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CD-Besprechung

L.v. Beethoven

OehmsClassics 1 CD/SACD stereo OC 617

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 11.03.08

Klassik Heute
Empfehlung

OehmsClassics OC 617

1 CD/SACD stereo • 80min • 2006

Der erfolgreiche, zuweilen auch Gewinn bringende Umgang mit den so verschieden gedachten, so impulsiv andersartig geformten, ja erträumten Beethoven-Sonaten scheint bei Pianisten unterschiedlichster Herkunft, unterschiedlicher Generation zu teils erhofften, teils aber auch zu enttäuschenden Ergebnissen zu führen. Ich denke an Gesamtaufnahmen und umfangreiche Projekte etwa mit Wilhelm Backhaus (Decca) und Maurizio Pollini (DG). Im Umfeld der späten, ja auch der „mittleren“ Sonaten hatten beide Künstler die nötigen technischen und spirituellen Resourcen – und sicher auch einen reichen Fundus an konzertanter Aufführungsroutine (im besten Sinn, versteht sich). Mit den frühen Sonaten – sofern man halbwegs richtig, also kritisch hinzuhören wagte –, stellte sich ein akustisches Bild des schönen Ungefähren, zuweilen gar des Geschluderten ein. Backhaus rauschte und schlidderte durch die Sonaten op. 2, Pollini – erst jüngst! – muss sich gegen seine Krankheit des Hetzens, des emotionalen und manuellen Überdrucks stemmen.

Aus diesem Grund und vor dem Hintergrund dieser etwas leidvollen Erfahrungen ist es mir mehr als erlaubt, Michael Korsticks Volume 4 seines Beethoven-Unternehmens als überaus gelungen, ja mehr noch: als eine faszinierende, knapp 80 Minuten nicht nur in Anspruch nehmende, sondern bereichernde „Begegnung" mit vier Sonaten zu empfehlen. Von ihnen weisen zwei (nämlich op. 10,3 und op. 13) weit in die ästhetische Zukunft des Komponisten. Vor allem der zweite Satz der D-Dur-Sonate (op. 10,3) zeigt, wie entschieden Beethoven in diesen Zeiten des Formens, des Wähnens, des Aufbegehrens sich von seinen Vorbildern, vor allem aber von kunstsinnig-pflegeleichten Manieren zu entfernen wagte. Korstick nun vertieft sich in die Schluchten, in die akkordischen Heftigkeiten mit gleichsam gescheiter Inbrunst, lässt die melodische Reibungsbewegung der linken Hand (ähnlich wie seinerzeit Glenn Gould!) als eigenständige und dennoch mitfühlende Stimme singen und sprechen. Und an Gould fühlt man sich auch erinnert, wenn Korstick den Kopfsatz der c-Moll-Sonate tatsächlich Allegro molto e con brio vorüber hasten, ja prasseln lässt – ohne freilich die Übersicht zu verlieren.

Übersicht, klare Entscheidungen prägen auch das Erscheinungsbild der Pathétique, bei deren Grave-Einleitung sich die Interpreten allzu oft erstaunliche rhythmische Freiheiten nehmen. Hier in dieser klanglich ausgezeichneten, weil räumlich wie klavieraromatisch absolut „original“ wirkenden Oehms-Aufnahme ereignet sich diese leidenschaftliche c-Moll-Sonate in der fulminanten Atemlosigkeit des ersten Satzes, in den sanglichen Gefühligkeiten des zweiten Satzes und in den klar strukturierten Aufgeregtheiten des Rondos in einer in Klang und Rausch codierten „Handschrift“, die in jeder Silbe, in jeder wörtlichen und gedanklichen Wendung verständlich bleibt. In solchen Phasen der Werkerhellung und -vermittlung möchte ich Michael Korstick zu den führenden Beethoven-Impulsgebern unserer Tage zählen. Aber mehr noch: auch im virtuellen Pantheon der Beethoven-Interpreten aller Zeiten bewegt er sich in bester Nachbarschaft zu den anerkannten Größen dieses Universums!

Vergleichsaufnahme: Gould (Sony)

Peter Cossé [11.03.2008]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 L.v. Beethoven Klaviersonate Nr. 5 c-Moll op. 10 Nr. 1 00:18:29
2 Klaviersonate Nr. 6 F-Dur op. 10 Nr. 2 00:15:53
3 Klaviersonate Nr. 7 D-Dur op. 10 Nr. 3 00:25:56
4 Klaviersonate Nr. 8 c-Moll op. 13 (Pathétique) 00:19:18

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Michael Korstick Klavier
 
OC 617;4260034866171

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