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CD-Besprechung

Suites & Partitas of Modern Times

Talent DOM 2910 125

1 CD • 76min • 2002

20.07.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 5
Klangqualität:
Klangqualität: 5
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 5

Die Idee diese Produktion ist sehr reizvoll: Insgesamt sechs Stücke von modernen oder zeitgenössischen Komponisten sind hier zusammengestellt, die sich auf die barocke Reihungs-Form der Partita oder Suite beziehen. In allen Stücken führt diese bewußt gewählte Referenz auf ältere Musik zu mehr oder minder direkten, teilweise auch sehr abstrakten Anspielungen auf vergangenes Musikmaterial. Leider ist die Realisation der bestechenden Idee nicht völlig geglückt: Die beiden jungen Musiker, der belgische Geiger Daniel Rubenstein und der türkische Pianist Muhiddin Dürrüoglu-Demiriz, haben sich mit dem anspruchsvollen Programm merklich verhoben, weil sie nicht allen Stücken voll gerecht werden und die Bandbreite der Stile interpretatorisch nicht abdecken können.

Interessanterweise erweisen sich die beiden ältesten Beiträge, Strawinskys Suite Italienne, und Dallapiccolas Divertimento Tartiniana seconda als die am schwierigsten zu bewältigenden Stücke. Beide Komponisten verwandten Barockphrasen, direkt übernommene wie auch kunstvoll imitierte und verfremdete, und schöpften in deren Verarbeitung sowohl die Möglichkeiten der älteren Epoche wie auch die ihrer eigenen voll aus. Das macht die Werke schwierig zu artikulieren, weil jede Phrase präzise abgezirkelt und sehr kontrolliert bis zu ihrem Ende geführt werden muß; jede Ungenauigkeit rächt sich sofort. Für diese Aufgabe erweist sich jedoch Rubensteins Geigenspiel als viel zu unausgeglichen. Sein Ton ist gewöhnungsbedürftig, weil ziemlich säurehaltig und zu offenen Stellen neigend; in der Gavotta aus Strawinskys Suite etwa sind weder der einzelne Ton noch die einzelne Phrase tragfähig genug, um die Zeit zu erfüllen. Richtiggehend kratzig dagegen gerät die Tarantella; wenn das als ein Stilmittel bewußt eingesetzt wird, ist es mißlungen, weil es einfach sehr an Subtilität mangelt. Diese Mankos kann Rubenstein auch nicht durch Temperament wettmachen; häufig ist die Artikulation eher schwerfällig. Eine sehr trockene Akustik tut ihr übriges.

Auch Dürrüoglu-Demiriz kann die Reichtümer des Klaviersatzes nicht voll offenbaren; die mikroskopische Polyphonie Strawinskys wird nicht plastisch herausgearbeitet, das Klavier wirkt bisweilen wie die unfreiwillige Karikatur einer der sprichwörtlichen trockenen Cembalo-Nähmaschinen. Die genannten Mängel schaden auch der Tartini-Studie Dallapiccolas; dazu kommen Unwägbarkeiten in der Intonation: Dallapiccolas faszinierendes Spiel mit Quinten müßte vielmehr in großer Reinheit evoziert werden.

Glücklicherweise verbessert sich der Eindruck im Verlauf der restlichen Stücke, die geringere Schwierigkeiten aufwerfen. Schnittke Suite in altem Style ist eine Stil-Allusion, recht ähnlich der Musik zu einem Historien-Film, die nicht das komplexe Niveau der verschachtelten Verarbeitung Strawinskys oder Dallapiccolas erreicht; entsprechend einfacher ist sie auch zu phrasieren. In Lutoslawskis Partita hingegen sind die Passagen mit mikrotonalen Abweichungen besonders gut ausgeführt; ohnehin scheint es so, als ob die beiden Musiker viel mehr mit der Neue-Musik-Rhetorik als der historischen anfangen können. Daher überzeugt auch das jüngste Stück des Programms, die Sonapartita, noch nach Bach des 1947 geborenen Amerikaners Don Freund: Wie der Autor im Beiheft selbst freimütig schreibt, war er, inspiriert von einem Diktum T. S. Eliots, mehr bemüht, von den Alten zu stehlen, als bloß von ihnen zu borgen. Dennoch ist das Stück mit dem sperrigen Titel (eine Anspielung auf ein Werk George Rochbergs aus den 1960er Jahren) ein ernstes Werk, eine echte Hommage, die den Bach´schen Stil versucht in eine beruhigte Moderne zu übertragen.

Dr. Michael B. Weiß [20.07.2006]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Igor Strawinsky
1Suite italienne
Luigi Dallapiccola
2Tartiniana Seconda (Divertimento, 1956)
Frédéric van Rossum
3Graffiti op. 16 (1968)
Alfred Schnittke
4Suite im alten Stil für Violine und Klavier (1972)
Witold Lutoslawski
5Partita für Violine und Klavier
Don Freund
6Sonapartita, noch nach Bach (2001)

Interpreten der Einspielung

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