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CD-Besprechung

P. Tschaikowsky

BIS 1 CD/SACD stereo/surround 1458

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 26.06.08

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BIS 1458

1 CD/SACD stereo/surround • 80min • 2003, 2004, 2005

„Das Wichtigste in der Musik steht nicht in den Noten.“ Im Falle von Tschaikowskys Sinfonie Nr. 4 f-Moll op. 36 könnte dieses Zitat Gustav Mahlers dazu verleiten, den detaillierten Ausführungen Tschaikowskys zu seinem 1878 fertig gestellten Werk ein größeres Gewicht beizumessen, als ihnen tatsächlich zusteht. Denn die Musik zeigt überdeutlich, wie wenig erhellend und vage Tschaikowskys Äußerungen über unentrinnbares Schicksal, Träume, Freud- und Hoffnungslosigkeit, Sehnsucht, Qual oder Glückseligkeit sind. Dem Verständnis der Symphonie und ihrer Architektur sind sie wohl kaum dienlich. Von ihnen unbeeindruckt zeigt sich glücklicherweise auch Neeme Järvi, dem es bei seiner Tschaikowsky-Lesart mit den Göteborger Sinfonikern hörbar um die Gestalt und den rein musikalischen Gehalt des Werks geht. Järvi gehört zweifellos zu jenen Dirigenten, die abseits ausgetretener Interpretationspfade dazu in der Lage sind, einem Werk ihren persönlichen Stempel aufzudrücken und dabei noch die typischen Charakteristika des jeweiligen Klangkörpers zu unterstreichen. Bei dem Schwedischen Nationalorchester fällt sofort sein homogener und transparenter Klang ins Ohr sowie eine gewisse Noblesse, die mit brillanten Streichern, wundervollem Holz und sattem bis schneidenden Blech in einer zupackenden, aber auch überaus geschmeidigen Musizierhaltung zum Ausdruck kommt.

Neeme Järvi scheut keineswegs das große Gefühl und führt das 1905 gegründete Orchester zu einer kraftvollen Interpretation. Mit Bedacht spürt er Abgründe auf und zeichnet musikalische Verläufe mitunter recht detailscharf nach. Niemals wird der Ton rau, nichts gleitet in vordergründige Effekthascherei ab. Ebenso scheint dem Esten eine Anbiederung an romantische Sentimentalität und Süßlichkeit fremd zu sein. Überzeugend legt Järvi die Kleingliedrigkeit des Kopfsatzes frei und wahrt doch einen alles zusammenhaltenden Atem – auch im etwas lärmenden Finale. Insofern ist gegen diese Neueinspielung nichts zu sagen. Trotzdem ist der Höreindruck ein zwiespältiger: Es fehlt das Tiefschürfende, der Hörer bleibt größtenteils auf Distanz und wird nur in seltenen Momenten von dieser Musik wirklich gepackt. Hin und wieder wäre ein wenig mehr dramatische Zuspitzung durchaus angebracht. Und trotz einer geheimnisvollen Klanglichkeit im Andantino und in dem geliebten wie gefürchteten Pizzicato des Scherzos scheint Järvi seltsamerweise nur an der mehr oder weniger glatten Oberfläche der Binnensätze interessiert zu sein.

An dieser Zwiespältigkeit ändert auch nichts die Wiedergabe der Streicherserenade C-Dur op. 48, deren Charme, Eleganz und expressiver Lyrismus in einem selbstverständlichen Strömen und mit gezügeltem Gefühlsüberschwang gekonnt abgebildet sind. Der Vollständigkeit halber sei noch die 1884 entstandene Elegie zum Gedenken an I.V. Samarin für Streichorchester genannt, bekannt auch als Vorspiel des vierten Aktes aus Tschaikowskys Schauspielmusik zu Shakespeares Hamlet op. 67a, deren Ausführung sich mit schwelgerischem Streicherwohlklang in das insgesamt dann doch ansprechende Gesamtbild einfügt.

Christof Jetzschke [26.06.2008]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 P. Tschaikowsky Sinfonie Nr. 4 f-Moll op. 36 00:43:08
5 Serenade C-Dur op. 48 für Streichorchester 00:30:32
9 Elegy in Memory of I.V. Samarin 00:05:50

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Gothenburg Symphony Orchestra Orchester
Neeme Järvi Dirigent
 
1458;7318599914589

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