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CD-Besprechung

R. Schumann

harmonia mundi 1 CD HMC 901890

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 31.07.06

harmonia mundi HMC 901890

1 CD • 64min • 2005

Wenn man in den verschiedensten Klavierwettbewerben die Ehre hat, im Kreis berühmter Juroren zu sitzen, dann geben die Darbietungen eines Werkes immer wieder zu denken über literarische, ästhetische und – vor allem – über ganz simple aufführungspraktische Fehleinschätzungen, nämlich hinsichtlich der Aktualisierung des Notentextes. Es handelt sich um Schumanns Carnaval, dessen Einleitung im Allgemeinen – wenn nach den akkordischen Mustern der Wirbel entfacht wird – wie wild heruntergefetzt wird, mit zahllosen verrutschten Noten, überspannt in der tänzerischen Bewegung, atemlos ohne jene Portion Atem, die auch dem Entfesselsten Sinn und Gehalt verleihen würde. Das gleiche gilt für eine Passage wie jene dem Daumen auferlegte Repetitionsstudie Reconnaissance oder die haarige Paganini-Studie, deren dynamische Anweisungen entweder ignoriert oder ins Gegenteil verkehrt werden.

Ich erwähne das, weil Stefan Vladar im genannten Eröffnungsteil genügend Zurückhaltung beweist, also nicht sinnentleert losstürmt, sondern im karnevalistischen Treiben die Übersicht behält. Wie sollte man auch im Hier und Jetzt der Masken zu abendlichen, meinetwegen auch erotischen Erfolgen kommen, wenn man nicht kühlen, freilich hocherröteten Kopf bewahrt.

Mit den Papillons und dem Faschingsschwank untersucht und bestätigt Vladar alles Maskenhafte aus Schumanns Klavierschaffen bis hin zum Ende einer Schaffensperiode, die sich im Folgenden für einige Zeit – mit Ausnahme der Klavierstücke op. 32 – von reinen Tastenspielen abwenden sollte. Für die wundersamen Schmetterlings-Spiele op. 2 beweist Vladar Charme, rhythmische Elastizität (Polonaise!), Sinn für die klaviermechanischen Feinheiten und einen regen Fingergeist, für alles, was Schumann zwischen den Zeilen zu komponieren verstand. Und auch der Faschingsschwank hat in den immer etwas stereotyp wirkenden Akkord-Salven genügend Energie und variantenreiche Dosierung, um – wie eigentlich nur bei Sviatoslav Richter – nicht ermüdend zu wirken. Mithin: eine der besten Schumann-Aufnahmen der letzten Jahre.

Peter Cossé † [31.07.2006]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 R. Schumann Papillons op. 2
2 Carnaval op. 9 (Scènes mignonnes sur quatre notes)
3 Faschingsschwank aus Wien op. 26

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Stefan Vladar Klavier
 
HMC 901890;0794881802524

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