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CD-Besprechung

Études pour piano Vol. IV

Études pour piano Vol. IV

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 06.08.09

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Tacet 165

2 CD • 1h 43min • 2008, 2009

Lobenswert zweifellos ist das Tacet-Projekt der Darmstädter Pianistin Erika Haase, sich dem Etüdenschaffen bedeutender Komponisten bis hin zu den neueren Werken Ligetis zu widmen, genauer gesagt: sich den bisweilen höllischen Schwierigkeiten mancher Stücke auszusetzen. Alfred Brendel – im Begleitheft zitiert – hat Erika Haase in Bezug auf ihre Ligeti-Initiative Respekt gezollt und die Pianistin beglückwünscht: „Hut ab vor Erika Haase, die wir als neueste Heroin begrüßen! Ihre jüngste Aufnahme dieser wunderbaren Stücke gibt, zumal den lyrischen unter ihnen, Gefühl und Seelenfarben, die so noch nicht zu hören waren.“ Brendels Bemerkungen beweisen einmal mehr, wie intensiv er sich – hörend, nicht spielend – mit der Musik des späteren 20. Jahrhunderts befasst und sich zu den wichtigsten Werken auch bekannt hat. Seine Beurteilung der Haaseschen Ligeti-Aufnahmen zeigt aber auch – sozusagen zwischen den wenigen Zeilen –, dass er sich vor allem von den verhaltenen Passagen angezogen fühlt. Und hier fühle ich mich auch im Hin- und Rückblick auf die genannten Ligeti-, aber auch auf die Liszt-Einspielungen (Tacet 150) und auf einige der technisch anspruchsvollen Etüden auf Tacet 53 (etwa Bartók op. 18!) bestätigt.

Erika Haase ist alles andere als eine brachiale, gleichsam Noten fressende Pianistin, vielmehr scheint sie mir eine Werkgestalterin, die – belesen, kundig – die ihr anvertrauten Passagen ohne Hektik, ohne jede pseudo-virtuose Grimasse zur Diskussion stellt. Diese seriöse, von Wettbewerbsdruck unbeeindruckte Haltung kommt in der hier vorliegenden Schumann-Sammlung den Studien für Pedalflügel (in der klangaromatischen Fassung von Debussy) zugute. Erika Haase benötigt Raum und etwas Muße, um ihre Qualitäten auszuspielen. Auch den – im Vergleich zu Liszt – recht braven Schumann-Hexereien der beiden Paganini-Serien ist dies dienlich, selbst wenn da und dort der Zugriff durchaus etwas sportlicher, etwas glitzernder sein könnte. Doch nicht wenige Hörer dürften zufrieden sein, diese im Konzertsaal kaum je, auf Tonträgern eher in unbefriedigenden Versionen zu hörenden Arrangements einmal en bloc zu erleben.

Enttäuschend aber dann die Symphonischen Etüden, denen es in dieser Wiedergabe in den kraftvollen, technisch ausgefuchsten Episoden an Leuchtkraft und Brillanz mangelt – zumal auf diesem Sektor der Stücke op. 13 und der fünf „anhänglichen“ Variationen eine schier übermächtige Konkurrenz den Katalog der greifbaren Einspielungen füllt (gar nicht erst zu reden von den gestrichenen!). Aber ich erlaube mir, nicht nur die schnellen, rastlosen „Etüden“ in Haases Umsetzung als bemüht, als pianistisch zu defensiv zu maßregeln. Verwundert musste ich zur Kenntnis nehmen, dass diese an sich doch so erfahrene Künstlerin in der Etüde Nr. 8 (CD 2, Track 9) zwischen den von Schumann klar von einander abgesetzten Notenwerten keinen Unterschied macht. Vielmehr rutscht sie in dieser – an „Französische Ouvertüren“ erinnernden – Rezitativ-Studie pauschalisierend über die kurzen und weniger knappen Noten hinweg. Allerdings gilt es zuzugestehen: sie ist in dieser Phase des Opus 13 nicht die einzige, die sich dieser Sorglosigkeit schuldig macht.

Vergleichsaufnahmen: Sinfonische Etüden (teilweise mit Anhang): Richter (Eurodisc, Revelation RV-10012), Ragna Schirmer (Berlin Classics 0017862 BC), Wehr (Connoisseur Society CD 4244), Aimard (Warner Classics 2564 63426-2), András Schiff (Warner 2564 69967-4), Itoh (Fontec FOCD 9329), Vorraber (Thorofon CTH 2530), Glemser (Naxos 8.557673), Schliessmann (Bayer 100311), Wild ( Ivory 64405-71001), Tsuda (Cyprès 1606), Weissenberg (EMI), Hamelin (Hyperion CDA 67166), Cherkassky (Great Pianists Philips 456 745-2), Myra Hess (Great Pianists Philips 456 832-2), Cortot (Great Pianists Philips 456 751-2, The Piano Library 259/61), Demus (Nuova era NE 7353), Werner Haas (MDG 642 1086-2), Kolessa (Doremi DHR-7743-5), Casadesus (Pearl GEM 0068), Vinocour (telos music TLS 057), Pletnev (DG 474813-2); Studien für Pedalflügel: Demus (Nuova era NE 7353, Vinocour (telos music TLS 057.

Peter Cossé † [06.08.2009]

Komponisten und Werke der Einspielung

CD 1
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 R. Schumann Sechs Studien für den Pedal-Flügel op. 56 (Sechs Stücke in kanonischer Form) 00:15:22
7 Studien nach Capricen von Paganini op. 3 00:17:20
13 Sechs Konzert-Etüden nach Capricen von Paganini op. 10 00:30:15
CD 2
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Sinfonische Etüden op. 13 00:25:36

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Erika Haase Klavier
Carmen Piazzini Klavier
 
165;4009850016502

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