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CD-Besprechung

Profil PH05044

2 CD • 1h 56min • 1957

28.11.2007

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Wolfgang Fortners Lyrische Tragödie „Bluthochzeit“, vor 50 Jahren in der gerade eröffneten neuen Kölner Oper uraufgeführt, gehört zu den ganz wenigen zeitgenössischen Musikdramen, die sich über längere Zeit im Repertoire der Opernhäuser behaupten konnten. Das hängt mit der Qualität der literarischen Vorlage zusammen, Federico Garcia Lorcas gleichnamiges Bühnenstück, und mit der entschiedenen Haltung, die der Komponist zu dieser Vorlage einnimmt. Er war der „Überzeugung, dass die Erneuerung des musikalischen Theaters nicht von der Oper ausgehen kann, sondern dass sie von der Eroberung des Schauspiels durch den Musiker ausgehen muß.“

Die ist ihm hier gelungen. Er hält sich (mit einigen Strichen) eng an den Text des Dramas (in der Übersetzung Enrique Becks), räumt den gesprochenen Passagen einen ganz opernunüblichen breiten Raum ein und benutzt den Gesang gezielt als intensivierte Sprache. Dem Orchester, das die sieben Bilder des Stücks durch Zwischenspiele verbindet, kommt eine zentrale, eher überhöhende als illustrierende Bedeutung zu. Dementsprechend geht Fortner auch sehr zurückhaltend mit dem Einsatz folkloristischer Elemente um. Die Musik ist zwar auf einer Zwölftonreihe aufgebaut, doch variiert das harmonische Idiom häufig, was auch der stilistischen Vielschichtigkeit der literarischen Vorlage entspricht, die zwischen Verismus, Lyrismus und Symbolismus changiert.

Der jetzt im Rahmen der Günter Wand-Edition veröffentlichte Mitschnitt der Uraufführungsproduktion ist zugleich die erste Einspielung des Werkes überhaupt. Sie kann über den dokumentarischen Wert hinaus auch künstlerisch in jedem Belang befriedigen. Wand hatte keine sehr innige Beziehung zum Musiktheater und auch in den Jahren, wo er die musikalische Leitung der Kölner Oper innehatte, stets seine Konzerttätigkeit mit dem Gürzenich-Orchester favorisiert. Doch er war ein Kenner und engagierter Anwalt der Musik Fortners und der Komponist selbst verlangte seinen Einsatz am Opernpult. Er hat wohl gut daran getan. Die vorliegende Tonkonserve bestätigt die Kritiker, die damals fast unisono in Lobeshymnen ausbrachen. Wand erfasst die spröde Sinnlichkeit von Fortners Tonsprache genau, hält die sichere Balance von realistischer Expressivität und weltentrückter Poesie. Lorcas Symbolismus wirkt auf der Opernbühne noch überzeugender als im Sprechtheater.

Die Leistung des seinerzeitigen Kölner Ensembles ist beeindruckend. Die junge Anny Schlemm, damals noch ein lyrischer Sopran, singt und gestaltet die Rolle der Braut sehr charaktervoll und intensiv. Natalie Hinsch-Gröndahl als die Mutter des Bräutigams ist von der gleichen künstlerischen Statur, obwohl ihre Stimme noch relativ jung klingt. Ernst Grathwol singt den Part des Leonardo kantabel und mit hoher Kultur, Wilhelm Otto ist in der Sprechrolle des Bräutigams erfreulich unpathetisch. Auffallend in kleineren Rollen: die Mezzosopranistinnen Emmy Lisken (Leonardos Frau) und Hildegunt Walther (Die Magd).

Vor fünfzig Jahren war auf deutschen Bühnen Textverständlichkeit noch obligatorisch, was auch dieser Produktion sehr zugute kommt. Dennoch wäre es hilfreich gewesen, wenn Hänssler im Booklet das Libretto abgedruckt hätte.

Ekkehard Pluta [28.11.2007]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Wolfgang Fortner
1Bluthochzeit (Lyrische Tragödie in zwei Akten (sieben Bildern))

Interpreten der Einspielung

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