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CD-Besprechung

Ludwig van Beethoven

Piano Concerto No. 3
Six Cadenzas by Beethoven, Moscheles/Brahms, Alkan, Schulhoff, Ullmann, Rische

Arte Nova 82876 82586 2

1 CD • 61min • 2005

14.03.2007

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Wie soll und kann man jenes quasi-improvisatorische Moment, das Beethovens Musik oft eigen ist, für heutige Ohren begreifbar machen? Solch eine Spontaneität, die gelegentlich sogar ins Eigenbrötlerische driftet, wurde einst in besonderem Maße dem virtuosen Pianisten Beethoven zugesprochen. Hier liegt der Anküpfungspunkt von Michael Rische bei seiner Interpretation von Beethovens drittem Klavierkonzert. Während er in den notierten Partien eher zurückhaltend bleibt, jedenfalls nicht in Originalitätssucht verfällt (das gilt ebenfalls für die angepasste, in gutem Sinne „sachliche“ Orchesterbegleitung), holt er das Unterdrückte oder vielmehr Zurückgebundene umso frappanter in den Kadenzen nach. An die zwei Dutzend Kadenzen dürfte es für den ersten Satz des c-Moll-Konzertes geben; sechs davon sind hier eingespielt, immer jeweils natürlich verbunden mit der abschließenden Klavier-Orchester-Koda. Dass gerade dieses Werk für ein derartiges Experiment gewählt wurde, ist kaum Zufall. Mit dem dritten Konzert befand sich 1803 der damals 33-jährige Beethoven auf dem Höhepunkt seiner pianistischen Karriere – das fließt als bewusster Akt in die Musik selber ein. Nie gebärdete sich Beethoven so sehr als Virtuose wie hier – er suchte die Brillanz und er demonstrierte sie.

Natürlich steht Beethovens eigene Kadenz an erster Stelle – Michael Rische lässt schon in diesem „Original“ etwas von jener Lust am freien Umgang mit den Noten spüren, die kaum minder die weiteren Beiträge prägt. Die übrigen fünf Kadenzen bieten nicht zuletzt einen Querschnitt durch die Musikgeschichte nach Beethoven – von dessen Wiener Zeitgenossen Moscheles (diese geradezu sinfonische Kadenz wurde zu Unrecht lange Brahms zugeschrieben) über das frühe 20. Jahrhundert (Erwin Schulhoff, Viktor Ullmann) bis zu Rische selber, der in bester Interpretentradition eine eigene Fassung beisteuert. Selbstverständlich wird dabei, in rhythmischen Vertracktheiten wie in der Verbeugung vor Boulez, die aktuelle Auseinandersetzung am deutlichsten spürbar. Denn bei den beiden Pragern Schulhoff und Ullmann spiegelt sich doch eher der romantische Nachklang – mit nervigen Reger-Einflüssen beim ersteren, mit lyrischen Aspekten beim letzteren.

Während sich alle diese Kadenzen in den Dimensionen ungefähr am Beethoven-Muster (Dauer ca. 3 Min.) orientieren, droht die Fassung des Franzosen Charles Valentin Alkan fast aus dem Ruder zu laufen. Sie ist mehr als doppelt so lang, treibt den Ausführenden zum grenzensprengenden Kraftakt und verlockt ihn zu bestaunenswerten Wundertaten (Rische schreibt in der lesenswerten Einführung über eine „perfekte Illusion von drei Händen“). In der Tat galt Alkan (1813-1888) als pianistischer Zauberkünstler seiner Epoche. Doch selbst wenn er die bravouröse Fingerfertigkeit zum Maß aller Dinge erklärt, verliert er den Ursprung und dessen hohen Anspruch nicht aus dem Ohr – zum Beispiel, indem er ein Zitat aus Beethovens fünfter Sinfonie einstreut. Und damit, über alle Hexenmeistereien hinaus, einen Bogen der höheren Beziehungen kreiert.

Mario Gerteis † [14.03.2007]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ludwig van Beethoven
1Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37

Interpreten der Einspielung

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