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CD-Besprechung

Lava

Opera Arias from 18th Century Napoli

Lava

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 19.10.09

Klassik Heute
Empfehlung

deutsche harmonia mundi 88697 54121 2

1 CD • 77min • 2008

„Was der Kaiser sich leisten kann, das kann auch ich mir leisten“,verkündete Fürst Nikolaus von Esterhazy, genannt der Prachtliebende, als er in der k.u.k.-Monarchie seine Schlösser im Multipack zu errichten begann. Irgendwie denkt man bei unserer CD an diese Anekdote – ins Musikalische übersetzt. Der Kaiser wäre demnach eine Kaiserin, nämlich Superstar Cecilia Bartoli, die genau in diesen Tagen ihre neue Platte mit virtuosen Kastratenarien der barocken Ära herausbringt. Der Fürst, respektive die Fürstin ist Simone Kermes, die auf ihrer aktuellen Platte das ziemlich gleiche Repertoire des 18. Jahrhunderts kaum minder demonstrativ herausstreicht. Kleine Pointe: mit Claudio Osele hat sich Kermes – als Berater und zugleich als Dirigenten – den gleichen Mann gesichert, der als Musikwissenschafter bei den früheren Bartoli-Editionen an entscheidender Stelle mitgewirkt hatte.

 

Lassen wir den Wettstreit zweier ambitiöser Primadonnen, halten wir uns an die Kermes-Veröffentlichung. Gleich in den ersten acht Minuten – Tracks 1 und 2 – wird erkennbar: die Sängerin aus Leipzig, ein dramatischer Koloratursopran im reinsten Sinne des Wortes, zeigt sich erpicht, uns in ein vokales Wechselbad zu stürzen. Atemlos, aufgeregt, ja fast eine Spur hysterisch der brüske Einstieg mit einer Arie aus Pergolesis L’Olimpiade, gefolgt von einer mit subtilsten Wendungen in pianissimo-Regionen verharrenden Todes-Arie aus Lucio Papirio von Nicola Antonio Porpora. Und so geht es weiter bei dieser Auswahl von Kostproben  aus neapolitanischen Barockopern zwischen explosiver Hektik und melancholischem Verdämmern. Simone Kermes demonstriert vokale Virtuosität schier ohne Grenzen, gelegentlich mit einem Stich ins Manierierte und immer konsequent auf höchstmöglichen Ausdruck gerichtet.

 

Folglich darf man den Titel dieser CD schon mehr als symbolisch verstehen: Lava. Diese glühende Masse, zumal wenn sie aus dem Neapel bedrohenden Vesuv ausbricht,  kann feurig zischen und zugleich träge dahinfliessen – das entspricht perfekt dem überschäumenden und auch wieder kontrollierten Temperament der Simone Kermes. Den Schluss macht wiederum eine Arie aus Pergolesis L’Olimpiade, jetzt allerdings für eine andere Figur – und dieses Mentre dormi erscheint wie eine packende Zusammenfassung des Vorangegangenen: eine Schlafarie, die sich aus träumerischer Versunkenheit zu zarter Ekstase emporschwingt. Übrigens: Von den zwölf Arien, die der wissenskundige Claudio Osele meist aus bejahrten Manuskripten ausgesucht hat, tauchen neun zum erstenmal auf der Platte auf. Als Leiter des von ihm vor acht Jahren gegründeten Ensembles Le Musiche Nove („on period instruments“, versteht sich) schätzt Osele Transparenz hoch, daher besetzte er die Streicherstimmen solistisch. Was nicht zuletzt einen engen Dialog zwischen Musikern und menschlicher Stimme ermöglicht – Kermes’ vielfältig variierter Sopran brilliert dabei als schillerndstes aller Instrumente…

PS. Ein Wort noch zum Cover. Im Gegensatz zur Bartoli-Konkurrenz (mit einer hermaphroditischen Kombination) versteckt Simone Kermes ihre Weiblichkeit nicht, im Gegenteil. Kastraten hin oder her – rothaarig und blauäugig lockt die Sängerin das geneigte Publikum in ihren tosenden Lavastrom.

Mario Gerteis † [19.10.2009]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G.B. Pergolesi Tu me da me dividi (2. Akt, 9. Szene: Arie der Aristea - aus: L' Olimpiade) 00:02:51
2 N.A. Porpora Morte amara (2. Akt, 10. Szene: Arie des Quinto Fabio - aus: Lucio Papirio) 00:05:15
3 Se non dovesse il piè (Einlagearie; aus: Flavio Anicio Olibrio) 00:04:25
4 L. Vinci Fra cento affanni e cento (1. Akt, 2. Szene: Arie des Arbace; aus: Artaserse) 00:03:39
5 L. Leo Manca sollecita (3. akt, 1. Szene: Arie des Cleonice; aus: Il Demetrio) 00:08:17
6 J.A. Hasse Come nave in mezzo all'onde (2. Akt, 4. Szene: Arie des Siface - aus: Viriate) 00:05:27
7 G.B. Pergolesi Lieto così talvolta (1. Akt, 16. Szene: Arie der Farnaspe - aus: Adriano in Siria) 00:14:16
8 J.A. Hasse Perché se tanti siete (3. Akt, 7. Szene: Arie der Berenice - aus: Antigono) 00:04:13
9 L. Vinci No che non ha la sorte ... Vo solcando un mar crudele (1. Akt, 15. Szene: Rezitativ und Arie des Arbace - aus: Artaserse) 00:08:23
10 N.A. Porpora Tocco il porto (3. akt, 6. Szene: Arie des Quinto Fabio - aus: Lucio Papirio) 00:04:37
11 J.A. Hasse Tu dici ch’io non speri ... L’augelletto in lacci stretto (2. Akt, 4. szene: Rezitativ und Arie der Araspe - aus: Didone abbandonata) 00:10:14
12 G.B. Pergolesi Mentre dormi amor fomenti (1. Akt, 9. Szene: Arie der Licida - aus: L' Olimpiade) 00:05:10

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Simone Kermes Sopran
Le Musiche Nove Ensemble
Claudio Osele Dirigent
 
88697 54121 2;0886975412129

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