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CD/SACD surround-Besprechung

Vergine Bella Madrigali da sonar

Aeolus AE-10146

1 CD/SACD surround • 70min • 2004, 2005

24.07.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Auf populäre, geschweige denn auf kurzweilig-unterhaltsame Klänge hat die auf Original-Rekonstruktionen spezialisierte Gruppe Il Desiderio ihr Madrigalprogramm ganz gewiß nicht angelegt. Klar, nüchtern, kühl und akribisch abstrakt widmen sich die acht Musiker (5 Damen, 3 Herren) penibel ihrer musikologischen Mission: Solosopran, Renaissance-Traversflöten und – im Wechsel – Laute, Harfe, Violen, Lirone, Chitarrone. Dass sie sich dabei um das wenig bekannte Kapitel der Übergangsepoche von der niederländischen Vokalpolyphonie der Renaissance zur affektgeladenen Monodie des aufkommenden Barockzeitalters bemühen – es geht also um einen Zeitraum Ende des 16., Anfang des 17. Jahrhunderts, erweckt Neugier. Leider ist das Ergebnis eine gewisse Monotonie, die sich aus der selbst gewählten Beschränkung der Klangfarben ergibt. Der relativ schmale Gestaltungsrahmen, den die intime Mensur von Querflöten ältester Bauweise (nach Claude Raffi, Lyon 1515) zulässt, noch dazu als „stilles Consort“ mit ein bis vier Flöten, die das gesamte Programm dominieren, erfordert vom Zuhörer Geduld. Erschwerend wirkt das selbst gestellte Thema: die „Diminutionspraxis“. Es handelt sich dabei um die Ausschmückung langer Notenwerte (damals) bekannter Melodievorlagen durch ornamentale Figurationen im Sinne einer erweiterten, neu erlebten Deutung der Textvorlagen. Damit wird der Instrumentalist herausgefordert zur Improvisation, Variation und Virtuosität.

Kaum haben sich bisher Interpreten aus dem Bereich Alter Musik derart dediziert und konzentriert diesem Spezialthema mit einer speziellen Programmfolge angenommen. Selbst für gestandene Musikhistoriker gehört dieses Kapitel zu den höheren Semesterweihen ihrer Studien. Nun also wird das quellenmäßig abgesicherte Diminuieren quer durch alle Stimmen präzise und mit etüdenhaft-kühl wirkender Perfektion ausgekostet. Allerdings – und dieses Manko läßt sich schwerlich durch die Wiedergabequalität auffangen – sind die vor 400 Jahren vertrauten Kernmelodien von Liebesleid und Liebesfreud (cantus firmi) aus den motettischen Madrigalvorlagen längst vergessen und nicht ohne weiteres und ohne Hilfe des Notenbildes als gegenwärtiges „Hörerlebnis“ nachzuvollziehen. Im Endeffekt läuft daher das künstlerische Vorhaben auf eine zum unreflektierten Hörkonsum und zur Meditation verführende „Alte Musik“ hinaus. Künstlerische Lichtblicke in der Werkfolge sind da die gesungenen Verse der italienischen Madrigaltexte im Non-Vibrato-Belcanto mit Schwellton-Espressivo der sich an den theoretisch überlieferten Regeln der Renaissancekunst orientierenden Sopranistin Arianna Savall Figueras als Expertin dieses Metiers.

Dr. Gerhard Pätzig [24.07.2008]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Giovanni Pierluigi da Palestrina
1Vestiva i colli für Sopran, 4 Flöten, Harfe und Laute (Prima e seconda parte) 00:05:15
2Vestiva i colli für Flöte, Violine, Harfe und Laute 00:03:18
Cypriano de Rore
3Non è ch'il duol mi scemi 00:03:40
Vincenzo Ruffo
4Dormendo un giorno (Capriccio a tre voci) 00:02:13
5O felici occhi miei (Capriccio a tre voci) 00:01:36
Jacques Arcadelt
6O felici occhi miei für Sopran und 3 Flöten 00:02:05
7O felici occhi miei für 4 Flöten 00:02:06
8O felici occhi miei für Sopran, Harfe und Laute 00:02:04
Giovanni Pierluigi da Palestrina
9Io son ferito 00:05:40
Vincenzo Ruffo
10El pietoso (Capriccio a tre voci) 00:03:36
11El travagliato (Capriccio a tre voci) 00:01:42
Giorgio Mainiero
12Pass'e mezzo antico & Slatarello 00:04:24
Cypriano de Rore
14Anchor che col partire für Violine, 4 Flöten und Laute 00:03:32
15Anchor che col partire für Sopran, 3 Flöten, Harfe und Laute 00:03:04
Giovanni Bassano
16Ricercata prima für Flöte 00:02:57
Cypriano de Rore
17Anchor che col partire für Flöte und Laute 00:03:45
18Anchor che col partire für Sopran, 3 Flöten und Harfe 00:03:57
Giovanni Paolo Cima
19Sonata a Canto e basso 00:03:41
Cypriano de Rore
20Vergine bella 00:06:59
Vincenzo Ruffo
21Vergine bella 00:04:16

Interpreten der Einspielung

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