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CD-Besprechung

Forgotten Treasures vol. 7
Virtuose Oboenkonzerte

Forgotten Treasures vol. 7<br />Virtuose Oboenkonzerte

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 28.08.08

Ars Produktion ARS 38 029

1 CD/SACD stereo/surround • 71min • 2007

Versteht man unter Virtuosität in erster Linie schaustellerische Artistik, so sucht man diese auf Folge 7 der Serie „Forgotten Treasures“ des Labels „Ars Produktion“ unter dem Titel „Virtuose Oboenkonzerte“ nahezu vergebens. Das überrascht, schrieb Johann Christian Fischer (1733-1800), der zu seiner Zeit wohl berühmteste Oboenvirtuose, seine Werke doch zum Zweck der Demonstration seiner eigenen Meisterschaft. Fischer studierte bei dem großen italienischen Oboisten Alessandro Besozzi, ging 1755 ans Dresdner Hoforchester, eroberte als reisender Virtuose zwischen 1764 und 1767 fast ganz Europa und kam über Berlin1768 schließlich nach London, wo er als Solist regelmäßig in den berühmten „Bach-Abel-Konzerten“ für Aufsehen sorgte. Schnell hatte sich Fischer aufgrund seiner blendenden Spieltechnik einen schon zu Lebzeiten legendären Ruf erworben. Und tatsächlich stellen die sehr gesanglich gehaltenen, auf historischem Instrumentarium musizierten Oboenkonzerte Nr. 1 C-Dur, Nr. 2 Es-Dur und Nr. 7 F-Dur hohe Anforderungen an den Solisten.

Sind diese anmutigen Konzerte galant, leichtfüßig und gerade in der Ausgestaltung des Oboenparts eher unspektakulär und übersichtlich denn vordergründig virtuos gesetzt, so verlangen sie allerdings in den Figurationen und Solokadenzen der Ecksätze – etwa im Allegro von Fischers bekanntestem Werk, dem C-Dur-Konzert, im Rondeau des Es-Dur-Konzerts oder im Allegro und Finale des Konzerts F-Dur – eine unangestrengte Überlegenheit in Sachen Spieltechnik und Tonformung. Damit scheint der Oboist Michael Niesmann hin und wieder seine Probleme zu haben. Er phrasiert überzeugend, artikuliert sauber. Aber sein schlanker, in den Höhen bisweilen gepresst klingender Ton erscheint mir oft zu verhalten und wenig wandlungsfähig – beispielswiese im Andante des C-Dur-Konzerts. Darüber hinaus klingt manches Passagenwerk nicht wirklich frei, zu vorsichtig, so, als könne sich Niesmann, Professor für Oboe an der Essener Folkwang-Hochschule und Mitglied zahlreicher renommierter Klangkörper, in diesen reizvollen Kompositionen nur schwer vom reinen Notentext lösen. Ganz anders die vorzüglich die Balance zwischen Solist und Orchester haltende und mit beeindruckender Akkuratesse agierende Kölner Akademie unter der Leitung von Michael Alexander Willens. Ob im publikumswirksamen F-Dur-Konzert mit seinen Final-Variationen über die irische Volksweise Gramachree Molly oder in dem ebenfalls auf dieser CD vertretenen, höfisch-eleganten Concerto B-Dur von Carl Stamitz: Transparenz, vornehme Klanglichkeit, Spritzigkeit, ja eine immer wieder überschäumend musikantische Spiellaune machen diese Aufnahme dann doch zu einem kurzweiligen Hörvergnügen.

Christof Jetzschke [28.08.2008]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J.C. Fischer Konzert Nr. 1 C-Dur für Oboe und Orchester 00:17:35
4 Konzert Nr. 7 F-Dur für Oboe und Orchester 00:16:40
7 C. Stamitz Konzert B-Dur für Oboe und Orchester 00:20:17
10 J.C. Fischer Konzert Nr. 2 Es-Dur für Oboe und Orchester 00:17:51

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Michael Niesemann Oboe
Kölner Akademie Orchester Orchester
Michael Alexander Willens Dirigent
 
ARS 38 029;4260052380291

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