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CD-Besprechung

J. Weir

NMC 1 CD D137

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 15.07.08

Klassik Heute
Empfehlung

NMC D137

1 CD • 76min • 2007

Beim Hören der vorliegenden CD kam mir unvermittelt in den Sinn, was mein Klassik-Heute-Kollege Rasmus van Rijn kürzlich im Zusammenhang mit der dritten Sinfonie Einojuhani Rautavaaras trefflich formuliert hat: „…als habe es den ganzen Witz und Aberwitz der letzten fünfzig oder sechzig Jahre nicht gegeben: Wer eine Partitur wie diese schreibt, der muss sich nicht mehr rechtfertigen und hat es gewiss nicht nötig, für die internationale Kritik oder jene theoretischen Dünnbrettbohrer zu schreiben, an deren Gunst und Segen alles gelegen war ..."

Geographische Abgeschiedenheit, vornehmlich aber die Insellage, scheint – selbst heute, im Zeitalter der Globalisierung – ein fruchtbarer Boden für das Aufblühen besonders individueller Komponistenpersönlichkeiten zu sein. Island oder die Britischen Inseln sind der lebendige Beweis dafür. Viele dieser Komponisten oder Komponistinnen hätten es wohl auf dem Kontinent, insbesondere auch in Deutschland mit seinen in ästhetischer Hinsicht inzwischen geradezu antiquiert anmutenden Strukturen sehr schwer, sich Gehör zu verschaffen, gerade weil viele von ihnen sich einer bequemen Zuordnung entziehen und sich keiner Schule oder Richtung verpflichten. Es ist bemerkenswert, dass Großbritannien – insbesondere Schottland – in den letzten Jahrzehnten zwei Komponistinnen von Weltrang hervorgebracht hat: Sally Beamish und Judith Weir – beide Mitte der Fünfziger Jahre geboren.

Judith Weir genießt heute zu Recht internationale Reputation, und man möchte dem Londoner „Independet" beipflichten, wenn er konstatiert: „Judith Weir has brought new hope to those who thought modern music could never be tuneful and original". The Welcome Arrival of Rain, ein sechzehnminütiges Orchesterwerk, das Weir 2001 im Auftrag des Minnesota Orchestra schrieb, mag hier stellvertretend für die Qualitäten ihrer Klangwelt stehen. Weirs Musik strahlt Kraft aus, das Orchesterkolorit erinnert zuweilen an den frühen Tippett. Es gelingt der Komponistin in ihren brillanten Partituren, eine Atmosphäre von Helle und Klarheit und einer heiteren, unverbrauchten Gelöstheit zu schaffen, optimistische Musik, die den Hörer verzaubert zurücklässt. Dies trifft auf alle Werke der CD zu. Besonders hervorheben möchte ich die wunderbare, höchst eigentümliche musikalische Rhetorik von Heroic Strokes of the Bow für Orchester frei nach Paul Klees Gemälde „Heroische Bogenstriche".

Tontechnik und Interpretation sind auf höchstem Niveau; die Aufnahmen sind in enger Zusammenarbeit mit der Komponistin entstanden und dürfen daher wohl den Rang einer Referenzaufnahme für sich beanspruchen. Ich möchte diese CD jedem Freund zeitgenössischer Musik ans Herz legen, vor allen aber jenen, die in der Musik der Gegenwart die Suche nach dem Schönen noch nicht aufgegeben haben: Judith Weirs Musik sollte sie reichlich belohnen…

Heinz Braun [15.07.2008]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Weir The Welcome Arrival of Rain 00:17:16
2 Natural History 00:17:55
6 Moon and Star 00:11:38
7 Forest 00:11:38
8 Heroic Strokes of the Bow 00:14:24

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Ailish Tynan Sopran
BBC Singers Chor
BBC Symphony Orchestra Orchester
Martyn Brabbins Dirigent
 
D137;5023363013727

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