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CD-Besprechung

Hommage à Eugène Ysaÿe

Telos TLS 099

2 CD • 2h 27min • 2007, 2008

23.07.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Ein Volltreffer! Zum 150.Geburtstag des großen belgischen Geigers, Dirigenten und Komponisten legt das Label Telos eine zwei CDs umfassende Hommage vor, wie sie längst fällig, aber bisher nicht erhältlich war. Zwar gibt es einige Gesamtaufnahmen von Ysaÿes „geigerischem Testament", den sechs vor allem in Geigerkreisen berühmten Sonaten op. 27 für Violine solo aus dem Jahr 1924, und hin und wieder begegnet man auch der einen oder anderen davon im Konzert oder auf einer Recital-CD – nicht ohne Erstaunen über diese faszinierende, eigentümliche Musik, die in so gar keine der gängigen Schubladen passen will. Aber insgesamt sind Person und Werk Eugène Ysaÿes unerklärlicher Weise bis heute weitgehend terra incognita.

Da schafft die Neuproduktion Abhilfe. Sie bettet die Solosonaten in eine Auswahl früherer Werke Ysaÿes, wodurch einerseits das kompositorische Umfeld abgesteckt und andererseits eine abwechslungsreiche Hörfolge kreiert wird, die die subtile Fantasie und Vielseitigkeit des Ausdrucks, die der Komponist fast ausschließlich durch das Medium der Violine zu vermitteln versteht, voll zur Geltung bringt. Da findet man Miniaturen von unwiderstehlichem Charme und klanglicher Raffinesse wie die Mazurka Lointain Passé von 1893, den Rêve d´Enfant oder die Berceuse, das spätromantisch-expressive Poème élégiaque (das Ernest Chausson die Anregung zur Komposition seines berühmten Poème gab), die abgründigen Paganini-Variationen, die kolossale Sonate für zwei Violinen (fast vierzig Minuten lang und von geradezu orchestraler Wirkung) und die aufwühlende Komposition Exil! für hohe Streicher aus dem Jahr 1917, die wie keine andere symbolhaft für die Stellung Ysaÿes zwischen den Zeiten und zwischen den Welten steht.

Die Vielfalt der Bezüge macht Ingolf Turban in seiner herausragenden Wiedergabe der sechs Solosonaten deutlich. Mit brillanter Technik und glasklarem Ton schlägt er nicht nur die Brücke zu Bach und Paganini, sondern er realisiert auch mit großer Sensibilität die implizite Charakterisierung des jeweiligen Widmungsträgers (jede der Sonaten ist einem großen Geiger-Kollegen von Ysaÿe gewidmet: Szigeti, Thibaud, Enescu, Kreisler, Crickboom und Quiroga). Eine Einspielung, die in ihrer Verbindung von vollblütigem Musizieren und kluger Disposition Maßstäbe setzt.

Turbans ebenbürtiger Partner am Klavier ebenso wie auf der Geige (in der Sonate für zwei Violinen) ist der vielseitige Kolja Lessing. Sein nuanciertes Spiel macht das Bedauern darüber, dass das Poème élégiaque und die Paganini-Variationen hier nicht in der Orchesterfassung wiedergegeben werden, schnell vergessen. Und ohne Frage ist so die überzeugende kammermusikalische Geschlossenheit der Produktion gewahrt. Dass man versäumt hat, im Booklet die einzelnen Satzbezeichnungen der Sonaten aufzuführen, fällt bei dieser ansonsten äußerst liebevoll und sorgfältig editierten, mit Bildmaterial und Faksimiles ausgestatteten und – last but not least – klanglich vorzüglichen Hommage nicht weiter ins Gewicht.

Sixtus König † [23.07.2008]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Eugène Ysaÿe
1Mazurka Nr. 3 op. 11 (Lontain Passé) 00:04:52
2Sonate g-Moll op. 27 Nr. 1 für Violine solo 00:14:39
6Poème élégiaque op. 12 for Violin and Piano 00:14:47
7Sonate a-Moll op. 27 Nr. 2 für Violine solo (über das Präludium aus der Partita E-Dur von Johann Sebastian Bach. À Jacques Thibaud) 00:12:21
11Paganini-Variations (op. posth.) 00:10:53
12Sonate d minor op. 27 No. 3 for Violin solo (Ballade) – Lento molto sotenuto - Allegro in tempo giusto 00:06:31
13Rêve d'Enfant op. 14 00:03:51
CD/SACD 2
1Sonate e-Moll op. 27 Nr. 4 für Violine solo 00:10:54
4Sonate op. posth. für 2 Violinen 00:36:45
7Sonate G-Dur op. 27 Nr. 5 für Violine solo (à Mathieu Crickboom) 00:08:54
9Berceuse f-Moll op. 20 00:05:19
10Sonate E-Dur op. 27 Nr. 6 für Violine solo 00:06:31
11Exil! op. 25 für Streichorchester ohne Bässe 00:09:29

Interpreten der Einspielung

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