2009

02.11.2009

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Igor Strawinsky, freigebig im Austeilen von boshaften Bemerkungen, erklärte Vivaldi zum „überschätzten Komponisten, der ein und dasselbe Konzert sechshundert Mal hintereinander komponieren konnte“. Das hat allerdings vermutlich eher an der nähmaschinenartigen Gleichförmigkeit gelegen, mit der Barockmusik damals vorgetragen wurde; denn Strawinsky äußerte sein „bon mot“ zu einer Zeit, als sich die Wiederentdeckung der Alten Musik noch schemenhaft am Horizont abzuzeichnen begann. Was würde der alte Spötter dazu sagen, dass der prete rosso – so wurde Vivaldi zu Lebzeiten wegen seiner roten Haare genannt – heute populärer ist als je zu Lebzeiten? Und schon damals lief seine Musik von Erfolg zu Erfolg durch die ganze musikalische Welt. Dabei brillierte er besonders in dem von Arcangelo Corelli wesentlich ausgeformten Genre des Concerto Grosso, in dem ein größer besetztes Orchester, das Concerto, mit einer Solistengruppe, dem Concertino, genau das tut, was das Verb concertare meint: Es wird ein fröhlicher Wettkampf ausgetragen, die Themen fliegen hin und her, und schließlich gelangen alle, vielleicht ein wenig außer Atem aber glücklich, gemeinsam ins Ziel.

Das Concerto da camera übernimmt von der großen Schwester das Prinzip des Wettstreits, doch nun wird er unter Solisten ausgetragen: Hier messen sich gewissermaßen Einzelkämpfer miteinander. Da ist noch mehr Witz, Charme und Esprit gefragt; und die kleine Gruppe von etwa zwanzig Werken, die Vivaldi als Concerti da camera hinterlassen hat, dürfte nur Herrn Strawinsky groß genug vorgekommen sein. Jeder echte Bewunderer des venezianischen Violinmeisters bedauert, dass nicht mehr dergleichen aus seiner Feder auf den heutigen Tag gekommen ist.

Vor Jahren haben Frédéric de Roos und sein Ensemble La Pastorella bereits sieben von Vivaldis zehn erhaltenen Concerti da camera für die Besetzung Flöte, Oboe, Geige, Fagott und basso continuo eingespielt. In seinem Begleittext zur gegenwärtigen CD äußert de Roos lebendiges Bedauern darüber, dass nun nicht mehr ausreichend Originalliteratur des Meisters für eine weitere CD in dieser originellen Besetzung vorhanden ist. Um dem Übelstand abzuhelfen, haben sich die Musiker Konzerte aus der bekannten Sammlung La Stravaganza ausgesucht, die sie selbst in Concerti da camera umgewandelt haben. Dabei haben sie sich sowohl bei der Auswahl der Vorbilder als auch bei der Bearbeitung vom Leitsatz Georg Philipp Telemanns leiten lassen, den er als Erfolgsgeheimnis geglückter Instrumentalmusik formulierte (eine schallende Ohrfeige übrigens für alle „Kenner“, die heute noch meinen, Besetzungsfragen seien im Barock eher beliebiger Natur!): „Gieb jeden Instrument das, was es leyden kan; so hat der Spieler Lust, du hast Vergnügen dran.“

So sind sieben weitere Concerti da camera auf Musik von Antonio Vivaldi entstanden; und wäre Frédéric de Roos nicht so ehrlich gewesen, sein Vorgehen zu erklären, man hätte diese funkensprühende Musik ebenso gut für Originalarrangements halten können.

Detmar Huchting [02.11.2009]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Antonio Vivaldi
1Concerto B-Dur op. 4 Nr. 1 RV 383a für Violine, Streicher und basso continuo 00:07:32
4Concerto G-Dur op. 4 Nr. 3 RV 301 für Violine, Streicher und Basso continuo 00:08:29
7Concerto a-Moll op. 4 Nr. 4 RV 357 für Violine, Streicher und Basso continuo 00:08:31
10Concerto A-Dur op. 4 Nr. 5 RV 347 für Violine, Streicher und Basso continuo 00:09:01
13Concerto g-Moll op. 4 Nr. 6 RV 316a für Violine, Streicher und Basso continuo 00:09:21
16Violin Concerto F major op. 4 No. 9 RV 284 for Violin, Strings and basso continuo (La Stravaganza) 00:07:10
19Concerto D-Dur op. 4 Nr. 11 RV 204 für Violine, Streicher und Basso continuo 00:06:02

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